FerienimmobilienWo Ferienhäuser noch erschwinglich sind

Reetgedeckte Schönheiten: Die Ferienhäuser auf der Halbinsel Graswarder residieren am Strand
Reetgedeckte Schönheiten: Die Ferienhäuser auf der Halbinsel Graswarder residieren am StrandGetty Images

Sylt mag seine Sterne verloren haben, nicht aber den Glanz. Buhlten lange Zeit zehn Sterneköche um die kulinarische Gunst der Gäste, verwöhnen inzwischen nur noch drei die Gaumen anspruchsvoller Inselurlauber. Stattdessen: Rückbesinnung auf das Wesentliche. Weniger schicki und micki mit importierten Langusten und Schampus, dafür mehr heimisches Salzwiesenlamm und selbst gebrautes Bier.

Die Inselkönigin der Nordsee ist in die Jahre gekommen. 50 plus, Naturfreunde oder Frühaussteiger – so sieht der typische Teilzeit-Insulaner heutzutage aus. Er schätzt den Komfort, macht viel Sport und nimmt Rücksicht auf die Natur.

Und die Partyverrückten von einst? Die müssen ein paar Gänge runterschalten: Weniger Buhne 16 bis in den frühen Morgen. Mehr Radfahren und Wandern mit dem Hund statt Powershoppen in Kampen. „Die Generation, die Luxus zelebriert hat, ist mittlerweile auch schon um die 80 Jahre alt und ruhiger geworden“, sagt Makler Tom Kirst von der Agentur Dahler & Company. Die Millionäre von heute seien dezenter unterwegs. Geld sei aber immer noch vorhanden und werde nach wie vor in Immobilien umgesetzt.

Wer 1,5 Mio. Euro für eine Doppelhaushälfte in Wenningstedt ausgeben kann, hat wahrlich keine Geldsorgen. Und er ist auch kein Einzelfall. Ein Blick in die amtlichen Statistiken zeigt das: Im vergangenen Jahr wurden auf Sylt Wohnungen, Häuser und Grundstücke im Wert von 806 Mio. Euro gehandelt. Auf Kampen entfielen davon 122 Mio. Euro (40 Verkäufe), auf Wenningstedt-Braderup, den Shootingstar unter den Inselorten, fast 107 Mio. (79 Verkäufe), und Westerland kam sogar auf einen Umsatz von rund 180 Mio. Euro (328 Verkäufe).

Die Sehnsucht nach dem eigenen Refugium am Meer scheint ungebrochen. Nicht nur auf Sylt oder Föhr, Rügen oder Usedom. An den deutschen Küsten rauf und runter werden Apartments und Ferienhäuser gebaut und verkauft. Rund 34 Prozent aller Besitzer von Urlaubsdomizilen an Nord- und Ostsee haben ihre Immobilien erst in den vergangenen sechs Jahren erworben.

Die Ostsee ist erschwinglich

Die Ostsee ist im Kommen: Rügen und Usedom führen als beliebteste deutsche Inseln weit vor Sylt oder Norderney, so die jüngste Marktstudie von Fewo-direkt und Engel & Völkers zu Ferienimmobilien 2017. Der Grund: An der Ostsee ist es immer noch billiger als an der Nordsee. Auf den Ostseeinseln gibt es Wohneigentum für 1500 bis 3500 Euro pro Quadratmeter – sofern man sich von den Top-Standorten fernhält. Auf Juist geht es erst ab rund 4000 Euro los, auf Sylt gibt es kaum etwas unter 5000 Euro. Und Norderney spielt laut Engel & Völkers in einer eigenen Liga: Selbst in einfachen und mittleren Lagen werden teils mehr als 9000 Euro je Quadratmeter verlangt.

Wem das zu teuer ist, der hat aber Ausweichmöglichkeiten auf dem Festland. Norden und Norddeich sind günstige Alternativen. Hier zahlt man nur einen Bruchteil dessen, was die Insellagen kosten: Eine Doppelhaushälfte in Top-Lage, wenige Hundert Meter bis zum Strand, für 250.000 Euro? Kein Problem. Ein 215 Quadratmeter großes Friesenhaus, Baujahr 2000, für knapp 400.000 Euro? Ebenfalls machbar. Ältere Objekte kosten noch weniger. Festlandmakler Andreas Harre empfiehlt seinen Kunden daher häufig: „Lieber ältere Objekte kaufen und was draus machen.“ Das tun auch immer mehr Käufer.

Knapp zwei Drittel der Neueigentümer sanieren ihre Ferienimmobilie laut der Fewo-Studie direkt nach dem Kauf: Bodenbeläge, Wände und Decken, sanitäre Anlagen – und nicht zu vergessen: die Ausstattung. „Möbel aus den 90er-Jahren sind schon zu alt“, weiß Annegret Möllerherm. „Wer nicht konsequent dranbleibt und regelmäßig modernisiert, hat schlechtere Chance bei der Vermietung.“ Das spricht sich langsam herum. Schließlich wollen gut 63 Prozent aller Käufer mit der Vermietung ihrer Objekte Geld verdienen.

Auf Spitzenpreise von 300 Euro pro Tag in der Hochsaison kommen aber die wenigsten. Maklerin Möllerherm gehört dazu. Vor zwei Jahren schlug sie zu, als sich eine Gelegenheit ergab: eine 109-Quadratmeter-Wohnung, zu der eine noch deutlich weitläufigere Dachterrasse gehört. Ein Penthouse, vierter Stock, mitten in der Strandpromenade von Scharbeutz, freier Blick auf die Ostsee. Ein einzigartiges „Sahnestück“ – wenn auch aus den 70er-Jahren. „Eine Wohnung, die von drei Seiten mit einer Terrasse umgeben ist, wird heutzutage gar nicht mehr gebaut“, sagt Möllerherm. Allein deshalb dürfte das Objekt inzwischen gut 20 Prozent an Wert zugelegt haben, ist sie sicher. Verkaufen würde sie jetzt trotzdem nicht. Die Immobilienperle ist schon den zweiten Sommer in Folge ausgebucht. Und das bei jedem Wetter. „Die Feriengäste wissen, dass nicht immer die Sonne scheint“, sagt Möllerherm. „Darum geht es hier aber auch nicht. Man kann sich entspannen, die Seele baumeln lassen, hat Zeit für Einkäufe und Ausflüge. Lübeck, Eutin – alles ist nicht weit entfernt.“