ExklusivDeutschlands beste Digilabs

Die Innovations-Labore von Lufthansa, Daimler und MAN sind die besten der in Deutschland gegründeten digitalen Einheiten großer deutscher Konzerne. Dies zeigt eine Studie von Capital (Ausgabe 7/2017) und der Managementberatung Infront Consulting & Management, die erstmals systematisch untersucht, welche Ergebnisse solche Labore von Unternehmen bringen.

Anhand mehrerer Faktoren wurden insgesamt 34 so genannte Innovation Labs und Acceleratoren analyisiert. Nur rund der Hälfte der Unternehmen gelingt es tatsächlich, die Digital-Einheiten effektiv und zielgerichtet einzubinden und nachhaltig Innovationen und neue Produkte zu schaffen. „Können die Unternehmen auf dieses Modell verzichten? Nein, das hieße Kapitulation“, sagt Thomas Sindemann, der als Partner bei Infront Consulting & Management die Studie verantwortet hat. „Aber es muss sehr klar sein, was man sich von einem Labor erwartet.“

Sechs Erfolgsfaktoren werden in der Studie ausgemacht. Je mehr Kategorien ein Labor gut meistert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es seinem Unternehmen einen Mehrwert bringt. Erstens: Wie gut sind die Unterstützung durch das Top-Management und die Zielvorgaben durch den Konzern? Zweitens: Wie klar ist die Auswahl der Themen und möglichen Geschäftsideen? Drittens: Funktioniert der Austausch zwischen dem Konzern und dem Digitalableger – personell und inhaltlich? Viertens: Werden die richtigen Methoden angewandt? Fünftens: Gibt es die Bereitschaft, die im Labor entstandenen Ideen wirklich groß zu machen, also zu skalieren? Und sechstens: Wie gut arbeitet das Labor mit Kunden und externen Partnern zusammen?

Geld hat noch niemand verdient

Capital 07/2017
Die aktuelle Capital

Bei den Laboren ist der 2014 gegründete Lufthansa Innovation Hub in Berlin in vielen Disziplinen klarer Vorreiter, gefolgt von Daimler Business Innovation/ DigitalLife@Daimler und dem MAN-X-Lab. Knapp dahinter folgen die Thyssenkrupp Innovation Garage und die Deutsche Bank Digitalfabrik.

Die Liste der 17 untersuchten Acceleratoren, die sich allesamt als Sprungbrett für Start-ups verstehen, führen Axel Springer Plug and Play sowie ProSiebenSat.1 Accelerator an. Auf den Plätzen folgen Allianz X, SBB Start-up Programm, SAP Data Space und Microsoft Accelerator. Deutschlands Start-up-Metropole Berlin hat sich auch zur Hauptstandt der Digital-Labore entwickelt. Mit 32 der 98 in Deutschland tätigen Innovation Labs führt Berlin vor München (16), Stuttgart (11) und dem Rhein-Ruhr-Gebiet (11).

Ein großes Manko haben die Digitalableger: Wirklich Geld hat noch niemand verdient, auch die nicht, die schon länger dabei sind. „Es fällt auf, dass bisher betriebswirtschaftlich eigentlich fast nichts erreicht wurde“, sagt Julian Kawohl, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. „Kein Unternehmen hat durch sein Lab signifikantes Neugeschäft aufgebaut.“ Die Gründe sind vielfältig. Oft sehen die Bereichsleiter die Labs als Konkurrenten, die ihnen ein Stück von ihrem Kuchen wegnehmen wollen. Zukäufe von Start-ups wiederum sind Wagniskapital und damit Finanzspekulation, was in einem börsennotierten Unternehmen kaum zu vermitteln ist. „Was funktioniert, ist: Ideen generieren. Da haben die Labs super Fortschritte gemacht“, sagt Kawohl. „Was fehlt, ist die Bereitschaft der Konzerne, wirklich im großen Stil Ressourcen zur Verfügung zu stellen.“

Die neue Capital ist am 22. Juni erschienen. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon