GeldanlageDie Rendite-Legende

Angespart hatte Hans-Peter Callas (Name v. d. Red. geändert) die rund 100.000 Mark über zehn Jahre. Überlegt, wie er sie anlegt, zehn Monate. Den Vorschlag seiner Beraterin überdacht: rund zehn Wochen. Und dann damals, im März 2001, gekauft: den globalen Aktienfonds Activest Lux Global Choice, für umgerechnet exakt 50.000 Euro. „Breit gestreut sei der, was Risiken abfedere“, erinnert sich Hans-Peter Callas an die Versprechen. Mit dem Fonds „verknüpft Activest die Kompetenz und Erfahrung renommierter Fondsmanager“, tönte der Prospekt zum Start. Er richte sich „an Investoren mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont“.

Den hatte Callas. Und war damit ein Musteranleger, um die es in Büchern über Geldanlage oft geht: kaufen und halten. Denn der Geschäftsführer einer Agentur für Fahrzeugtestfahrten wartete damals geduldig, bis die heiß gelaufenen Börsen korrigiert hatten – im März 2001 hatte der Dax ein Viertel eingebüßt zum Rekordhoch.

Callas hielt durch, alle Krisen und Crashs, eineinhalb Jahrzehnte bis heute. „Genau so, wie es Finanzberater, Ratgeber und Magazine so oft predigen“, sagt Callas. Der Lohn der Geduld: Ende Dezember waren von den zur Altersvorsorge gedachten 50.000 Euro noch 39.000 Euro übrig. „Mein Puls geht schon hoch, sobald ich den Umschlag mit dem Jahresdepotauszug aus dem Briefkasten fische“, erregt sich Callas. Schließlich ging es für den Dax oder den MSCI World seit 2001 kräftig nach oben – um je rund 80 Prozent.

Der Frankfurter ist mit seinen Erfahrungen nicht alleine. Häufig erreichen Capital Zuschriften von Lesern, die sich über schlechte Erfahrungen mit der Rendite von Fonds oder ihres Depots beklagen. Im Kern geht es immer um die gleiche Frage, die sich auch Callas stellt: „Wie kann es sein, dass sich der Dax seit meinem Kauf fast verdoppelt hat und ich auf 20 Prozent Verlust sitze?“

Deutsche sind nicht wirklich schlechte Investoren

Warum steigen die Märkte immer stärker als das eigene Depot – oder verliert es mehr, wenn die Börsen einbrechen?

Capital ist diesem diffusen Gefühl, diesem Mythos, einmal nachgegangen. Denn wenn es um die Frage geht, warum nur wenige Deutsche Aktien und Fonds besitzen, fallen meist Begriffe wie Risikoscheu und Aktienkultur. Es geht dann darum, dass Deutsche die Börsen nicht verstünden. Dass sich viel ändern müsse, der Staat mehr fördern, die Deutschen mehr in Aktien investieren.

Was dabei häufig unter den Tisch fällt: dass hinter den rund 4,5 Millionen Deutschen, die Aktien und Fonds in den vergangenen 15 Jahren den Rücken gekehrt haben, Millionen Geschichten stehen, die wenig mit all diesen Dingen zu tun haben. Sondern oft damit, dass die Erträge katastrophal ausgefallen sind. Wie bei Hans-Peter Callas und seinem Activest Lux Global Choice.

Wer aber trägt die Verantwortung dafür? In dieser Frage beschuldigen sich Berater, Banken, Fondsgesellschaften und Anleger gegenseitig. Und das paradoxerweise zu Recht.

Zunächst: Die Deutschen sind nicht wirklich schlechte Investoren. Ihr Geldvermögen ist seit 1999 – hier setzt eine vergleichbare Datenreihe der Bundesbank ein – um gut drei Prozent pro Jahr von 3200 auf 5200 Mrd. Euro gestiegen. Das ist ordentlich.

Alles andere als ordentlich ist der Beitrag von Fonds und Aktien dazu. Anfang 1999 – der Dax notierte damals bei rund 5000 Punkten – hielten private Haushalte rund 220 Mrd. Euro direkt in Aktien. Heute sind es rund 250 Mrd. Euro. Seit 1999 haben Anleger aber auch netto knapp 30 Mrd. Euro neu in Aktien investiert. Das heißt nichts anderes als: Außer Dividenden haben Anleger mit Aktien trotz steigender Indizes binnen 16 Jahren weniger als nichts verdient. Denn berücksichtigt man die meist zur Unzeit getätigten Käufe und Verkäufe, summiert sich das durchschnittliche jährliche Minus auf 0,2 Prozent. Vor Kosten und Inflation.

Für Investmentfonds fällt die Bilanz ebenso übel aus. Zwar kletterte das Fondsvermögen der deutschen Haushalte seit 1999 von 280 auf 480 Mrd. Euro. Allerdings geht der Zuwachs fast gänzlich auf Zuflüsse (rund 170 Mrd. Euro) zurück. Die reale Rendite betrug, saldiert um den Zustrom, nur rund 0,5 Prozent pro Jahr. Noch mal: Wer ist schuld an diesem Depotdebakel?