PodcastCorona-Schnelltests: „Wenn man es zweimal gemacht hat, ist das Alltag“

Centogene-Testcenter am Düsseldorfer FlughafenIMAGO / imagebroker

Wie beim Impfen läuft auch die Einführung von kostenlosen Schnelltests für alle Bürger stockend. Namhafte Hersteller dämpfen deshalb die Erwartungen: „Um das Infektionsgeschehen wirklich zu kontrollieren, sind die Tests, die wir heute haben, bei weitem nicht ausreichend,“ sagte Volkmar Weckesser, CIO beim Rostocker Biotech-Unternehmen Centogene im Podcast „Die Stunde Null“. „Von einer oder anderthalb Millionen Tests am Tag sind wir weit entfernt.“

Weckesser machte allerdings Hoffnung, dass Tests in den Alltag integriert werden können. Centogene habe mehrere Modellprojekte und Studien an Flughäfen, in Schulen und Kitas sowie in Unternehmen gemacht. Gerade rollt das Unternehmen ein Projekt an allen Rostocker Schulen aus.

„Wir haben inzwischen fast über 50.000 Tests mit Schülern gemacht, die das alle problemlos mitmachen,“ sagt Weckesser. „Wenn man es zwei, dreimal gemacht hat, ist es in den Alltag voll integriert.“ Auch bei einem Projekt mit einem Kindergarten habe es „sehr positives Feedback von den Eltern gegeben, weil sie das Gefühl hatten, ihre Kinder mit der entsprechenden Sicherheit in den Kindergarten geben zu können.“

„Das Testen wird uns nach meiner Überzeugung zumindest die nächsten zwei Jahre begleiten“

Volkmar Weckesser

Das 2006 gegründete Unternehmen, das eigentlich auf die Behandlung seltener, angeborener Krankheiten spezialisiert ist, begann früh mit groß angelegten Testungen auf das Virus – zunächst mit der eigenen Belegschaft im Unternehmen, wo es auch immer wieder Projekte startete, etwas die Durchführung von Konzerten mit 70 Personen. Mittlerweile wurde hierfür ein eigener Geschäftsbereich gegründet. Kulturveranstaltungen und Reisen könne mit Hilfe der Tests wieder möglich werden, wenn Ergebnisse in fälschungssicheren Zertifikaten gespeichert werden. Auch hierfür hat Centogene schon Lösungen mit Partnern entwickelt.

Gleichzeitig warnte Weckesser vor falscher Sicherheit, die Antigen-Schnelltests mitbringen. Anders als PCR-Tests schlagen sie nur an, wenn genügend Virus-Material im Körper des Getesteten vorhanden ist. „Wenn ich asymptomatisch bin und wir machen diesen Schnelltest, der ohne ein Instrument im Hintergrund ausgewertet wird, verpassen wir bis zu 50 Prozent derjenigen, die infektiös sind“, erklärt Weckesser.

Tests seien allerdings der „einzige Weg“. Der Manager forderte mehr Freiraum für unmittelbare, pragmatischen Lösungen. Denn: „Wir sehen im Moment die Virusvarianten, die immer neue Herausforderungen an uns stellen. Das Testen wird da ein wesentliches Element sein, was uns nach meiner Überzeugung zumindest die nächsten zwei Jahre begleiten wird.“

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • wie genau sich die Verfahren von PCR- und Schnelltests unterscheiden,
  • wie es auch kleine Unternehmen schaffen, Testkonzepte für die Belegschaft aufzubauen,
  • warum der föderale Staat die Bekämpfung der Pandemie nach Ansicht von Volkmar Weckesser manchmal behindert.

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