KryptoSo versteht man die Blockchain-Revolution

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Symbolbild: Blockchain Getty Images

Trägt man über Kryptowährungen und Blockchains vor, stellt sich die Frage, ob man die Technologie oder direkt die gesellschaftlichen Implikationen erklärt. Stehen nur wenige Minuten zur Verfügung, können beide Wege die Zuhörer verwirren. Wir hoffen, dass unsere Metaphern helfen, das Dilemma zu lösen und Sie uns begeistert auf die Reise ins Blockchain-Universum folgen.

Blockchains sind wie Dominosteine! Nicht die Süßigkeit ist gemeint, sondern die Spielsteine.

Zwei unterschiedliche Varianten sind beliebt: In der ersten lösen die eng hintereinander aufgestellten Steine eine Kettenreaktion aus, wenn einer der Steine kippt, kippen alle. In der zweiten stehen auf den Steinen Augenpaare, die regelkonform angelegt werden.

Blockchains kombinieren gewissermaßen beide Varianten. Die Dominosteine repräsentieren die Blöcke der Blockchain, die in eine Reihe gestellt werden. Auf jedem steht nun kein Augenpaar, sondern jeder Block enthält Coins, die einem Eigentümer zugeordnet sind. Wechselt ein Coin den Eigentümer, stellen die sogenannten „Miner“ einen neuen Stein auf und protokollieren darin die Eigentümerwechsel. Alle bisherigen Eigentümerwechsel, also die gesamte Blockchain-Historie, ist von jedem im Internet frei abrufbar.

Auf geht es zum nächsten Gesellschaftsspiel: Sudoku! Für das Aufstellen neuer Blöcke bzw. Dominosteine werden die Miner mit neuen Coins belohnt. Diese Coins bekommt derjenige, der als Erster eine Art super komplexes Sudoku löst. Wie beim Feierabend-Sudoku sind wenige Felder bereits ausgefüllt und definieren so die gesuchte Lösung. In der Kryptowelt besteht diese Vorabinformation aus den aktuellen Eigentümerwechseln der Coins. Findet der Miner eine Lösung, schreibt er sie außen auf den Dominostein. Wie beim Feierabend- Sudoku ist das Finden der Lösung schwer, das Erkennen richtiger Lösungen aber einfach.

Warum schummelt, manipuliert und sabotiert niemand die Dominokette?

Warum schummeln die Miner nicht? Erstens: Nur der Eigentümer kann einen Coinwechsel veranlassen. Zweitens: Die Miner kontrollieren sich gegenseitig, wodurch jeder Dominostein nur gültige Eigentümerwechsel enthält. Drittens: Um die Sudokus zu lösen, investieren sie in Hardware und Strom. Diese Investitionen wären ohne das Vertrauen der Nutzer in ihre Kryptowährung wertlos. Deshalb verhalten sich die Miner regelkonform.

Warum manipuliert niemand die Blockchain-Historie? Zieht jemand einen Block aus der Dominokette, um die dort befindlichen Coins zu stehlen, wirft er alle Dominosteine um. Zumindest ist die Falsifikation in einer Blockchain garantiert, denn alle Blöcke und Coins sind miteinander verkettet. Deswegen werden die Kryptosysteme als „immutable“, also unveränderbar, bezeichnet!

Warum sabotiert niemand die Dominokette? Viele Blockchains sind wertvoll, weswegen sie von Hackern oft attackiert werden. Jedoch liegen viele Kopien der Dominoketten global verteilt auf vielen Rechnern der Welt. Wird eine Kette manipuliert, wird automatisch das Original von benachbarten Computern kopiert. Das System funktioniert also wie die

Wundheilung: die umliegende Haut repariert das verletzte Gewebe. Deshalb werden Kryptosysteme als dezentral bezeichnet!

Auch die Governance-Struktur ist dezentral und hat somit eine flache Hierarchie. Die Software des Netzwerkes ist Open Source. Jeder darf Vorschläge einbringen und mitarbeiten. Viele Köche verderben aber auch oft den Brei. Zudem ringen die Programmierer bei Softwareupdates nicht nur untereinander um Verbesserungen, sondern auch mit den Minern. Ohne Konsens ignorieren diese die Updates. Folglich ist die Governance-Struktur komplex, träge, aber auch sehr stabil und zuverlässig.

Kryptografie sichert den Inhalt eines Dominosteins und die darin befindlichen Eigentümerwechsel! Die Kryptografie ermöglicht es, digital zu unterschreiben. Obwohl die Blockchain öffentlich ist, bleiben so die Eigentümer meist anonym. Wie oben beschrieben sind die Kryptosysteme immutable, dezentral und global. Somit sprengen sie den nationalen juristischen Rahmen und sind schwer zu regulieren. Auch bedarf es keiner Treuhänder oder „trusted third parties“, wie Zentralbanken. Die Nutzer müssen sich weder kennen noch vertrauen. Sie verlassen sich lediglich auf das Funktionieren des Kryptosystems, insbesondere die digitale Unterschrift. Daher werden Kryptosysteme auch als „trustless“ bezeichnet!

Da die Bitcoin-Blockchain neben den Eigentümerwechseln der Coins einen Freitext enthält, der dem Verwendungszweck bei einer Banküberweisung ähnelt, hinterlegten manche Kryptoevangelisten dort ihr Ehegelübde. Sie hoffen ewiglich. Welche Informationen können Blockchains noch unveränderbar, dezentral und global speichern? Die Antwort auf diese Frage elektrifiziert die Kryptoenthusiasten. Manche sagen eine gesellschaftliche und ökonomische Revolution voraus.