BaufinanzierungVariable Darlehen: ohne Zinsbindung ins Eigenheim

Wer eine Immobilie kaufen will, kann auch auf ein variables Darlehen setzen.IMAGO / Werner Otto

Wie lange darf’s sein? Fünf, zehn, fünfzehn oder dreißig Jahre? Wer bei Kauf einer Immobilie einen Finanzierungsvertrag abschließen will, steht bei der Sollzinsbindung vor der Qual der Wahl. Doch es gibt auch eine Alternative ganz ohne Zinsbindung: das variable Darlehen. Dabei vereinbaren Darlehensnehmer und Bank bei Vertragsabschluss keinen festen Zinssatz, sondern die Zinsen sind flexibel und werden alle drei Monate neu berechnet. Dabei basiert die Höhe auf dem Drei-Monats-Euribor, dem Referenzzinssatz im Euromarkt, an dem sich Banken orientieren.

Ein Kredit ohne Zinsbindung klingt zunächst im Vergleich zum klassischen Annuitätendarlehen eher unattraktiv. Immerhin hat niemand eine Glaskugel und kann vorhersehen, wie das Zinsniveau in einem, drei oder zehn Jahren sein wird. Wer Pech hat, muss sich irgendwann mit gestiegenen Marktzinsen abfinden – und zahlt für den Kredit am Ende viel mehr als ursprünglich erwartet. Sinnvoll ist ein variabler Kredit daher überhaupt nur, wenn der Darlehensnehmer davon ausgeht, dass die Zinsen bald sinken. Als Dauerlösung sei das Darlehen in aller Regel nicht empfehlenswert, weil „es durch seine Zinsschwankungen langfristig zu unberechenbar wird“, erklärt Henning Ludwig, Spezialist für Baufinanzierung beim Kreditvermittler Dr. Klein. Allerdings sind variable Darlehen nicht bloß eine Kreditvariante für Zocker – sie können in bestimmten Lebenssituationen durchaus eine sinnvolle Alternative sein und kommen mit einigen Vorteilen daher.

Das wichtigste Argument zugunsten von variablen Darlehen ist die Flexibilität. Denn ein variables Darlehen lässt sich mit einer Frist von drei Monaten vollständig tilgen oder kündigen. Anders als bei der regulären Baufinanzierung fällt dabei keine Vorfälligkeitsentschädigung an, die Banken beim vorzeitigen Ausstieg aus klassischen Darlehen für die entgangenen Zinsen in der Regel einfordern.

Das macht das variable Darlehen für kurze Kreditlaufzeiten attraktiv, oder wenn für den Darlehensnehmer schon abzusehen ist, dass er den Kredit vorzeitig kündigen wird. Ein klassischer Fall, in dem sich ein variables Darlehen lohnen kann, wäre der Folgende: Ein Immobilienbesitzer möchte, zum Beispiel wegen eines Umzugs, ein neues Haus kaufen, während das alte noch nicht verkauft ist. Er benötigt für die Übergangsphase einen Kredit, um das neue Haus zu finanzieren. Hier kommt das variable Darlehen ins Spiel: Der Eigentümer kann seinen Kredit nämlich jederzeit kündigen, sobald das alte Haus verkauft ist und er die Summe auf einen Schlag tilgen kann – und spart somit die Vorfälligkeitsentschädigung.

Variable Darlehen sind auch sinnvoll, wenn beispielsweise ein Grundstück gekauft und erst später das Haus darauf gebaut wird, erklärt Baufinanzierungsexperte Ludwig. „Dann kann für das Haus später ein Baudarlehen aufgenommen werden, mit dem das variable Darlehen für das Grundstück abgelöst wird.“ Auch für Menschen, die in absehbarer Zeit mit einem Geldsegen rechnen, etwa durch eine Erbschaft oder Auszahlung aus einer Lebensversicherung, kann ein variables Darlehen eine sinnvolle Alternative sein. Lässt das Erbe allerdings noch ein paar Jahre auf sich warten oder wollen Eigentümer die alte Immobilie erst nach Jahren verkaufen wollen, sollte aber eine andere Lösung her. Zum Beispiel in Form eines Kombidarlehens.

Alternative: Kombidarlehen

Dieses verbindet Annuitätendarlehen und variables Darlehen. Ein Bauherr, der ein Darlehen von 150.000 Euro aufnimmt, könnte also zum Beispiel 100.000 Euro davon als Annuitätendarlehen für die ersten zehn Jahre der Kreditlaufzeit vereinbaren. Für die restlichen 50.000 Euro, die noch zu tilgen sind, wechselt der Bauherr dann nach zehn Jahren in das variable Darlehen über. Erhält er beispielsweise ein weiteres Jahr später schon sein Erbe und kann den Kredit vollständig tilgen, spart er unter Umständen Zinsen sowie die Vorfälligkeitsentschädigung ein.

Wer flexibel sein, aber kein so großes Risiko eingehen will, kann auch auf ein Cap-Darlehen zurückgreifen. Dabei handelt es sich um eine Form des variablen Darlehens, bei der es für die Zinsen eine Obergrenze gibt, den sogenannten Zinscap. Diesen kann man für einen bestimmten Zeitraum vereinbaren, zum Beispiel für fünf oder zehn Jahre. Außerdem wird bei einem Cap-Darlehen das Zinsniveau alle sechs Monate an die aktuellen Bauzinsen angepasst – nicht alle drei Monate.

So haben Kreditnehmer zwar auch hier den Vorteil, innerhalb von drei Monaten kündigen zu können, sind dem Markt aber nicht völlig ausgeliefert, sollten die Zinssätze irgendwann explodieren. Umgekehrt legen allerdings viele Banken bei Cap-Darlehen auch eine Untergrenze fest, unter die der Zins nicht sinkt, um das Risiko für das Finanzinstitut zu begrenzen. Gehen die Zinsen also in den Keller, verpasst der Darlehensnehmer die Chance davon zu profitieren. Umgekehrt schützt eine Obergrenze nicht vor hohen Zinsen: „Steigen die Zinsen, kann es sein, dass Sie die gesamte Laufzeit die Zinsen an der festgesetzten Obergrenze zahlen müssen“, warnt Ludwig. „Daher gilt ein Cap-Darlehen zwar schon als sicherer als ein variables Darlehen, ein Risiko bleibt dennoch.“

 


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