ExklusivPremier League hängt Bundesliga bei Finanzkraft ab

#1 Bayern München: Geht es nach dem Marktwert, ist der Rekordmeister auch diese Saison nicht zu schlagen. Auf 854,65 Mio. Euro taxiert Transfermarkt.de den Wert des Clubs. Das ist mehr als doppelt so viel wie der zweite in diesem Ranking. Mit Robert Lewandowski haben die Bayern zudem den wertvollsten Bundesliga-Spieler in ihren Reihen: Sein Marktwert soll bei 85 Mio. Euro liegen.
Im Ranking von Europas reichsten Clubs kann aus der Bundesliga nur der FC Bayern vorne mitspielen. Die Premier League zieht ihrer Konkurrenz bei der Finanzkraft davondpa

Die finanzielle Dominanz der Premier League gegenüber der Bundesliga und anderen Topligen wächst immer weiter. Das geht aus dem neuen „Club Licensing Benchmarking Report“ der UEFA für das Geschäftsjahr 2017 hervor, der Capital vorab vorliegt. Demnach distanzierte die Premier League die anderen europäischen Ligen nicht nur beim Umsatz, sondern erstmals auch beim Nettogewinn um Längen. Laut den UEFA-Daten verdienten die 20 englischen Clubs 2017 umgerechnet 549 Mio. Euro. Dahinter folgte die spanische Liga mit 168 Mio. Euro. Die 18 Bundesligisten kamen zusammen auf einen Jahresgewinn von 92 Mio. Euro. Die italienische Serie A schaffte es hinter Portugal mit einem Gewinn von 79 Mio. Euro nur auf Platz fünf.

Der UEFA-Bericht dokumentiert, wie weit die Premier League ihrer Konkurrenz bei der Finanzkraft mittlerweile enteilt ist – vor allem dank ihrer Milliardeneinnahmen aus dem Verkauf von TV- und Medienrechten. Im Geschäftsjahr 2016 hatten die Premier-League-Clubs, von denen viele in früheren Jahren hohe Defizite angehäuft hatten, noch einen Verlust von fast 200 Mio. Euro geschrieben. Spitzenreiter der europäischen Top-5-Ligen war im Jahr 2016 die Bundesliga mit einem Gewinn von 176 Mio. Euro. 2017 verzeichneten dagegen 18 der 20 englischen Erstligisten einen Nettogewinn – elf davon mit einer Gewinnmarge von mehr als zehn Prozent. Von den 18 Bundesligaclubs schrieben laut den Daten der UEFA 2017 drei rote Zahlen. Nur drei Vereine schafften eine zweistellige Nettomarge, zwölf weitere eine einstellige.

Für ihren „Club Licensing Benchmarking Report“ greift die UEFA auf die von Wirtschaftsprüfern testierten Jahresabschlüsse der Vereine zurück – auch von solchen, die ihre Bilanzen nicht publizieren. Die Daten für das Finanzjahr 2017 sind die aktuellsten, die für alle Clubs verfügbar sind. Der neue TV-Vertrag der Bundesliga, der den deutschen Proficlubs der ersten und zweiten Liga insgesamt rund 50 Prozent höhere Medienerlöse bringt als zuletzt im vorherigen Rechtezyklus, wird sich erst in den Zahlen für 2018 bemerkbar machen. Allerdings liegt das Volumen der Bundesliga-Medienerlöse auch heute immer noch weit unterhalb des Niveaus der Premier League.

Für ihren Bericht lässt die UEFA Einnahmen aus Spielertransfers unberücksichtigt. Demnach machten die 20 Premier-League-Clubs 2017 einen Gesamtumsatz von 5,34 Mrd. Euro – fast doppelt so viel wie die spanische Liga auf Rang zwei. Die 20 spanischen Erstligisten kamen auf 2,899 Mrd. Euro, die 18 Bundesligaclubs auf 2,799 Mrd. Euro. Die Serie A verzeichnete Erlöse von 2,163 Mrd. Euro. In Summe verbuchten die mehr als 700 Erstligaclubs in den 55 UEFA-Mitgliedsverbänden nach vielen Jahren hoher Gesamtdefizite 2017 erstmals einen Überschuss von 615 Mio. Euro.

