Capital-Podcast„Es geht an den Kern des deutschen Geschäftsmodells“

Der Chef des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, Gabriel Felbermayr, in Berlin, März 2020imago images / IPON


Der Corona-Schock hat Deutschland und die ganze Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Aber was macht diese Krise so besonders? Wie verändert sie unser Leben? Und welche Auswege gibt es? Der Capital-Podcast „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“ stellt diese Fragen den Menschen, die durch die Krise steuern: Unternehmern, Wissenschaftlern, Managern, Philosophen und Ökonomen.


Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, fürchtet, dass die deutsche Wirtschaft sich nicht wie nach der letzten Krise wird erholen können. Durch frisch aufkeimende Globalisierungsängste und einen verstärkten Hang zur Autarkie und Abschottung könne Deutschland nicht darauf vertrauen, „sich nach der Krise wieder gesund zu exportieren“, sagt er in dem Capital-Podcast „Die Stunde Null“. Das alles gehe „an den Kern des deutschen Geschäftsmodells“.

Durch die Corona-Krise gibt es Tendenzen und Szenarien, dass die Welt sich in regionale Blöcke der Wertschöpfung aufteilt – also Nordamerika, Asien und Europa. Für die deutsche Volkswirtschaft, die rund 45 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung über Exporte erzielt, wäre das ein herber Schlag. Felbermayr beobachtet, dass es auch in der deutschen Politik Tendenzen zu neuer Autarkie – etwa in der Medizintechnik – gebe. Man nennt es natürlich anders, das Ganze werde etwa als „technologische Souveränität“ verkauft, unter anderem in dem gerade vorgestellten Rettungsplan für Europa von Deutschland und Frankreich.

Zum anderen nehmen in der Bevölkerung die Sorgen vor der Globalisierung wieder zu. „Natürlich kann man das alles jetzt auf dem Altar der Seuchenbekämpfung opfern“, sagt Felbermayr. Aber das würde teuer für die deutsche Volkswirtschaft, „dann geben wir ein Stück deutschen Wohlstand auf“. Die deutschen Unternehmen würden sich auf regionale Wirtschaftsblöcke einstellen und ihre Produktion und Wertschöpfung neu zuschneiden – die deutsche Volkswirtschaft aber würde dadurch verlieren.

„Ein gestrecktes V oder ein U“

Hinzu komme, dass durch die Krise die Bedeutung von digitalen Geschäftsmodellen gewachsen sei – und hier finde die Wertschöpfung ohnehin vor allem in den USA statt. Durch beide Trends drohe „ein Zangenangriff auf den deutschen Wohlstand“.

Insgesamt erwartet Felbermayr, dass die deutsche Wirtschaft nach dem Shutdown langsamer in Fahrt kommt. Bis vor kurzem war sein Institut noch von einer schnellen, v-förmigen Erholung ausgegangen. Nun werde es „ein gestrecktes V oder ein U“. Die Wirtschaft habe zwar den freien Fall beendet und „einen Boden gefunden“. Der Konsum aber springe seit der Öffnung doch zögerlicher an als erwartet. „Die Menschen sind ängstlicher als erwartet.“

Das komplette Interview hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“.


Im neuen Podcast „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“ spricht Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar mit Menschen, die die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen hautnah erleben. Alle Folgen finden Sie bei Audio Now, Apple Podcasts, Deezer, Soundcloud und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden. Nehmen Sie die Feed-URL und fügen Sie „Die Stunde Null“ einfach zu Ihren Podcast-Abos hinzu.