InterviewReinhold Messner über seine erste Million

Bergsteiger Reinhold Messner
Bergsteiger Reinhold Messner dpa


Reinhold Messner, 74, ist der bekannteste Bergsteiger der Welt. Er bestieg zuerst alle 14 Gipfel, die höher als 8000 Meter sind, jeweils ohne Sauerstoffflasche. Nach seiner Bergsteier-Karriere hat er die Arktis und die Wüste Gobi durchquert und saß für Südtirols Grüne im Europaparlament.


Capital: Herr Messner, um als Unternehmer erfolgreich zu sein, muss man entweder besonders gut oder besonders günstig sein. Was war Ihr Schlüssel, um der erfolgreichste Bergsteiger zu werden?

REINHOLD MESSNER: Ich war ein guter Bergsteiger, aber nicht der beste. Ich war sehr günstig: Eine Expedition zu einem 8000 Meter hohem Berg wie dem Mount Everest hat damals 500.000 Dollar gekostet, viel zu teuer für mich. Ich habe die Kosten auf ein Fünfzigstel gedrückt, weil ich mich getraut habe, den alpinen Stil aufs Höhenklettern zu übertragen. Wir sind also ohne schwere Sauerstoffflaschen und mit wenig Equipment hoch. Daher konnte ich viele Touren machen, mir Fehlschläge leisten.

Wie kamen Sie auf die Idee, so sehr die Kosten zu drücken?

Die neue Capital ist am 18. Oktober erschienen
Die neue Capital ist am 18. Oktober erschienen

Das ist mir in die Wiege gelegt worden. In meinem Heimattal in Südtirol galt früher: Je mehr Besitz ein Bauer hat, desto wichtiger ist er. Und natürlich war der größte Bauer auch Bürgermeister, aber meine Eltern hatten keinen Besitz. Wir mussten immer aufs Geld achten.

Die 70er- und 80er-Jahre waren die große Zeit der Extrembergsteiger. Sie sind als einziger in Erinnerung geblieben, warum?

Das fragen sich viele, gerade meine Konkurrenten. Es liegt wohl daran, dass ich sehr fleißig und diszipliniert bin. Ich kam von einer Expedition zurück, habe mich konsequent hingesetzt, ein Buch geschrieben und bin auf Vortragsreise gegangen. So bin ich zur Marke für die Themen Berg und Abenteuer geworden.

Sie haben mittlerweile mehr als 50 Bücher geschrieben, wie viele brauchte es bis zur ersten Million?

Ich war Ende 20, die Million hatte ich aber nur in italienischer Lire (lacht). Ich war noch eine Zeit lang Lehrer in meiner Heimat Südtirol, Monatsgehalt: 100.000 Lire. Heute dürften das vielleicht 50 Euro sein.

Wann hatten Sie umgerechnet die erste Million in Euro verdient?

Das dürfte nach der Everest-Besteigung 1978 gewesen sein: Die Nachfrage nach Vorträgen war groß, und ich bin nicht multiplizierbar.

Welchen Luxus haben Sie sich von Ihrem Geld geleistet? Sie sind mal ja Porsche gefahren.

Der Porsche war ein Zufall. Mein Mercedes ging bei einer Vortragsreise kaputt, und der Chef des örtlichen Alpenvereins, ein Porschehändler, verkaufte mir billig einen. Das Auto hat Spaß gemacht, ich bin später auch noch einen zweiten gefahren, aber ich habe ihn verkauft, um den nächsten Everest-Trip zu finanzieren. Ich leiste mir keinen Luxus und verabscheue Konsum.