FondsFondsbranche droht Verzwergung

Für die Fondsbranche war 2015 ein gutes Jahr. Von Anfang Januar bis Ende Oktober investierten Anleger in Deutschland rund 63 Mrd. Euro neu in Publikumsfonds, berichtet der Branchenverband BVI. Das ist fast doppelt so viel wie die Fonds im gesamten Jahr 2014 einsammeln konnten. Das meiste Geld floss in Mischfonds (33,4 Mrd. Euro), gefolgt von Aktien- und Rentenfonds (13,8 beziehungsweise 9,4 Mrd. Euro).

Mit Neuauflagen hielten sich Investmentgesellschaften indes zurück. Im dritten Quartal brachten sie 104 neue Fonds auf den deutschen Markt, teilt der Datenanbieter Lipper mit. Im gleichen Zeitraum wurden 80 Fonds aufgelöst, 75 Fonds wurden mit anderen Produkten verschmolzen. Während der Vertrieb rund läuft, ist die Zahl der Fonds im Saldo zuletzt leicht gesunken.

Fondsauflösungen sind für Anleger ärgerlich

Die Zurückhaltung der Investmenthäuser kommt Anlegern entgegen, sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse bei Lipper. In anderen Jahren mit hohen Mittelzuflüssen hätten Anbieter den Markt mit Produkten geflutet, die zum Teil bald darauf wieder verschwunden seien. Grund: Die Anbieter hatten mit den Produkten auf kurzfristige Marktentwicklungen oder Modetrends gesetzt, die sich als nicht von Dauer erwiesen. Die Fonds sammelten deshalb vergleichsweise wenig Geld ein, rentierten sich für die Anbieter nicht und wurden aufgelöst oder mit anderen Fonds verschmolzen.

Fondsauflösungen oder -zusammenlegungen sind für Anleger ärgerlich. Verschwindet ein Fonds vom Markt, werden die Papiere im Portfolio zum aktuellen Marktwert verkauft, mitunter mit Verlust, sodass Anleger weniger Geld zurückbekommen als sie ursprünglich investiert hatten. Wird ein Fonds mit einem Schwesterprodukt verschmolzen, sind Anleger danach unter Umständen in Papiere investiert, die sie eigentlich gar nicht im Portfolio haben wollten.

Weniger neue Fonds, dafür aber solche mit hoffentlich tragfähigen und nachhaltigen Anlagekonzepten – für Investoren wäre es eine gute Nachricht, wenn sich der deutsche Fondsmarkt tatsächlich in diese Richtung bewegen würde. Trotz der jüngsten Zurückhaltung bei Neuauflagen geht der langfristige Trend allerdings in die entgegengesetzte Richtung: In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl der Publikumsfonds in Deutschland massiv gestiegen.

Trend zu mehr Fonds

Im Jahr 2000 konnten Anleger zwischen gerade einmal 1883 Produkten wählen. Bis Ende 2014 war das Angebot auf mehr als 8000 Fonds angewachsen. Das verwaltete Vermögen in Publikumsfonds hielt mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Im Jahr 2000 verwalteten die Fonds auf dem deutschen Markt zusammengenommen rund 441 Mrd. Euro, im Jahr 2014 waren es 788 Mrd. Euro. Die durchschnittliche Fondsgröße ist in diesem Zeitraum also von 234 Mio. Euro auf 97,7 Mio. Euro gesunken und hat sich damit mehr als halbiert.

Viele Analysten halten Fonds überhaupt erst ab einem Volumen von mindestens 50 Mio. Euro für rentabel und damit überlebensfähig. Einige Branchenexperten raten Anlegern sogar, nur in Produkte zu investieren, die mehr als 100 Mio. Euro verwalten, um sich nicht der Gefahr einer Fondsschließung auszusetzen. Setzt sich der langfristige Trend zu immer mehr Fonds fort, könnte es in naher Zukunft schwierig werden, diesen Rat zu befolgen.