ManagementManagement braucht neue Autorität


Frank Baumann-Habersack ist geschäftsführender Gesellschafter der systemischen Organisationsberatung Baumannpartner sowie Akademieleiter der Autoritum-Akademie für Persönlichkeit und Führung. Vor kurzem erschien sein Buch Frank Baumann-Habersack ist geschäftsführender Gesellschafter der systemischen Organisationsberatung Baumannpartner sowie Akademieleiter der Autoritum-Akademie für Persönlichkeit und Führung. Vor kurzem erschien sein Buch „Mit neuer Autorität in Führung“


Der klassische Autoritätsbegriff, der noch aus der Industriekultur stammt, hat ausgedient. Die „neue Autorität“ basiert auf völlig anderen Bildern und Prämissen. Im Zentrum dieses neuen Verständnisses steht: Präsenz. Dabei geht es darum, eine Form von „Anwesenheit“ und „Dasein“ zu verwirklichen, die nicht in erster Linie auf Macht und Durchsetzung gegründet ist, sondern auf Kommunikation, auf Beziehung und Kooperation.

Als Führungskraft im Sinne der „neuen Autorität“ behauptet sich eine Person, wenn sie zum Experten der Gestaltung von Interaktionen wird, wenn sie in der Lage ist, Befugnisse, die mit einer Position verbunden sind, persönlich zu verkörpern, eben „da“ zu sein, auch und gerade, wenn es Schwierigkeiten gibt. Damit fokussiert „neue Autorität“ auf etwas grundsätzlich anderes als Kontrolle, Durchsetzung oder Macht, nämlich auf beharrliche Präsenz und Verbundenheit aller für gemeinsame Ziele.

Die Chancen, die in diesem neuen Mindset liegen, sind offensichtlich. Sie sind ein Zeichen der Reife und Agilität einer Organisation, in der ein partizipatives Führungsverständnis wirksam ist. Bei der neuen Autorität geht es somit um ein „Beziehungsthema“, das es erforderlich macht, das bisherige Verständnis im Führungsalltag zu reflektieren und bei Bedarf zu ändern.

Drei Trends

Buchcover: "Mit neuer Autorität in Führung"
„Mit neuer Autorität in Führung“ ist bei Springer Gabler erschienen

Die Krise der Führung in vielen Unternehmen zeigt: In großen Teilen der Wirtschaft ist die Führung noch tief in der alten Autorität verhaftet. Den Führungskräften macht es zu schaffen, dass es oft keine Vertrauenskultur unter den Kollegen gibt. Gleichzeitig haben die meisten Führungskräfte Angst davor, selbst den Wandel einzuleiten. Angst bleibt dann ein prägender Faktor, in der Führung von Menschen, aber auch in Bezug auf Scheitern und Misserfolg.

Drei Trends treiben inzwischen die Demokratisierung der Unternehmen voran: Erstens die Entwicklung vernetzter, digitaler Technologien, zweitens die zunehmende Macht der Talente sowie drittens der Anspruch der Mitarbeiter nach sinnvoller, gestalterischer Mitwirkung.

Allerdings reicht es nicht, den Führungsstil zu verändern. Das wäre Symptombekämpfung. Damit Unternehmen von diesen Trends profitieren, müssen die Chefs ihre innere Haltung zur Führung verändern.

Kommunikation ist dabei ein Schlüsselwort, denn heute geht es darum, Kooperationen anzuregen und zu ermöglichen und die Randbedingungen dafür sicher zu stellen. Damit geht ein ganz anderes Verständnis von Führung einher. Nicht mehr die einsame Entscheidung an der Spitze ist gefragt, sondern die Fähigkeit, sich klug in Netzwerken zu bewegen. Qualitäten wie die Fähigkeit zur Kontaktaufnahme, zum Gespräch, bei Bedarf zum Grenzen setzen und zur persönlichen Präsenz kennzeichnen heute, erst recht morgen eine Führungspersönlichkeit. Es sind Qualitäten, die sich weniger aus der Zuweisung einer Position, Funktion oder aus Fachkompetenzen ergeben, als vielmehr aus der Art und Weise, wie die Position ausgefüllt wird.