RuhrgebietWarum Ruhrpott-Immobilien begehrt sind

Blick auf Bochum bei Nacht
Bochum erfreut sich bei Immobilieninvestoren wachsender Beliebtheitdpa

In einem seiner größten Hits besingt Herbert Grönemeyer eine Stadt, die wahrlich keine Schönheit ist. „Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt“, sang der damals noch weitgehend unbekannte Grönemeyer im Jahr 1984. Gemeint ist Bochum – eine Stadt, die laut Liedtext „von Arbeit ganz grau“ ist. Mittlerweile ist der Bergbau zwar Geschichte, doch eine Augenweide ist Bochum immer noch nicht. Beton prägt das Stadtbild, in der Innenstadt stehen viele Gebäude leer. Auf der Liste der deutschen Großstädte mit der höchsten Lebensqualität stand Bochum im vergangenen Jahr gerade einmal auf Platz 60.

Und doch steht die Stadt zwischen Rhein und Ruhr bei Immobilieninvestoren hoch im Kurs. Im Dezember kaufte die Landmarken AG, ein Projektentwickler aus Aachen, rund 8900 Quadratmeter Fläche gegenüber des Bochumer Szene-Viertels Bermuda-Dreieck. Auf einem ehemaligen Bahngelände sollen in den kommenden Jahren Hotels und Bürogebäude entstehen. Auch einer der größten Wohnungsanbieter Nordrhein-Westfalens, Vivavest, hat Bochum ins Auge gefasst. Bis zum Jahr 2024 will das Unternehmen dort 3200 neue Wohnungen errichten.

„Für die Immobilienwirtschaft ist das Ruhrgebiet der Zukunftsstandort“

Rasmus Beck

Bochum ist nicht die einzige Stadt im Ruhrgebiet, auf die Profi-Anleger ein Auge geworfen haben. Vor allem das Geschäft mit Bürogebäuden boomt. Im Jahr 2018 entstanden zwischen Rhein und Ruhr rund 257.000 Quadratmeter Mietfläche neu, zeigt der Immobilienmarktbericht der regionalen Wirt­schaftsförderung Business Metropole Ruhr (BMR). Damit zählt das Ruhrgebiet deutschlandweit zu den beliebtesten Standorten für Büroimmobilien. Nur in Berlin war der Zulauf zuletzt noch größer.

„Für die Immobilienwirtschaft ist das Ruhrgebiet der Zukunftsstandort“, wirbt Rasmus Beck, Vorsitzender der BMR. In ihrem Bericht attestieren die Autoren dem Immobilienmarkt im Pott glänzende Wachstumschancen. Der Grund: Die Metropolregion Ruhr bietet geringe Kaufpreise, steigende Mieten und damit laut BMR ein geradezu hervorragendes Risiko-Rendite-Profil. „Wegen Niedrigzinsen und abgegrasten A-Standorten eröffnen sich für unsere Standorte nun einmalig gute Perspektiven“, sagt Beck.

Essen wächst wieder

Der BMR-Vorstand mag die Werbetrommel fürs Ruhrgebiet allein von Berufs wegen rühren, doch mit seiner Einschätzung befindet sich Beck in guter Gesellschaft. Im Dezember veröffentlichte das unabhängige Analysehaus Bulwiengesa eine Lobeshymne auf die Stadt Essen. Jahrzehntelang gehörte die Großstadt zu den Sorgenkindern der Region. In den vergangenen 40 Jahren verlor sie sie fast 200.000 Einwohner und rutsche zwischenzeitlich aus der Rangliste der zehn größten Städte Deutschlands.

Seit 2012 wächst Essen wieder – und schon jetzt fehlt es an Wohnungen, weil die Zahl der Neubauten erst seit 2018 steigt, schreiben die Bulwiengesa-Autoren. Auch der Leerstand sei deutlich zurückgegangen und dürfte sich Ende vergangenen Jahres zwischen 3,0 und 3,5 Prozent bewegt haben – „also unterhalb einer gesunden Angebotsreserve“, heißt es in dem Bericht. Darüber hinaus haben viele bedeutende Unternehmen ihren Sitz in Essen, darunter Thyssenkrupp, Eon und RWE. Die Bulwiengesa-Analysten sehen daher bei Mieten und Preisen viel Luft nach oben.

Nicht alle Ruhrgebietsstädte lohnen sich

Auch Bochum hat sich gemacht. Die Stadt ist vom Sorgenkind zum Wirtschaftsmotor der Region avanciert. Im vergangenen Jahr präsentierte Bochum erstmals seit 30 Jahren einen ausgeglichenen Haushalt. Damit ist die Stadtführung wieder handlungsfähig und will nun verstärkt in Straßen, Schulen und den öffentlichen Nahverkehr investieren. Diese Investitionen seien die Voraussetzung für weiteres Wirtschaftswachstum, erklärte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD).

Dennoch gilt: Pauschal als Anlageziel empfehlen kann man das Ruhrgebiet nicht. Nicht alle Ruhr-Städte haben den Strukturwandel so erfolgreich gemeistert wie Essen und Bochum. Viele Orte ächzen noch immer unter ihren Schulden, kämpfen zudem mit Armut und sinkenden Bevölkerungszahlen. In solchen strukturschwachen Regionen könnten die Preise bis zum Jahr 2030 sogar fallen, warnen die Autoren des Postbank Wohnatlas 2019.

 

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