Wie aus dem Report weiter hervorgeht, finden sich unter den 20 profitabelsten Clubs Europas im Geschäftsjahr 2017 nur zwei Bundesligisten – aber elf Premier-League-Clubs, die trotz negativer Währungseffekte durch das schwache Pfund das Ranking dominieren. Mit einem operativen Gewinn von 116 Mio. Euro liegt der FC Bayern München auf Rang drei, RB Leipzig schafft es mit 51 Mio. Euro auf Platz 15. An der Spitze stehen Manchester United (222 Mio. Euro) und der FC Arsenal (144 Mio. Euro). Auch über einen Zeitraum von zehn Jahren, den die UEFA in ihrem zehnten Benchmark-Report ebenfalls betrachtet, liegt Manchester United mit einem operativen Gewinn von 1,183 Mrd. Euro zwischen 2008 und 2017 ganz vorne. Dahinter folgen Real Madrid (936 Mio. Euro), der FC Barcelona (666 Mio. Euro) und der FC Bayern (612 Mio. Euro).

Doppelt so hohe Personalausgaben wie die Bundesliga

Die Folgen der finanziellen Überlegenheit der Premier League lassen sich auch bei den Ausgaben ablesen. Laut  UEFA zahlte die englischen Liga 2017  knapp 3 Mrd. Euro an Spielergehältern – im Schnitt 148,4 Mio. Euro pro Club. Mit einem Anstieg von 18 Prozent verzeichnete die spanische Liga die zweithöchste Gehaltssumme mit durchschnittlich 84,4 Mio. Euro pro Club und 1,688 Mrd. Euro insgesamt. In Spanien schlug unter anderem eine Gehaltsexplosion bei Real Madrid zu Buche: Als erster Verein überhaupt gab Real im Geschäftsjahr 2017 mehr als 400 Mio. Euro für Spielergehälter aus – ein Anstieg von satten 100 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Auf Rang drei bei den Gehaltskosten folgt die Bundesliga mit einem Anstieg um zehn Prozent gegenüber 2016 auf 1,492 Mrd. Euro (im Schnitt 82,9 Mio. pro Club). Damit lag die Bundesliga bei den Gesamtausgaben für Gehälter erstmals vor der italienischen Serie A (1,42 Mrd. Euro). Für 2017 finden sich auf der Liste der 20 Vereine mit den höchsten Personalausgaben auch drei Bundesligisten: der FC Bayern (Platz 5, 276 Mio. Euro), Borussia Dortmund (Platz 11, 178 Mio. Euro) und – obwohl er schon länger nicht international spielt – der VfL Wolfsburg (Platz 16, 139 Mio. Euro). Insgesamt fällt die Bundesliga allerdings mit einer vergleichsweise niedrigen Gehaltsquote auf: Den UEFA-Daten zufolge lagen die Personalausgaben ligaweit bei 53 Prozent des Gesamtumsatzes – der niedrigste Wert aller großen Ligen.

Auch bei den Vermögenswerten in ihren Bilanzen spielen die Premier-League-Clubs in einer anderen Liga. Demnach verfügen die englischen Erstligisten im Schnitt über Assets in Höhe von 489 Mio. Euro – darunter ein Spielervermögen von 218 Mio. Euro. Die zweitplatzierten Spanier kommen gerade einmal auf Assets von 240 Mio. Euro (Spieler: 110 Mio. Euro), die italienischen Clubs auf 226 Mio. Euro (Spieler: 122 Mio. Euro). Als letzte der vier größten Ligen folgt die Bundesliga: Ein Club verfügt hier im Durchschnitt über Assets in Höhe von 189 Mio. Euro, davon einen Kader mit einem bilanziellen Wert von 70 Mio. Euro – nur ein Drittel so viel wie die Konkurrenz in England.