ReportageBier-Deal mit brasilianischen Paten

Natürlich würde es wieder einen Aufschrei geben, das war Carlos Brito von Anfang an klar. Natürlich würden sich wieder Staranwälte einschalten, Investmentfonds, die Politik. Und natürlich würde die Welt auch bei diesem Rekorddeal wieder fragen: Wer wagt es, sich ein Großunternehmen wie SAB Miller einfach so unter den Nagel zu reißen? Wer sind diese „Boys from Brazil“?

Brito, 55, ist seit 2008 CEO von Anheuser-Busch (AB), dem größten Bierproduzenten der Welt, und er kennt den Wirbel nur zu gut. Er hat ihn nun schon ein paar Mal mitgemacht. Die Belegschaft droht dann mit Streik, die Medien schreiben vom Ausverkauf einer Traditionsmarke – und am Ende gewinnt immer er, der stille, unscheinbare Familienvater aus Rio de Janeiro.

So würde er es natürlich nicht formulieren. Sondern: Es gewinnt das Team. Die Boys from Brazil. Die Jungs von der Investmentfirma 3G Capital, die ihn 2008 mit der Übernahme von Anheuser-Busch zum größten Bierbrauer der Welt machten – und jetzt, mit der 104-Mrd.-Dollar-Übernahme des Konkurrenten SAB Miller, praktisch zum Alleinherrscher: 64 Mrd. Dollar Umsatz, 300 Biermarken weltweit, von Beck’s in Deutschland bis Corona in Mexiko.

Wegen der Pfund-Schwäche nach dem britischen Brexit-Votum stockte AB Inbev das Angebot um ein Pfund auf 45 Pfund je Aktie auf. Damit soll der Wertverlust der britischen Währung gegenüber dem Dollar Rechnung getragen werden. Nach der Abstimmung über den EU-Austritt ist das Pfund um zwölf Prozent gefallen. Und SAB Miller hat seinen Konzernsitz in London.

Die Übernahme ist der vorläufige Höhepunkt des erstaunlichen Aufstiegs von 3G Capital. Gegründet 2004 von Jorge Paulo Lemann, Marcel Telles und Beto Sicupira. Sitz in Rio de Janeiro. Mehr als 200 Mrd. Dollar schwer. Nur elf Jahre Firmengeschichte, aber trotzdem einige der größten Übernahmen der Welt auf dem Konto. Nach Anheuser-Busch kaufte 3G 2013 die Mehrheit bei Burger King. Und beim Ketchup-Riesen Heinz. 2014 die Mehrheit bei Kanadas größter Fast-Food-Kette Tim Hortons. 2015 die Mehrheit beim Lebensmittelgroßkonzern Kraft. Letztere übernahmen sie zusammen mit Warren Buffett. In sieben Jahren haben die Brasilianer es gewagt, vier amerikanische Ikonen zu schlucken.

Warren Buffett sagt über 3G Capital trocken: „Ich mag Big Deals. Aber die mögen Big Deals so richtig.“

Carlos Brito
Carlos Brito, CEO des Brauereigiganten Anheuser-Busch Inbev und bald CEO eines noch größeren Brauereigiganten – wenn die Übernahme von SAB Miller durch AB Inbev vollzogen ist.
© Getty Images

Carlos Brito, der in Jeans zur Arbeit geht und Economy fliegt, gilt laut „Harvard Business Review“ als Brasiliens bester Manager und als die Nummer 16 der Welt. Er, 55, ist der Ziehsohn des 3G-Gründers Jorge Paulo Lemann, 76. Lemann, ehemaliger Surfer und Tennisprofi, ist heute mit einem Vermögen von 23 Mrd. Dollar der reichste Brasilianer – und laut „Forbes“ der derzeit spannendste Milliardär der Welt.

3G Capital ist es gelungen, in wenigen Jahren den Getränke- und Lebensmittelmarkt komplett umzukrempeln. Und das in einer Zeit, in der aus der brasilianischen Wirtschaft eine Katastrophenmeldung nach der anderen kommt. Wie also haben sie das nur geschafft?