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Frank Arnold Wie schafft man Raum für Neues?

Frank Arnold
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Viele Entscheider glauben, dass sie hochinnovativ sind – dabei arbeiten sie nur in Routinen. Frank Arnold skizziert zwei Wege, die zu echter Innovationskraft führen

Es gibt viele Wege, Neues zu schaffen – und auch Prozesse. Zwei bewährte sind die Stop-doing-Liste und die regelmässige Sitzung zum „systematischen Abschaffen“ (man könnte auch kurz „Abschaffen-Sitzung“ sagen).

Die Stop-Doing-Liste wird unterschätzt

Die Stop-doing-Liste kann einen grossen Beitrag zu deiner persönlichen Wirksamkeit leisten. Wirksame Führungskräfte führen in irgendeiner Form To-do-Listen, also Aufzeichnungen von Aufgaben, die sie noch erledigen wollen. Anstatt aber nur jene Dinge aufzuschreiben, die du tun möchtest, solltest du auch notieren, was du künftig nicht mehr tun willst. Durch die Beschäftigung mit deiner Stop-doing-Liste wirst du nicht nur entdecken, was du nicht mehr tun solltest, du wirst auch Chancen und Wege erkennen, wie du dies nicht mehr tun musst.

Tausche Geld gegen Zeit – nicht Zeit gegen Geld

Bedenke in diesem Zusammenhang, dass viele erfolgreiche Menschen Geld gegen Zeit eintauschen, wohingegen die grosse Mehrheit Zeit gegen Geld eintauscht. Selbst wenn dir dieser Gedanke noch fern erscheint, behalte ihn trotzdem im Hinterkopf. Denn du wirst recht schnell Möglichkeiten finden, wie du Zeit gegen Geld erkaufen kannst, zunächst noch im eher kleinen Rahmen, mit der nötigen Konsequenz aber schon bald im grossen Stil. Du wirst sehen, dass es sich dabei wie mit Zinsen verhält: Zinsen ergeben Zinseszinsen, die auch wieder verzinst werden, und so weiter.

Je mehr du es dir leisten kannst, dir mit Geld Zeit zu erwerben, desto mehr wirst du dich auf jene Dinge konzentrieren können, mit denen du eine deutlich höhere Wertschöpfung erzielst, was dir wiederum Ressourcen verschafft. Dass Stop-doing-Listen nicht nur für dich als Führungskraft hilfreich sind, sondern vor allem auch dabei helfen können, die Organisation wirksamer zu machen, liegt auf der Hand.

Etabliere die monatliche „Abschaffen-Sitzung“

Der zweiten Methode, der monatlichen Abschaffen-Sitzung, liegt eine Idee zugrunde, die so einfach wie einleuchtend ist: Definiere in deinem Unternehmen oder Team einen festen Tag im Monat, an dem eine Sitzung stattfindet, in der konsequent nur über jene Dinge diskutiert wird, die man abschaffen sollte. In manchen Organisationen wird eine solche Sitzung einmal im Monat konsequent auf allen Managementebenen durchgeführt. In jeder dieser Sitzungen steht ein anderer Schwerpunktbereich des Unternehmens im Mittelpunkt der Diskussion, zum Beispiel Produkte, Dienstleistungen, Verwendungszwecke, Märkte, Kundengruppen, Vertriebswege, Prozesse, Regeln oder Richtlinien.

Über ein Jahr hinweg alle Bereiche „entrümpeln“

Ziel ist es, innerhalb eines Jahres einmal die gesamte Organisation unter dem Gesichtspunkt des systematischen Abschaffens zu betrachten. Ganz allgemein muss dabei stets gefragt werden: Wollen wir das, was wir hier tun, weiterhin beibehalten? Was sollten wir zukünftig nicht mehr tun?

Jack Welch, der legendäre CEO von General Electric, formulierte sein Ziel, dass GE überall Nummer eins oder zwei werden sollte, als Reaktion auf zwei Fragen: Würdest du heute in dieser Branche tätig werden, wenn du nicht bereits dort aktiv wärst? Und wenn die Antwort „Nein“ war: Was wirst du nun tun?

Übertrage diese Fragen sinngemäss auch auf andere Bereiche der Organisation. Was du über das Jahr hinweg erwarten darfst, sind wichtige Veränderungen hinsichtlich dessen, was getan wird und wie es getan wird. Überdies werden sicherlich einige sinnvolle Tätigkeiten auftauchen, die du neu hinzunehmen willst. Dem Prozess kannst du viel Schwung und eine gesteigerte Wirksamkeit verleihen, wenn du, wie es sich für ein gutes Umsetzungsmanagement gehört, in regelmässigen Abständen kommunizierst, was aufgrund dieser Sitzungen konkret bewirkt und verändert wurde. Dein Team wird es dir sehr danken, denn jeder will mitbekommen, wenn sich die Erfolge einstellen. 

Denkanstoss für heute

  • Führe eine monatliche „Abschaffen-Sitzung“ ein und mache die Ergebnisse des systematischen Follow-ups innerhalb der Organisation öffentlich
  • Führen eine Stop-doing-Liste (nicht nur eine To-Do-Liste)
  • Prüfe, wo du nutzstiftend Geld für Zeit eintauschen kannst

Dr. Frank Arnold ist Bestsellerautor sowie Berater für Unternehmens- und Führungskräfteentwicklung. Arnold beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Frage: Was ist gute Führung? Seine gleichnamige Kolumne erscheint wöchentlich an dieser Stelle und kann auch als Newsletter abonniert werden. Von Frank Arnold erschien bei Capital bereits die Artikelserie „Mein bester Rat“.


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