ExklusivGaswirtschaft setzt auf Subventionen für LNG-Terminals

LNG-Tanker
Per Tanker lässt sich verflüssigtes Gas auch aus Ländern wie den USA oder Katar nach Deutschland liefern. Bislang hat Deutschland aber keinen eigenen LNG-HafenJoachimKohlerBremen

Nach den von der Bundesregierung beschlossenen Erleichterungen für den Bau neuer Importterminals für Flüssiggas (LNG) setzt die Energiewirtschaft auf weitere finanzielle Unterstützung durch den Staat. Man rechne Spitz auf Knopf, um ein „möglichst effizientes Projekt“ zu planen und wirtschaftlich „möglichst nah an den schwarzen Bereich heranzukommen“, sagte der für das LNG-Transportgeschäft des Energiekonzerns Uniper verantwortliche Manager Niels Fenzl im Capital-Interview. Dennoch benötige Uniper für ein geplantes Flüssiggasterminal in Wilhelmshaven als Anschub staatliche Fördermittel, fügte Fenzl hinzu. In Kürze will das Unternehmen für das Projekt einen Antrag auf Strukturförderung einzureichen. Gespräche mit einer Förderbank laufen.

In Wilhelmshaven plant Uniper zusammen mit Partnern den Bau eines schwimmenden LNG-Terminals. Diese Technologie, bei der das Flüssiggas an Bord eines speziellen Tankschiffs wieder in den gasförmigen Zustand umgewandelt und dann ins Gasnetz eingespeist wird, sei „die wirtschaftlichste und schnellste Lösung“, sagte Uniper-Manager Fenzl. Die Investitionskosten für das Projekt mit einer Ausspeisekapazität von zehn Milliarden Kubikmetern pro Jahr schätzt er auf 400 bis 450 Mio. Euro.

Cover der neuen Capital

Bislang hat Uniper einen Vorvertrag für die Nutzung von Terminalkapazitäten mit dem US-Energiekonzern ExxonMobil abgeschlossen. Mit einem weiteren Interessenten sind die Gespräche nach Fenzls Worten bereits weit gediehen. Nach Angaben des Unternehmens könnte das Terminal in Wilhelmshaven in der zweiten Jahreshälfte 2022 in Betrieb gehen.

Derzeit laufen an mehreren Standorten Planungen für den Bau von Importanlagen für Flüssiggas – neben Wilhelmshaven auch in Brunsbüttel, Stade und Rostock. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte zuletzt im Februar die Erwartung geäußert, dass mindestens zwei Terminalprojekte umgesetzt werden. Die Bundesregierung hält LNG-Importe aus den USA, Katar oder anderen Lieferländern für einen wichtigen Baustein zur Diversifizierung der Gasbezugsquellen. Allerdings ist LNG wegen der Kosten für Verflüssigung und Transport deutlich teurer als Gas, das per Pipeline etwa aus Russland geliefert wird. In der Vergangenheit waren Pläne für ein deutsches Flüssiggasterminal stets an der mangelnden Wirtschaftlichkeit gescheitert.

Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett bereits Änderungen im Energierecht beschlossen, die den Bau von Importanlagen für Flüssiggas erleichtern sollen. Die Beschlüsse sehen vor, dass die Kosten für die Anbindung der LNG-Terminals an das Gasfernleitungsnetz an Land nicht von den Investoren bezahlt werden müssen, sondern auf die Verbraucher umgelegt werden können. In der Vergangenheit hatte Altmaier zudem weitere Subventionen für LNG-Projekte in Aussicht gestellt. Dabei werde es sich um „substanzielle“, aber zugleich „überschaubare“ Beträge handeln, sagte der Bundeswirtschaftsminister. Konkrete Zahlen nannte Altmaier bislang jedoch nicht.