KolumneÜber die Freiheit zur Innovation

Innovationen brauchen Zeit und Raum
Innovationen brauchen Zeit und Raum unsplash-logoYou X Ventures

Wenn Sie „Innovation“ und „Mittelstand“ googeln, erhalten Sie über sechs Millionen Treffer. Es gibt Bücher über Innovation, Artikel, Workshops, „Best Practice“ – Versprechen und vieles mehr. Dennoch scheitern viele Unternehmen an ihren Bemühungen um Innovation. Warum? Oder andersherum gefragt: Was machen innovative Unternehmen richtig? Eine ungewöhnliche Antwort auf diese Frage finden wir in der Philosophie, genauer: im Begriff der Freiheit.

Effizienzdenken führt zum Gegenteil von Innovation

Innovation bedeutet nicht, sofort alles richtig zu machen. Innovation bedeutet, aus möglicherweise zahlreichen Fehlschlägen das Maximum zu lernen – bis der Durchbruch gelingt. Diese Freiheit, das Versuchen und Lernen ohne den Zwang zum sofortigen Return on Investment – das beherrschen jene Unternehmen, die erfolgreich innovieren. Alle anderen verstolpern ihr Potenzial, indem sie ihren klugen Köpfen Fesseln anlegen, Budgets kleinhalten, Kreativität mit kurzfristigen Renditeforderungen strangulieren.

So planen laut einer Studie der DZ Bank weniger als ein Drittel aller befragten Mittelständler, gezielt in Innovation zu investieren. Hingegen wollen sich über 90 Prozent darauf konzentrieren, ihre Effizienz zu steigern. Diese Dynamik führt zum gewohnten, ideenlosen, risikoarmen Optimierungsspiel und verkörpert genau das Gegenteil von Innovationsgeist. Freiheit, die intellektuelle Luft zum Atmen und zum spielerischen Austausch von Ideen, ist jedoch die wichtigste Voraussetzung für innovative Entwicklungen. Und dieses freie Atmen, dieser Mut zur Innovation anstelle eines effizienzgetriebenen Zitronenauspressens findet in den Köpfen der Entscheider statt. Oder eben nicht.

Freiheit ist als erstes Freiheit von Angst

Es gibt mehrere Faktoren, welche die Freiheitsgrade für Innovationen vergrößern. Der wichtigste, aber auch schwierigste Faktor ist die Herstellung von Angstfreiheit. Angst ist in der heutigen Wirtschaft – ebenso wie Geld – eine der wichtigsten Stellschrauben. Viele Unternehmen funktionieren nach der Regel: Wieso soll ich auf positive Motivation setzen, wenn ich meinem Umfeld auch Angst machen kann? Die hässliche Wahrheit, die Berater und Coaches gern verschweigen, lautet: Angst ist ein mächtiger Motivator. Natürlich kein politischer korrekter, aber ein faktisch praktizierter. Ein Unternehmen, das innovieren will, müsste daher als erstes einen kulturellen Musterbruch durchführen: weg vom „Führen durch Angst“ hin zu „Führen durch Mutmachen“.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Aber es gibt Beispiele für diesen neuen Stil: So praktiziert Google ein Team-Konzept namens „Psychologische Sicherheit“. Durch Supervision, Team-Strukturierung und Schulung der Team-Mitarbeiter wird ein Arbeitsklima erreicht, dass sich durch Vertrauen und Wagemut auszeichnet. Ein idealer Nährboden für innovatorische Ideen. Wer das als Gruppentherapie verlacht, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Google ist eines der erfolgreichsten Unternehmen des Planeten, da sollte man solche Initiativen aufmerksam verfolgen.