ManagementHauptsache Ich!

Mann mit Löwenmaske
Früher wurde wie ein Löwe um die Karriere gekämpft, heute dient die Löwenmaske der Selbstfindung – Foto: Getty Images

Bernd Slaghuis ist Karriere- und Business-Coach in Köln. Er hat sich auf Karriereplanung und Neuorientierung sowie das Coaching von Führungskräften aus dem mittleren Management spezialisiert. Er schreibt im Karriere-Blog Perspektivwechsel über seine ganz eigenen Sichtweisen auf Karriere, Bewerbung und Führung.  Bernd Slaghuis ist Karriere- und Business-Coach in Köln. Er hat sich auf Karriereplanung und Neuorientierung sowie das Coaching von Führungskräften aus dem mittleren Management spezialisiert. Er schreibt im Karriere-Blog Perspektivwechsel über seine ganz eigenen Sichtweisen auf Karriere, Bewerbung und Führung.


Karriere bedeutete über Jahrzehnte: schnell aufsteigen, notfalls mit Ellenbogen, das stolze Schmücken mit Statussymbolen als Siegertrophäe. Also höher, schneller, weiter – alles zum Wohl der Umsatz-Maximierung und des eigenen Vermögens. Inzwischen steht Karriere für Selbstverwirklichung, immer neue Herausforderungen sowie Applaus als Leistungsanerkennung. Das belegt meine neue Studie: Demnach verbinden 70 Prozent der Berufstätigen in Deutschland heute mit Karriere Hauptsache Ich!

Den meisten Arbeitnehmern geht es mehr um den Weg zur wahren Berufung, sie wollen einen tieferen Sinn im Beruf und am Ende auch im Leben finden. Erfüllung im Tun statt schnödes Geld verdienen. Daher sind Selbstfindungsseminare derzeit wahre Goldgruben, Glücks-Ratgeber Garanten für Bestsellerplätze und auch viele Coaches wittern einen riesigen Markt. Denn Selbstverwirklichung ist schließlich kein Kinderspiel.

Hat sich Karriere tatsächlich so sehr verändert? Nein, die Werte heißen anders, doch die Grundbedürfnisse und Motive dahinter bleiben die alten. Verändert hat sich die Perspektive: Aus dem Wir ist das Ich geworden. Der materielle Erfolg hat sich zu einem immateriellen Anspruch sich selbst gegenüber gewandelt.

Wettbewerb heißt jetzt Selbstverwirklichung

Die Selbstverwirklichung als persönliches Karriereziel ist das neue Substitut des alten Wettbewerbs. Aus dem Wettbewerb der Köpfe im Kampf um Positionen ist der Wettbewerb mit uns selbst entstanden. Ein Wettrennen gegen die Zeit, denn wer es bis 40 nicht geschafft hat, gehört chancenlos zum alten Eisen. Das ist zumindest in vielen Köpfen heute als unumstößliche Wahrheit verankert. Es ist das Ergebnis einer Gesellschaft im Selbstoptimierungsrausch und dem Jugendwahn verfallenen Unternehmern, die für Berufserfahrung kaum Verwendung mehr haben.

So ist es nicht verwunderlich, dass die 40-49-Jährigen heute über den größten Job-Frust klagen. Sie stecken in der Selbstverwirklichungsfalle. Sie sind angekommen in einer Lebensphase, in der die Identifizierung mit dem eigenen Tun und das Verlangen nach sinnvoller Zeitverwendung ihr Maximum erreichen. Sie sind Getriebene des eigenen Gefühls, es immer noch nicht ganz geschafft zu haben, auf der umtriebigen Suche nach etwas ihnen Unbekanntem, das sie endlich richtig erfüllt und sie zur sehnlich erhofften Selbstverwirklichung führen wird.