WhiskyAndreas Thümmler - vom Deal zur Destille

Seite: 3 von 3
In der Anlage mit den charakteristischen Kupferbrennblasen entsteht das Destillat nach dem klassischen Pot-Still-Verfahren

Eigentlich habe er ja was Kleines haben wollen. Jetzt hat der Andi die größte Whisky-Destille in Kontinentaleuropa. Am St. Patrick’s Day 2016 lief die Herstellung an, weshalb das Destillat streng genommen erst ab 2019 Whisky sein wird, denn der muss nach EU-Recht mindestens drei Jahre im Fass gereift sein. 200.000 Liter pro Jahr entstehen hier inzwischen, auf 800.000 könne die Produktion hochgefahren werden. Die Fermentierungstanks sind aus Douglasie, nicht aus schnödem Stahl wie anderswo, die Brennblasen stammen von Forsyths aus Edinburgh. „Wenn wir in der Autobranche wären, würde hier Bugatti draufstehen“. Über einen Bildschirm lässt sich der Prozess auf die Dezimalstelle genau steuern, der von Lammsbräu abgeworbene Master Distiller sitzt in einem Cockpit, das nach Flugzeug aussieht. Rund 10 Mio. Euro seines Vermögens hat der Andi in St. Kilian gesteckt.

„Die Schotten können sich warm anziehen“, sagt er. „Wir haben das geilste Equipment, die beste Qualität, eine geile Automatisierung.“

Er redet noch wie der Rabauke von einst, aber irgendwas ist anders geworden. Früher hing in seinem Büro ein Schild mit der Aufschrift „Cashflow is more important than your mother!“ Heute hängt im Treppenhaus der Destille ein Bonmot von Albert Schweitzer, dem zufolge man jung bleibt, solange man ein offenes Herz bewahrt. Für Andi-Maßstäbe klingt das fast ein bisschen lahm.

Was genau ist also mit diesem Mann passiert? Wenn man ihn das direkt fragt, erzählt der Andi irgendwann eine Geschichte, die er nicht in allen Details gedruckt sehen möchte. Die öffentlichkeitstaugliche Version geht so: 2016 war er auf einem spirituellen Trip in den peruanischen Anden. Dort passierte etwas, was sein Bewusstsein erweiterte, und als der Andi aus den Bergen herabstieg, war er nicht mehr derselbe.

Fortan aß er kein Fleisch mehr. Er verließ seine Model-Freundin in Berlin und verliebte sich in eine Zahnärztin aus dem odenwäldischen Nachbarort Miltenberg. Dieser Tage werden die beiden zusammenziehen, er träumt von einer Familie. Wie ein Irrer pflanzt er Rüdenau mit Obstbäumen und Sträuchern zu, damit sich die Insekten wohlfühlen. Auch politisch hat sich was getan: „Früher war ich FDP-Mitglied, heute wähle ich die V3-Partei.“ Für „Veränderung, Vegetarier und Veganer“ steht die 2016 gegründete Kleinstpartei. „Die haben ein richtig gutes Parteiprogramm“, sagt der Andi. Und meint es ernst.

Als man schon fast glaubt, der Mann sei endgültig zum Hippie mutiert, schließt der Andi sein Lager auf. Fass über Fass über Fass. „Das ist noch gar nichts“, sagt er. „Wenn wir länger im Geschäft sind, werden die Lager so groß sein, dass du denkst, du bist im Kampfstern Galactica.“ Auf ein paar Fässern stehen Namen von Mitarbeitern – die hat er ihnen geschenkt, statt Aktienoptionen.

Whisky als Anlageobjekt, das ist seine Strategie. Wie Kilbeggan in Irland verkaufen die meisten Destillen Whisky nur auf Flasche gezogen, weil da die Marge höher ist. Beim Andi kann jeder Kunde sein eigenes Cask kaufen. 30 Liter kosten 2000 Euro – inklusive Fass, Mehrwertsteuer, Versicherung und Lagerung sowie späterer Abfüllung, Etikettierung und Zustellung.

Er selbst, sagt er, wolle sich 10.000 oder 20.000 Fässer einlagern lassen. Die Destille ist seine Bank. „Bei deutschem Single Malt hast du eine Wertsteigerung von fünf bis zehn Prozent pro Jahr, denke ich.“ Besonders, wenn er torfig ist, denn das ist es, was Sammler suchen.

„Whisky muss rough und geil sein“, sagt er. „Ich will auf die Turfheads gehen, die Whisky-Fetischisten. Es gibt bisher keinen Torf-Whisky aus Deutschland. Damit landest du automatisch in jeder Sammlung.“

Am Ende schenkt der Andi ihn dann ein, seinen 49,9-prozentigen „Turf Dog“. Wie der schmeckt? Raten Sie mal.

Scotschland

Auch hierzulande wird mittlerweile konkurrenzfähiger Whisky
gebrannt. In jedem Bundesland gibt es mindestens eine herausragende Destille.