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Daniela Gerd tom Markotten Bahn-Vorständin: „Wir haben beim WLAN große Fortschritte gemacht“

WLAN-Zeichen an einer Waggontür
WLAN im Zug funktioniert häufig nicht störungsfrei
© picture alliance/dpa | Christophe Gateau
Beim Mobilfunkempfang im Zug ist noch viel Luft nach oben. Bahn-Vorständin Daniela Gerd tom Markotten über stabileres WLAN, geteilte Infrastruktur und den Fenstertrick für besseren Handy-Empfang

Viele Menschen, die in ihren ICEs sitzen, klagen über schlechteren Empfang, Funklöcher. Ist das nur ein Gefühl oder ist das Netz in der Bahn tatsächlich schlechter geworden?

Daniela Gerd tom Markotten
Die frühere Daimler-Managerin Daniela Gerd tom Markotten ist seit 2021 Vorständin für Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn
© IMAGO / bonnfilm

DANIELA GERD TOM MARKOTTEN: Wir haben beim WLAN große Fortschritte gemacht. Aber die Menschen werden immer „datenhungriger“. Früher waren wir zufrieden, wenn wir mobil telefonieren und Textnachrichten schicken konnten. Seit Corona aber nehmen viele Reisende ihr Büro oder das Kino mit in den Zug. Sie wollen ihre Lieblingsserie streamen oder noch die Videokonferenz erledigen. Das ist der Anspruch – und den wollen wir auch erfüllen. Mobiles Arbeiten ist einfach ein sehr großes Argument für den Zug. Aber dafür sind ungeheure Datenmengen erforderlich, wenn ein ICE mit 900 Menschen und 300 Stundenkilometern unterwegs ist. Das ist, als würde eine Kleinstadt durch die Gegend rasen. Da sind sie im Gigabyte-Bereich und dafür brauchen wir eine 5G-Technik.

Größere Bandbreite für mehr Datendurchsatz klingt super. Aber im Moment kriegt die DB es ja nicht mal hin, dass wir ohne Unterbrechung telefonieren und das WLAN nutzen können.

Wir machen Fortschritte. Aber klar ist: Da, wo kein Mobilfunknetz entlang der Strecke ist, kann es auch keinen Empfang im Zug geben. Wir führen mit allen Mobilfunkunternehmen Gespräche mit Hinblick auf eine Verbesserung und Beschleunigung des Ausbaus entlang der Schienenwege. Vodafone und Telekom haben sich bereits verpflichtet, bis 2026, ein lückenloses Netz bereitzustellen. Dann wird das Telefonieren und das WLAN unterbrechungsfrei funktionieren. Zusammen investieren wir einen dreistelligen Millionenbetrag, um diese Ziele umzusetzen.

Und der 5G-Ausbau läuft parallel?

Auch darüber sprechen wir mit den Mobilfunkanbietern. Bisher stehen die Funkmasten nicht unbedingt an den Bahntrassen. Für die Mobilfunker ist es häufig attraktiver, den Ausbau auf die Städte zu konzentrieren. Eine Idee ist, dass wir uns die Masten teilen. Bisher ist es so, dass jeder Mobilfunkanbieter seinen eigenen Mast hat und seine eigene Antenne draufsetzt. Das heißt aber auch: Sie brauchen die Flächen und die Baugenehmigung viermal. Drei Mobilfunkbetreiber und wir als Bahn für den digitalen Bahnbetrieb. Es wäre viel klüger, sich zusammenzutun: ein Mast am Bahngleis mit vier Antennen.

Klingt gut, machen alle mit?

Die Lösung hat große Vorteile, es wird sehr viel günstiger, wir entlasten die Verwaltung und brauchen weniger Flächen. Der Austausch mit den Mobilfunkunternehmen läuft und auch das Bundesverkehrsministerium hat Unterstützung signalisiert.

Wie schnell können die Mobilfunknetzbetreiber das 5G-Netz ausrollen?

Das soll natürlich im Sinne der Fahrgäste möglichst schnell gehen. Aktuell unterstützen wir die Mobilfunknetzbetreiber bei der Suche nach Möglichkeiten, die Genehmigungsverfahren für ihre 5G-Standorte zu beschleunigen.  

