Interview"Die Kontinuität bleibt gewahrt"

Wann war Ihnen klar, dass Sie die Geschicke Ihrer Firma in die Hände Ihrer Kinder legen werden?

Zum Unternehmer wird man nicht, weil das die Eltern wollen. Die Entschlossenheit, Verantwortung für hunderte Menschen zu übernehmen, muss aus einem selbst kommen. Meine Kinder beweisen seit vielen Jahren, dass sie die Firma sehr gut führen. Das macht mich sehr glücklich und dankbar. Einen konkreten Zeitpunkt oder ein bestimmtes Ereignis gab es daher für meine Entscheidung nicht.

Wie haben Sie die Nachfolge konkret geregelt?

Für meine Tochter Susanne, meinen Sohn Thomas und mich sind Transparenz und Klarheit in den Entscheidungen sehr wichtig. Wir haben uns innerhalb der Familie darauf geeinigt, dass Susanne meinen Verantwortungsbereich übernehmen wird. Somit haben beide die Verantwortung für je sieben Abteilungen.

Wie haben sich Ihre Kinder auf die alleinige Führungsverantwortung vorbereitet?

Der jetzige Generationswechsel hat im Prinzip bereits mit dem Eintritt meiner Kinder in das Unternehmen begonnen: Bei meinem Sohn Thomas Pilz war das im Jahr 1996 als Geschäftsführer der US-amerikanischen Gesellschaft. Er lernte in diesen knapp zehn Jahren, mutige Entscheidungen zu treffen und zu verantworten. Auch Susanne lernte nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium – zunächst bei anderen Arbeitgebern und dann bei Pilz, dass man sich Problemen offensiv stellen muss, um sie im Interesse der Firma zu lösen. Thomas und Susanne lernten also von Beginn an Verantwortung zu tragen und konnten selbstständig ihre Erfahrungen machen.

Gibt es Entscheidungen, die Sie hinsichtlich der Ausgestaltung der Nachfolgeregelung heute anders treffen würden?

Nein. Wie gesagt, wir haben uns als Familie viel Zeit genommen, um im Vorfeld alle möglichen Fragen und Bedenken zu klären bzw. aus dem Weg zu räumen. Das ist uns gelungen. Meine Kinder freuen sich auf die gewachsene Verantwortung und auf das gemeinsame Ringen um die Zukunft unserer Firma. Ich sehe daher einen guten Weg, den wir gemeinsam gegangen sind.

Wie haben Sie bzw. Ihr Unternehmen die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten auf die Firmenübergabe vorbereitet?

Da meine Kinder schon seit vielen Jahren in der Geschäftsführung sind, führte die offizielle Ankündigung zur Firmenübergabe – soweit ich weiß – bei keiner Partei zu Irritationen. Intern haben wir bereits vor einem Jahr den Mitarbeitern diesen Entschluss mitgeteilt. Die Mitarbeiter erleben, dass mit Susanne Kunschert und Thomas Pilz die Kontinuität in der Führung gewahrt bleibt.

Was machen Ihre Kinder in der Führungsetage besser als Sie?

Sie werden es auf ihre Weise gut machen.

Was wünschen Sie sich für PILZ? Wo soll das Unternehmen in 10 Jahren stehen?

Wir wollen weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis. Umsatzwachstum ist nicht das alleinige Ziel. Wir wollen mit unserer Arbeit in der Automation die Sicherheit des Menschen in den Mittelpunkt stellen. Dabei wollen wir Lösungen anbieten, mit denen es gelingt, Effizienz und hohe technische Ansprüche zu verbinden. Daran sollen unsere Mitarbeiter mit Freude arbeiten. Und natürlich freut es mich, wenn Pilz weiter in Familienbesitz bleibt. Unabhängigkeit ist oberstes Unternehmensziel von Pilz.

Fällt Ihnen das Loslassen schwer?

Nein. Ich bin glücklich, dass ich die Firma in die Hände meiner Kinder legen darf. Sie führen fort, was mein Mann und später auch ich mit viel Herzblut geschaffen haben. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und ich kann mich freudig komplett aus dem operativen Geschäft herausziehen.


Renate Pilz führte aus „Respekt für das Lebenswerk meines Mannes“ nach dem frühen Unfalltod von Peter Pilz im Jahre 1975 die Firmengeschicke der Pilz GmbH mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart weiter. Die Firmenchefin brachte Innovationen in der Automatisierungstechnik auf den Weg und trieb die Internationalisierung des Mittelständlers voran. Heute ist das Familienunternehmen ein führender Anbieter von Automatisierungslösungen. Derzeit unterhält das Unternehmen weltweit 40 Tochtergesellschaften und Niederlassungen und beschäftigt über 2000 Mitarbeiter. Ende 2017 übergibt Renate Pilz die Geschäftsführung komplett an ihre Kinder Susanne Kunschert und Thomas Pilz.