KolumneWarum Brandbriefe in die Irre führen

Lars Vollmer
Lars Vollmerlarsvollmer.com

Wie viele denn noch? Continental, Deutsche Bank, nun auch noch Herr Lutz von der Deutschen Bahn … Brandbriefe sind ganz offensichtlich ein brandheißes Thema und ein heißer Trend. Das „Manager Magazin“ sieht in ihnen schon einen „Akt der Verzweiflung“. Mich machen Sie nur traurig.

Weil sie von einem erbärmlichen Mindset, zumindest von einer Form von Denkfaulheit zeugen.

Was ist das Problem?

Deshalb ist es mir auch so vollkommen egal, wie diese Briefe nun im Einzelnen aussahen – ob die fleißigen Schreiberlinge sich an die ganze Belegschaft richteten, ob die Briefe an die Führungsriege gingen oder an den Nachtwächter von Tiefgarage 13B. Ob sie beschwichtigend, anstachelnd, mahnend oder motivierend waren. Ob sie die Schuld bei den Mitarbeitern suchten oder vielmehr an den Gemeinschaftsgeist appellierten.

Denn unterm Strich tun die Verfasser der brennenden Lektüren durch die Bank alle dasselbe: Sie adressieren Menschen, wo Menschen gar nicht das Problem sind.

Verkommuniziert

Nun möchte ich keinen großen Ausflug in die Systemtheorie unternehmen. Halten wir nur so viel fest: Ein soziales System besteht nur vordergründig aus Menschen. Vielmehr: Es besteht aus und fußt auf Kommunikation.

Ziehen Sie ein Beispiel heran: Selbst wenn in einer Meeting-Runde hochgebildete, topmotivierte und rundum tolle Leute sitzen und jeder weiß, was passieren soll und wie es geht – dann ist immer noch nicht gesetzt, dass diese Sache in der Folge auch passiert.

Oder: Alle in der Abteilung wollen etwas, zum Beispiel eine Verhaltensveränderung, ein neues Produkt oder einen Führungswechsel, und alle sind sich einig darüber – aber es bleibt beim Wünschen und es passiert trotzdem nichts.

Weil hier gar nicht die einzelnen Menschen versagen, sondern die Kommunikation.