WochenrückblickVW - Ende der Bescheidenheit

Volkswagen AG I D concept electric automobile
VW-Konzeptauto: Mit E-Autos will der Autobauer wieder nach oben kommen
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Lange Zeit spielte Elektromobilität bei Volkswagen eine untergeordnete Rolle. Nach dem Dieselskandal ist bei dem Wolfsburger Autobauer jedoch alles anders. Nun will VW bis 2025 die Nummer eins bei den Stromern werden. Die in dieser Woche vorgestellte Strategie „Transform 25+“ sieht vor, dass der Konzern spätestens in neun Jahren eine Million Elektroautos verkauft. Ein ehrgeiziges Vorhaben, denn im vergangenen Jahr setzte VW gerade einmal 1600 Autos mit E-Motoren ab.

VW-Markenvorstand Herbert Diess ist trotzdem davon überzeugt, dass dieses Ziel erreicht werden kann. „Spätestens 2025 wollen wir Weltmarktführer bei der E-Mobilität sein“, sagte er. „Ab 2020 starten wir unsere große Elektro-Offensive.“ VW ziele nicht auf Nischenprodukte, sondern das Herz des Automarktes, so Diess. Die Elektroautos sollten das neue Markenzeichen des Konzerns werden.

Aber der deutsche Autobauer setzt auch auf Autos mit konventionellen Verbrennungsmotoren. Mit großen SUVs und Limousinen soll auf dem US-Markt ein Comeback gelingen. Ziel sei es, sich von einem Nischenanbieter zu einem profitablen Volumenhersteller zu entwickeln. Das dürfte angesichts des gewaltigen Imageschadens wegen der Abgasmanipulationen nicht leicht werden.

Doch Bescheidenheit ist nicht die Sache der VW-Manager. Bis 2030 will Volkswagen „Weltmarktführer in der Automobilität“ werden. Solche Töne erinnern dann wieder an den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn, der sich das Ziel gesetzt hatte, den japanischen Autobauer Toyota als weltweite Nummer eins zu verdrängen. Nach Winterkorns Rücktritt war dann eher Bescheidenheit angesagt. Damit ist nun mit dem größten „Veränderungsprozess der VW-Geschichte“ auch wieder Schluss. In Wolfsburg wird wieder geklotzt.

Thyssenkrupp: Lieber Aufzüge als Stahl

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger mit einer Datenbrille
Die Zukunft ist digital: Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger mit einer Datenbrille
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Der kriselnde Stahlmarkt macht Thyssenkrupp zu schaffen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) schrumpfte deshalb im abgelaufenen Geschäftsjahr um zwölf Prozent auf 1,47 Mrd. Euro. Der Umsatz ging um acht Prozent auf 39,3 Mrd. Euro zurück. Neben der Stahlsparte musste auch der Anlagenbau Federn lassen.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger will den Umbau des Unternehmens „zu einem starken Industriekonzern“ vor dem Hintergrund der Einbußen forcieren. „Wir wollen den Anteil der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte ausbauen und profitabel wachsen“, sagte er. Vor allem die Aufzugsparte erweist sich mehr und mehr als große Stütze Thyssenkrupps. Mit einem operativen Ergebnis von 860 Mio. Euro steuert sie inzwischen mehr als die Hälfte zum Gewinn des Gesamtkonzerns bei.

Dagegen schrumpfte der Gewinn der Stahlsparte um ein Drittel auf 315 Mio. Euro. Das Geschäft leidet unter einem harten Preiskampf, der Billigkonkurrenz aus China und Überkapazitäten. Thyssenkrupp verhandelt bereits seit Monaten mit dem Konkurrenten Tata Steel über eine Fusion.

An der Frankfurter Börse stand die Aktie von Thyssenkrupp im Dax ganz oben auf der Verkaufsliste.

Rente: Die große Frage bleibt offen

Sozialministerin Andrea Nahles spricht im Bundestag
Sozialministerin Andrea Nahles will den Beitragssatz für die Rente bei 25 Prozent deckeln
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Die Große Koalition bewegt doch noch was vor dem Wahljahr 2017. Ein Koalitionsgipfel im Kanzleramt verständigte sich auf eine Angleichung der Ost-Renten an das Westniveau bis 2025. Außerdem gibt es Änderungen bei der Erwerbsminderungsrente und bei der Förderung von Betriebsrenten. Bei der großen Frage nach dem künftigen Rentenniveau konnte die Runde jedoch keine Einigung erzielen. Und damit dürfte ein Wahlkampfthema auch schon feststehen.

Sozialministerin Andrea Nahles machte bereits am Freitag den Auftakt. Die SPD-Politikerin will, dass das Rentenniveau bis 2045 nicht unter 46 Prozent sinkt. Der Beitragssatz soll nicht über 25 Prozent steigen. Allerdings wären das schon rund sechs Prozent mehr als momentan. Für die Beitragszahler wird es also auf jeden Fall teurer.

Ein „Demografiezuschuss“ soll verhindern, dass der Beitragssatz ins Uferlose steigt. Nahles schlägt vor, ab 2030 aus Steuermitteln einen Zuschuss von bis zu 4,5 Mrd. Euro jährlich in die Rentenkasse einzuzahlen. Ab 2040 soll der Zuschuss dann auf 8 Mrd. Euro jährlich steigen. Damit müssten dann die Steuerzahler die Löcher im Rentensystem stopfen.

Anders als die Sozialdemokraten sieht die Union keinen Handlungsbedarf bei der Stabilisierung des Rentenniveaus. Für Fraktionschef Volker Kauder ist das Problem nicht so brisant wie ursprünglich befürchtet. Wegen der guten wirtschaftlichen Lage werde das Rentenniveau nicht so stark absinken und für die Zeit bis 2030 gebe es eine Untergrenze von 43 Prozent. Großes Konfliktpotenzial kann Kauder nicht erkennen.

Vorerst bleibt damit die Ost-West-Rentenangleichung als große Errungenschaft. Die Ost-Renten sollen ab 2018 bis 2025 schrittweise dem Westniveau angepasst werden. Eigentlich wollten Union und SPD diese Angleichung schon 2020 erreichen.