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Schienenverkehr Deutsche Bahn vermasselt Ausbau der Digitalen Schiene

Gleise, Weichen, Stellwerke und Züge werden vernetzt. Die DB will 2040 mit der Digitalisierung fertig sein
Gleise, Weichen, Stellwerke und Züge werden vernetzt. Die DB will 2040 mit der Digitalisierung fertig sein
© Frank Kniestedt / Deutsche Bahn AG
Die Deutsche Bahn verstolpert das Großprojekt Digitalisierung: Erst drei von 2700 Stellwerken wurden digital aufgerüstet. Auch der Ausbau des sogenannten ETCS kommt nur langsam voran

Die Deutsche Bahn (DB) kommt beim Ausbau der digitalen Schiene schlecht voran. So hat die DB in den vergangenen drei Jahren nur wenige Stellwerke digital hochrüsten können. Schleppend läuft auch der Ausbau des sogenannten ETCS (European Train Control System), das Zügen per Funk mitteilt, wie schnell sie fahren dürfen oder ob sie anhalten müssen. Digitale Stellwerke und ETCS aber sind Voraussetzung für mehr Verkehr auf dem zurzeit völlig überlasteten Schienennetz.

Nach Angaben der Bahn sind lediglich drei digitale Stellwerke bereits in Betrieb, weitere 13 „in Umsetzung“. Mit dem Startschuss der „Digitalen Schiene“ 2020 war geplant, 280 Stellwerke in den nächsten Jahren sukzessive zu digitalisieren. Davon ist der Staatskonzern weit entfernt. Insgesamt betreibt die DB 2700 Stellwerke deutschlandweit, die zum Teil noch aus der Kaiserzeit stammen. In mehreren Hundert müssen die Mitarbeiter noch mechanisch Hebel umlegen, um Weichen zu stellen. Die Gründe für die Verzögerungen sind Kapazitätsengpässe, langwierige Ausschreibungen, Widerstände.

Schienenverkehr: Deutsche Bahn vermasselt Ausbau der Digitalen Schiene

Bei der ETCS-Ausrüstung von Strecken sieht es kaum besser aus: Bis Mitte 2021 waren 340 Kilometer mit der Technik ausgestattet, darunter die Sprinterstrecke München–Berlin. Seitdem sind knapp 100 Kilometer dazugekommen: die erste Baustufe der Ausbaustrecke Berlin–Dresden (86 km) und der Knoten Basel (4,6 km). Bis Ende 2023 sollen weitere folgen, etwa die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm und zwei Abschnitte auf dem Rhein-Alpen-Korridor. Nach DB-Angaben werden bis Ende 2023 insgesamt 610 Netzkilometer mit ETCS in Betrieb sein. Damit liegt die Bahn auch hier hinter ihrem Plan, wonach bis dahin gut 2700 Kilometer des Netzes über ETCS verfügen sollten. Das DB-Netz umfasst jedoch 33.000 Kilometer, der Umbau ist auf 20 Jahre angelegt. Bleibt es beim jetzigen Tempo, dürfte er 2040 nicht fertig sein.

Die Digitalisierung des Betriebs würde der Bahn erlauben, Züge mit kleineren Abständen fahren zu lassen, eine Kapazitätsausweitung von bis zu 35 Prozent ist laut DB möglich. 2019 hatte der damalige Infrastrukturchef der DB, Ronald Pofalla, den Roll-out der digitalen Schiene initiiert und als Chance für eine weltweite „Industrieführerschaft“ gefeiert.

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Erschienen in Capital 10/2022

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