VG-Wort Pixel

Übernahme Bizarrer Übernahmekampf um einen südafrikanischen Platinförderer

Impala ist eins der Unternehmen, das an der Bieterschlacht beteiligt ist
Impala ist eins der Unternehmen, das an der Bieterschlacht beteiligt ist
© Getty Images
Seit Monaten liefern sich zwei Bergbauunternehmen in Südafrika eine Übernahmeschlacht um ein Platinunternehmen. Das Zünglein an der Waage ist der größte Vermögensverwalter des Landes, doch der schweig beharrlich

Seit mittlerweile acht Monaten steht der südafrikanische Platinförderer Royal Bafokeng Platinum (RB Plat) im Zentrum einer Übernahmeschlacht. Über den Ausgang des Streits entscheidet Südafrikas größter Vermögensverwalter Public Investment (PIC). Er hält einen zehnprozentigen Anteil an dem Platinunternehmen.

Im vergangenen November hatten erst der Platinförderer Northam und dann der Bergbaukonzern Impala Platinum angekündigt, RB Plat übernehmen zu wollen. Nach Einschätzung von Bloomberg ist das Unternehmen 2,9 Mrd. Dollar wert. Beide Interessenten stockten ihre Anteile an dem Unternehmen auf: Mittlerweile gehören Impala 37,8 Prozent, Northam kommt auf 35 Prozent. Impala bietet den Aktionären des Platinförderers rund 150 Rand (ca. 8,78 Euro) pro Aktie geboten. Zwar hat der Vorstand von RB Plat den Anteilseignern mittlerweile dazu geraten, das Angebot anzunehmen, von PIC gibt es aber bislang keine Reaktion.

Impala fordert Entscheidung

Bei Impala stößt das auf Unverständnis. PIC habe genug Zeit für die Prüfung gehabt, sagte CEO Nico Muller. Eine Entscheidung über eine Beteiligung an dem kleineren Bergbauunternehmen würde beiden Unternehmen Sicherheit geben, fügte er hinzu.

Nachdem Impalas Übernahmepläne durch Northams Vorstoß vereitelt wurden, schüre die Unentschlossenheit von PIC die Unsicherheit der Investoren, so Muller. Gleichzeitig halte er die Unternehmen davon ab, strategische Entscheidungen zu treffen „Alle Informationen waren verfügbar. Sie haben alle denkbaren Parteien konsultiert und eine strenge Prüfung durchgeführt, die meiner Meinung nach einer öffentlichen Untersuchung standhalten wird“, sagte Muller Ende Juni in einem Interview in Johannesburg. „Es wäre hilfreich, wenn es so bald wie möglich eine Stellungnahme gibt.“

Impala-CEO Nico Muller
Impala-CEO Nico Muller
© Bloomberg

Impala ist bei der Übernahme vor allem an Vermögenswerten von RB Plat interessiert, die in der Nähe ihres eigenen Minenkomplexes bei der südafrikanischen Stadt Rustenburg liegen. Northam kaufte im November den größten Anteilseigner von RB Plat auf und erwarb damit eine wichtige Beteiligung. Zwar verfügt Impala über den größeren Anteil an RB Plat, bei dem Versuch, die kartellrechtlichen Genehmigungen für die Übernahme zu erhalten, intervenierte Northam jedoch und verzögerte das Verfahren.

Der Streit belastet die Wettbewerbsfähigkeit einer der wichtigen südafrikanischen Exportbranchen, sein Ausgang könnte Zehntausende von Arbeitsplätzen betreffen. Die zunehmende Nachfrage nach Platin von Autoherstellern etwa für E-Autos, erhöht den Druck auf eine Einigung zusätzlich.

Northam hält an Übernahme fest

Muller bekräftigte, dass die Vermögenswerte von RB Plat für die Zukunft des größten Minenkomplexes von Impala mit fast 44.000 Beschäftigten, von zentraler Bedeutung sind. Einige der tief gelegenen Schächte des weitläufigen Rustenburg-Betriebs verfügen nicht mehr über wirtschaftlich verwertbares Erz und könnten nur dann rentabel sein, wenn sie zusammen mit den benachbarten Anlagen von RB Plat genutzt würden, so Muller. Er fügte hinzu, dass Impala zwar die Entscheidungsprozesse des Vermögensverwalters respektiere, aber „enttäuscht“ sei, dass es acht Monate nach dem Angebot seines Unternehmens noch keine Entscheidung gebe.

„Die PIC unterstützt jede Transaktion, die für ihre Kunden von Vorteil ist“, teilte der Vermögensverwalter, der 2,34 Billionen Rand verwaltet und auch für den staatlichen Rentenfonds Südafrikas investiert, in einer Antwort auf Anfragen, ohne nähere Angaben zu machen. PIC besitzt auch große Anteile an Impala und Northam.

Northam hält ebenfalls an seinen Übernahmeplänen fest. Zwar hat das Unternehmen noch kein allgemeines Angebot unterbreitet, aber CEO Paul Dunne sagte bereits, dass er die Geschäfte von RB Plat übernehmen will. Auf Anrufe und eine Bitte um Stellungnahme von Bloomberg zu der Causa reagierte das Unternehmen nicht. Das South African Competitional Tribunal wird möglicherweise im August eine Anhörung über die Intervention von Northam abhalten, erwartet Impala-CEO Muller.

Der Streit hat unlängst auch Auswirkungen auf die Aktienkurse der Beteiligten: Northam-Titel fielen am Vormittag des 30. Juni in Johannesburg um 1,9 Prozent, womit sich der Rückgang in diesem Jahr auf 20 Prozent belief. RB Plat fiel im selben Zeitraum um 0,9 Prozent, während Impala-Aktien kaum verändert notierten. „Um die Marktsicherheit zu fördern und die Unternehmen rechtzeitig in die Lage zu versetzen, die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen, wird es wichtig sein, dass die PIC eine Entscheidung trifft“, sagte Muller.

Mitarbeit Gina Turner

Mehr Artikel wie diesen finden Sie auf bloomberg.com

©2022 Bloomberg L.P.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel