LesestoffMacht der Job noch Spaß?

Wie im Hamsterrad: Vielen Angestellten macht der Job keinen Spaß
Wie im Hamsterrad: Vielen Angestellten macht der Job keinen Spaß
© Getty Images

An dem Tag, an dem Gabriele Braun heimlich nach Berlin fährt, ahnt niemand, dass die Top-Managerin des Dax-Konzerns Continental ihren Ausstieg plant. Nicht einmal ihr Mann. Am Hackeschen Markt biegt sie in eine schmale Straße ein und verschwindet in einer kleinen Werkstatt mit noch kleinerer Verkaufsfläche.

In Hannover, beim Autozulieferer Continental, steht Braun hoch im Kurs. Sie verantwortet die Personalentwicklung. Der Sprung in den Vorstand sei nur eine Frage der Zeit, wird gemunkelt. Damit wäre Braun eine der wenigen Frauen im Vorstand eines Dax-Konzerns. Doch die Mittvierzigerin hat andere Ziele. Sie will noch einmal neu anfangen. Deshalb ist sie heimlich in Berlin. Bewährt sie sich, dann könnte sie schon bald ihre zweite Karriere starten – als Lehrling.

Was willst Du wirklich?

Ist Gabriele Braun verrückt? Natürlich nicht. Sie hat sich bloß eine Frage gestellt, die in jedem von uns schlummert: „Was willst du wirklich tun in deinem Leben?“

Es ist eine Frage, die den Kern unserer Existenz berührt. Viele aber verdrängen sie oder hören auf, nach der Antwort zu suchen. Weil das Leben oft keine Zeit lässt. Karriere, Hausbau, Nestbau, Kinder, der Alltag ist so vollgestopft und durchgetaktet, da hört man irgendwann auf, die Sinnfrage zu stellen. Das Thema aber nagt trotzdem an uns. Es bohrt, fordert, quält, egal ob wir erfolgreich sind oder nicht.

Und so gibt es doch immer wieder Menschen, die in der Mitte ihres Lebens anfangen, sich und ihren Job zu hinterfragen: Bin ich glücklich mit dem, was ich tue? Erfüllt mich meine Arbeit? War’s das schon? Und einige, Menschen wie Gabriele Braun, haben Mut zu einem Neuanfang.

Jeder siebte hat innerlich gekündigt

Erfüllung ist nicht selbstverständlich im Job. Jeder siebte Deutsche hat innerlich bereits gekündigt. Das ist das Ergebnis des „Engagement Index Deutschland 2014“, den das Beratungsunternehmen Gallup jährlich erstellt. Weitere 70 Prozent machen nur Dienst nach Vorschrift. Das heißt: Gerade mal 15 Prozent brennen für ihren Job. In den USA sind es doppelt so viele.

Besonders Manager über 40 sind oft frustriert. Das hat die Hochschule Niederrhein herausgefunden. Bei jedem zweiten habe sich die ­Arbeitszufriedenheit in den vergangenen Jahren verschlechtert. Viele Manager der Generation 40+ haben den Zenit erreicht, sind stecken geblieben in der Lehmschicht.

Also was tun? Die Jahre absitzen bis zur Rente? Oder doch einen Neustart wagen? Die Zeiten dafür sind günstig. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, es herrscht Fachkräftemangel. Vor allem aber leben wir in einer Arbeitswelt, die Brüche immer öfter akzeptiert, ja sogar sexy findet. „Sich neu erfinden“ ist eines der Schlagworte unserer Zeit.

Capital hat für diese Geschichte vier Menschen getroffen, die den Bruch gewagt haben. Der Auslöser war jedes Mal ein anderer: Die eine stieg gerade auf, der andere war kaltgestellt, die Dritte suchte nach tiefer Zufriedenheit, dem Vierten fiel im Zug ein, dass er sein Leben ändern müsse. So unterschiedlich ihre Geschichten sind, alle zeigen eines: Es ist möglich.