Auf der Innotrans haben Sie eine neue Technik vorgestellt, mit der Sie die Fenster im ICE durchlässiger für Funkwellen machen:

Die Fenster unserer Züge sind mit einer dünnen Metallschicht bedampft, damit Sonnenstrahlen das Zuginnere nicht aufheizen. Auch Mobilfunksignale durchdringen diese Schicht nicht. Unsere neuen Züge, z. B. der ICE 3neo, haben frequenzdurchlässige Scheiben. Aber wir brauchten auch eine Lösung für unsere Bestandsflotte. Zusammen mit der Industrie und Forschern der Hochschule in Lausanne haben wir eine Lasermaschine entwickelt, die diese Metallisolierung so perforiert, dass sie die Funkwellen reinlässt. Sie haben damit die 100-fache Durchlässigkeit, technisch ausgedrückt 20 Dezibel niedrigere Dämpfung.  

Wie schnell wird das gehen?

Hier auf der Innotrans zeigen wir die nachträglich gelaserten Scheiben erstmalig an unserem Versuchszug, dem advanced Trainlab. Es hat fünf Tage gebraucht, um die Scheiben in zwei Wagen komplett zu lasern. Netto etwa eine Viertelstunde, ähnlich wie ein Fensterputzer. Diese Fenster helfen uns sehr. Sie sind im Vergleich zu den aktuellen Signalverstärkern eine dauerhafte Lösung, weil sie auch für alle zukünftigen Mobilfunkgenerationen geeignet sind - also auch für 5G und darüber hinaus.

Wird das WLAN damit auch besser?

Das WLAN im Zug wird durch die DB bereitgestellt. Über Antennen auf dem Dach des Zuges fangen wir die unterschiedlichen Funksignale ein, bündeln sie und bekommen so ein WLAN. Die Bandbreite im Zug ist damit abhängig von der Verfügbarkeit eines Mobilfunksignals an der Strecke.

Würde das Lasern auch dem Regionalverkehr zu WLAN verhelfen?

Auch im Nahverkehr werden Neufahrzeuge von vielen Aufgabenträgern schon mit den neuen Fensterscheiben in Auftrag gegeben. Ob Bestandszüge nachträglich gelasert werden, ist eine Entscheidung der Aufgabenträger. Wichtig ist, dass die Aufgabenträger, die die Regionalverkehre in Deutschland bestellen, diese Möglichkeit kennenlernen. Parallel bauen wir in einigen Werken die Lasermaschinen auf. Technisch wäre das kein Problem.

Was die Bahn mit Vodafone und der Telekom vereinbart hat

Das Streckennetz der DB umfasst insgesamt 33.400 Kilometer. Davon sind 7800 Kilometer Hauptverkehrsstrecken, auf denen alle ICE- und die wichtigsten IC-Züge fahren. Diese Strecken will die Telekom bis Ende 2024 mit einer Datenrate von mehr als 200 Mbit/s versorgen. Auf weiteren 13.800 Kilometern fahrgaststarker Strecken, auf denen pro Tag mehr als 2000 Fahrgäste unterwegs sind, will die Telekom bis Ende 2025 ebenfalls eine Datenrate von mehr als 200 Mbit/s anbieten.

Alle sonstigen Strecken will die Deutsche Telekom bis Ende 2026 mit einer Datenrate von mehr als 100 Mbit/s versorgen. In den kommenden Jahren soll die Versorgung dann kontinuierlich dem jeweiligen Stand der Technik angepasst werden.

Vodafone versorgt die 7800 Kilometer Hauptverkehrsstrecken, auf denen ICE und IC fahren, bis Mitte 2025 durchgängig mit Bandbreiten von mindestens 225 Megabit pro Sekunde im LTE-Netz. Auf 13.800 Kilometern fahrgaststarker Strecken mit mehr als 2000 Fahrgästen am Tag sorgt Vodafone für ein lückenloses LTE-Netz mit Bandbreiten von mindestens 125 Megabit pro Sekunde bis Sommer 2025.


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