WochenrückblickUnternehmen meiden die Börse

RWE-Chef läutet die Glocke für die Erstnotiz der Innogy-Aktie
RWE-Chef läutet die Glocke für die Erstnotiz der Innogy-Aktie. Börsenchef Kangeter freut sich mit ihm – Foto: Getty Images

2016 war kein guter Jahrgang für Börsengänge. Das IPO-Barometer der Unternehmensberatung EY zählt für den Börsenstandort Frankfurt nur acht Neuemissionen. 2015 lag die Zahl fast doppelt so hoch. Die Unternehmen, die in diesem Jahr den Gang an die Börse wagten, sammelten 5,2 Mrd. Euro ein. Das waren gut 2 Mrd. Euro weniger als im Vorjahr.

Die Bilanz wäre noch schlechter ausgefallen, wenn nicht mit der RWE-Ökostromtochter Innogy ein größerer IPO die Ausbeute aufhübschen würde. Innogy erlöste mit dem Börsengang 4,6 Mrd. Euro. Die anderen Börsengänge waren vom Volumen her viel kleiner. Nur der Windanlagenbauer Senvion und der Arzneimittelversender Shop Apotheke nahmen bei ihren IPOs mehr als 100 Mio. Euro ein.

Die Gründe für die Zurückhaltung der Unternehmen sind laut EY vielfältig und betreffen nicht nur Deutschland. Politische Unsicherheiten durch den Brexit und die Präsidentenwahl in den USA hätten die Firmen abgeschreckt. In Europa hätten viele Börsenkandidaten nach dem Nein der Briten zur EU ihre Pläne auf Eis gelegt. Andere „entschieden sich für alternative Transaktionen – etwa einen Verkauf an strategische Investoren oder Beteiligungsfirmen“, sagte EY-Experte Martin Steinbach.

Rückgänge waren auch in den USA zu verzeichnen. Die Zahl der Transaktionen sank um 36 Prozent auf 112 IPOs. Laut EY war es das schlechteste IPO-Jahr seit dem Krisenjahr 2009. Etliche Unternehmen hätten den Ausgang des Duells um die Präsidentschaft zwischen Donald Trump und Hillary Clinton ab.

Die meisten Börsengänge gab es mit 641 in Asien. Schwerpunkt war China mit 331 IPOs, was allerdings einen Rückgang um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Das Emissionsvolumen schrumpfte sogar um 37 Prozent auf 21,3 Mrd. Dollar. Der größte Börsengang des Jahres fand trotzdem in der Volksrepublik statt: Die Postal Savings Bank of China erlöste mit ihrem IPO 7,1 Mrd. Euro.

Special Relationship: Trump und die Tech-Bosse

Jeff Bezos, Larry Page, Sheryl Sandberg, Mike Pence und Donald Trump (v.l.n.r.)
Im Wahlkampf waren sie noch erbitterte Gegner, jetzt umgarnt Donald Trump die Größen aus dem Silicon Valley – Foto: Getty Images

Eine solche Ansammlung hochkarätiger IT-Größen gibt es selten zu bestaunen. Doch wenn der gewählte US-Präsident Donald Trump einladen lässt kommen sie alle: Apple-Chef Tim Cook, Google-Gründer Larry Page, Amazon-Chef Jeff Bezos, Facebook-Chefin Sheryl Sandberg, Tesla-Boss Elon Musk und andere fanden sich zum Stelldichein im Trump-Tower in New York ein. Neben Trump saß Investor Peter Thiel, der die Runde aus dem Silicon Valley zusammengetrommelt hatte.

Infografik: Das Billionen-Dollar Tech-Treffen | Statista
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Es gab viel zu besprechen, schließlich stand die US-Tech-Elite im Wahlkampf auf der Seite der Demokratin Hillary Clinton. Nur Thiel bekannte sich zu Trump. Der hatte die IT-Konzerne nicht geschont. Apple-Chef Tim Cook beschimpfte er als vaterlandslosen Gesellen, weil der Konzern seine Geräte außerhalb Amerikas fertigen lässt.

Vor laufenden Kameras gab sich Trump jetzt aber handzahm. „Ruft einfach meine Leute an. Oder ruft mich an, das macht keinen Unterschied. Wir haben hier keine formale Befehlskette“, sagte er zu den Konzernchefs. Und dann sogar so etwas wie eine Liebeserklärung: „Es gibt niemanden wie euch auf der Welt.“

Was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, ist nicht bekannt. Bezos bezeichnete das Treffen als „sehr produktiv“. Das muss man schon als Fortschritt bezeichnen. Während des Wahlkampfs wollte Bezos einen Platz für Trump in einer Rakete von Blue Origin reservieren. Blue Origin ist ein Raumfahrtunternehmen, dass der Amazon-Chef nebenbei betreibt.

Fed hebt Leitzinsen an

Fed-Chefin Janet Yellen
Fed-Chefin Janet Yellen sieht die US-Wirtschaft gut aufgestellt – Foto: Flickr.com / Federal Reserve

Wie erwartet hat die US-Notenbank Fed in dieser Woche die Zinsen um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent erhöht. Außerdem stellte sie für das kommende Jahr drei Zinsschritte in Aussicht. Das kam dann schon überraschender. Die Fed peilt ein Zinsniveau von 1,375 Prozent bis Ende 2017 an.

Der Zinsschritt findet vor dem Hintergrund einer gut laufenden Konjunktur und einer Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent statt. Die Inflationsrate hat zuletzt wieder angezogen und liegt bei 1,6 Prozent. Die US-Wirtschaft bewegt sich also auf einem soliden Pfad und Fed-Chefin Janet Yellen rechnet damit, dass es weiter moderat aufwärts gehen wird.

Für den neuen Präsidenten Donald Trump haben die Zinserhöhungen jedoch Folgen. Er will die Konjunktur durch Ausgabenprogramme anheizen. Das kostet viel Geld, das Trump nicht hat. Die Finanzierung über Schulden wird durch die höheren Zinsen noch teurer und das Loch im US-Haushalt noch tiefer.

Einen unmittelbaren Effekt hatte die Zinserhöhung auch: Der Dollar nähert sich der Parität zum Euro.

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