AnalyseNiedrigzins verschont Sparer - noch

Dass die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank den deutschen Sparern massiv schadet, gilt vielen als unumstößliche Wahrheit. Schließlich hat die lockere Geldpolitik die Attraktivität von den hierzulande beliebten Tagesgeldkonten und Bundesanleihen geschmälert. Eine neue Studie von Deutsche Bank Research zeigt jedoch, dass sich die Auswirkungen dieser Politik auf die Renditen der Finanzvermögen deutscher Privathaushalte bisher in Grenzen hielten. Die nominale Rendite betrug im Schnitt der letzten vier Jahre 3,4 Prozent. Das entspricht dem langfristigen Durchschnitt.

Im vergangenen Jahr lag die Gesamtrendite bei drei Prozent. Das waren 0,9 Prozentpunkte weniger als 2014. Die Experten von DB Research führen das auf schrumpfende „Bewertungsgewinne“ zurück. Darunter verstehen sie beispielsweise, die Renditen die Aktienanlagen abwerfen.

Steigt die Inflation, schrumpft die Rendite

Die realen Renditen – unter Herausrechnung der Inflationsrate – liegen seit 2011 sogar über dem langfristigen Durchschnitt. Grund dafür ist die niedrige Inflationsrate. Stabilisierend hätten robuste Einnahmen aus Fonds sowie Versicherungs- und Alterssicherungssystemen gewirkt. Und auch die nominalen Renditen aus festverzinslichen Anlagen seien erst 2015 unter zwei Prozent gefallen.

Hilfreich hat sich auch die gestiegene Risikobereitschaft der Deutschen ausgewirkt. Der Anteil der „risikotragenden Anlagen“ (zum Beispiel Aktien) sei in letzter Zeit deutlich gestiegen. Die Wirtschaftsforscher sehen darin eine Reaktion auf die niedrigen Zinsen für „sichere“ Sparformen. Im europäischen Vergleich steckten die Deutschen ohnehin mehr Geld in Risikoanlagen als andere EU-Bürger.

Hat EZB-Präsident Mario Draghi also Recht, wenn er wie kürzlich vor Abgeordneten des Bundestags behauptet, die Politik der Notenbank nütze auch den Sparern? Die DB-Research-Experten wollen keine Entwarnung geben. Selbst wenn man mittel- und langfristige Risiken für die Finanzstabilität ausblende und nur isoliert auf die Folgen für die Renditen der Haushalte schaue, zeigten sich die starken Nebenwirkungen. „Bei plausiblen Annahmen für die Entwicklung der Inflation und vor allem der Rendite von zinstragenden Anleihen dürfte die Gesamtrendite im laufenden Jahr merklich fallen und könnte schon 2017 in realer Rechnung in den negativen Bereich abrutschen“, heißt es.

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