ExklusivHandelsketten wollen Mietzahlungen aussetzen

Eine Kundin mit Mundschutz steht vor einem geschlossens TEDI Einzelhandelgeschäft
Eine Kundin mit Mundschutz steht vor einem geschlossens TEDI Einzelhandelgeschäftdpa

Als Reaktion auf Umsatzeinbrüche wegen der Corona-Pandemie wollen viele große Filialisten für ihre geschlossenen Geschäfte vorerst keine Mieten mehr zahlen. Mehrere Textil- und Handelsketten wie C&A, H&M und Tedi haben ihre Vermieter nach Capital-Informationen aus Branchenkreisen darüber informiert, dass sie ihre vorerst Mietzahlungen aussetzen. Bei den meisten Einzelhandelsketten geht es vorerst um einen Aufschub der April-Miete. In mindestens einem Fall ist auch die Miete für Mai betroffen.

Ein Sprecher der Modekette KiK, die mehr als 2000 Filialen in Deutschland hat, bestätigte auf Anfrage, dass das Unternehmen „bis auf Weiteres“ keine Mieten mehr zahlen wird. Ein entsprechendes Ankündigungsschreiben sei an die betroffenen Verwalter und Vermieter versandt worden. „In Einzelgesprächen wird aktuell mit jedem Vermieter verhandelt, den Ausfall der Miete durch geeignete Maßnahmen zu kompensieren“, sagte der KiK-Sprecher weiter. Man gehe davon aus, dass die weitgehend gewerblichen Vermieter „alle derzeitigen Möglichkeiten nutzen, um Ausfälle im Rahmen der staatlichen Hilfen zu kompensieren“

Auch die Modekette C&A will Mietzahlungen zurückhalten. Man sei überzeugt, dass die Auswirkungen der schwierigen Situation „nicht nur von den Einzelhändlern, sondern von allen Beteiligten und damit auch den Vermietern und Immobilieninvestoren mit geschultert werden sollten“, teilte ein C&A-Sprecher mit. Man stehe in Kontakt mit den Vermietern, „um Lösungen zu finden“. Bei der Modekette Takko hieß es, man spreche mit den mehr als 1500 Vermietern auf individueller Basis. Eine Sprecherin der Discounterkette Tedi wollte sich auf Anfrage nicht zu Vertragsverhältnissen äußern. Nach Capital-Informationen hat die Expansionsabteilung von Tedi in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche Vermieter über die vorläufige Aussetzung der Mietzahlungen informiert.

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu bremsen, haben Bund und Länder eine weitgehende Schließung des Einzelhandels angeordnet. Ausnahmen gelten etwa für den Lebensmittelhandel und Drogerien. Insbesondere die Textil- und Modebranche leidet massiv unter den Auswirkungen der geschlossenen Filialen, weil sie ihre Frühjahrskollektionen derzeit nicht über den stationären Handel verkaufen kann.

Man gehe davon aus, dass mindestens die Hälfte der namhaften Filialisten die Mietzahlung für April aussetzen könnte, heißt es in der Immobilienbranche. Sollten die Einschränkungen für den Handel länger dauern, könnte die Zahl auch noch steigen.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Sportartikelhersteller Adidas für seine geschlossenen Shops weltweit ab April keine Mieten mehr zahlen will. Auch der Schuhhändler Deichmann hat seine Vermieter bereits um Aufschub gebeten. Der Bundestag hatte in dieser Woche im Eiltempo ein Gesetz beschlossen, dass Mietern, die von der Coronakrise betroffen sind, Luft verschaffen soll. So dürfen etwa Vermieter ihren Mietern bis zunächst Ende September nicht wegen ausbleibender Zahlungen kündigen.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden