WochenrückblickTrump verunsichert Finanzmärkte

Die Party an den Finanzmärkten ist vorbei: Rund um den Globus gaben die wichtigen Börsenindizes nach und schuld ist wieder mal Donald Trump. Die große Hoffnung, die die Investoren in die Steuersenkungs- und Infrastrukturpläne des neuen US-Präsidenten gesetzt hatten, weicht großer Verunsicherung. Der Dax stürzte bis auf 12.490 Punkte ab – erst dann konnte sich das deutsche Börsenbarometer fangen. Und beim Dollar ist die von vielen Analysten prognostizierte Parität zum Euro in weite Ferne gerückt: Der Euro stieg über die Marke von 1,11 US-Dollar.

Wegen der Ermittlungen über mögliche Russland-Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam glauben die Anleger offensichtlich nicht mehr, dass der Präsident seine Reformen umsetzen kann. Stattdessen wird bereits über ein Amtsenthebungsverfahren spekuliert. So weit ist es zwar noch nicht, aber durch die Einsetzung des früheren FBI-Chefs Robert Muller als Sonderermittler steht doch fest, dass Trump die Affäre nicht los wird. Muller soll untersuchen, ob es im Wahlkampf tatsächlich eine Konspiration zwischen Trumps Leuten und Russland gab, die zur Niederlage Hillary Clintons beigetragen hat. Die Ermittlungen werden sich hinziehen, so viel steht jetzt schon fest.

Der Präsident selbst sieht sich als Opfer einer Hexenjagd, wie er per Twitter mitteilte:

Dabei hat Trump selbst den größten Beitrag zu dem Chaos geleistet. Er soll den von ihm geschassten FBI-Chef James Coney aufgefordert haben, die Ermittlungen wegen der Russland-Connection seiner Wahlkampftruppe einzustellen. Von „Amtsmissbrauch“ und „Behinderung der Justiz“ ist in Washington die Rede. Trump dagegen feuert auf gewohnte Weise Breitseiten gegen „Fake Media“ und die oppositionellen Demokraten, die sich für ihre Wahlniederlage rächen wollten:

Wie es an den Finanzmärkten weitergeht, ist nun die große Frage. Nach der Kurskorrektur haben sich die Indizes wieder gefangen, der Crash ist bislang ausgeblieben. Optimisten verweisen auf die erfreuliche Entwicklung der Weltwirtschaft, die eine Stütze der Finanzmärkte seien.

Deutsche Bank: HV nach Horrorjahr

Deutsche Bank-Chef Cryan und Aufsichtsratschef Achleitner blicken zu Boden
Deutsche Bank-Chef Cryan und Aufsichtsratschef Achleitner blicken zu Boden: Eigentlich sollte der Blick nach vorne gehen – Foto: dpa

Wohlfühlveranstaltungen waren die Hauptversammlungen der Deutschen Bank in den letzten Jahren nie. Dazu waren die Probleme des Kreditinstituts und der Ärger der Aktionäre zu groß. 2017 versuchen Vorstand und Aufsichtsrat Aufbruchstimmung zu erzeugen. „Die Deutsche Bank steht heute eindeutig besser da als noch vor zwölf Monaten. Sie hat eine klare Perspektive“, sagte Chefkontrolleur Paul Achleitner. Und auch Vorstandschef John Cryan zog ein positives Fazit des vergangenen Jahres, die Bank sei mit dem Umbau gut vorangekommen.

Doch nicht alle Anteilseigner wollten den Optimismus teilen. Hans-Christoph Hirt vom Aktionärsberater Hermes etwa kritisierte den „Zickzack-Kurs“ der letzten Jahre, mit dem nun endlich Schluss sein müsse. Und auch Klaus Nieding von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz fordert ein Ende des Herumbastelns an der Strategie: „Wir wollen jetzt endlich mal geliefert haben.“

Kritik musste sich auch Aufsichtsratschef Achleitner gefallen lassen. Viel zu spät habe er auf die Krise der Bank reagiert und zu lange an der Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen festgehalten. Achleitner wiederum lobte das neue Vorstandsteam, dass „in seinem ersten Jahr eine echte Feuertaufe mit Bravour gemeistert“ habe. Der Chefkontrolleur wurde von der Hauptversammlung mit 93,5 Prozent der Stimmen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

VW-Dieselskandal: Ermittlungen gegen Müller

VW-Chef Matthias Müller
VW-Chef Matthias Müller: Jetzt erreicht der Dieselskandal auch ihn persönlich – Foto: Getty Images

Dieselskandal und kein Ende: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen VW-Vorstandschef Matthias Müller und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Dieter Pötsch eröffnet. „Gegen die Beschuldigten besteht der Anfangsverdacht, den Anlegern die sich aus den Software-Manipulationen bei Dieselfahrzeugen der Volkswagen AG ergebenden, insbesondere finanziellen Konsequenzen für die Porsche SE bewusst verspätet mitgeteilt zu haben“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Zu den Beschuldigten gehört auch der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn. Brisant sind die Ermittlungen aber vor allem für Müller, der persönlich bisher als unbescholten galt. Gegen den früheren Finanzvorstand und jetzigen Chefkontrolleur Pötsch ermittelt bereits die Braunschweiger Staatsanwaltschaft.

Auslöser der Untersuchungen ist eine Anzeige der Finanzaufsicht Bafin. An dem Tag im September 2015, als der Skandal aufflog, waren die Aktien von Porsche und Volkswagen abgestürzt. Die Aufseher sehen offenbar genügend Anhaltspunkte für eine Verletzung der Informationspflichten bei den Beschuldigten. Die Porsche SE hält die Vorwürfe für unbegründet: „Sie ist der Auffassung, dass sie ihre kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten ordnungsgemäß erfüllt hat“, heißt es in einer Mitteilung.