LeserfrageSoll ich einen alten Immobilienkredit gegen einen neuen tauschen?

Ein Mann und eine Frau sitzen am 26.06.2017 in einer Wohnung in Frankfurt am Main vor einem Stapel Unterlagen zusammen an einem Tisch und lesen einen Brief
Symbolbild Finanzierungdpa

In der momentanen Lage scheint es sinnvoll, über diese Frage nachzudenken. Schließlich sind die Immobilienzinsen kürzlich noch weiter gefallen, nachdem die Europäische Zentralbank die angepeilte Zinswende verschoben hat.

Tatsächlich ist es aber in vielen Fällen gar nicht möglich, den alten, teureren Kredit gegen einen Neuvertrag mit niedrigen Zinsen zu tauschen. Denn Banken sind nicht dazu verpflichtet, Verbraucher aus Krediten zu entlassen, solange die Verträge noch keine zehn Jahre laufen. Innerhalb dieses Zeitraums müssen die Banken das nur dann tun, wenn der Kunde seine Immobilie verkauft, etwa wegen einer Trennung.

Doch selbst wenn die Bank bereit ist, den Verbraucher aus dem Vertrag zu entlassen, müssen Kreditnehmer eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen, falls ihr Vertrag noch keine zehn Jahre läuft. Damit entschädigen sie die Bank für die Zinsen, die dem Geldhaus wegen der vorzeitigen Kündigung entgehen. „Dieser Betrag ist in der Regel in etwa so hoch wie die Zinseinnahmen, die das Institut während der Restlaufzeit des Kredits erhalten würde“, sagt Alexander Krolzik, Leiter Immobilienfinanzierung bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die neue Capital

Wer also beispielsweise in den nächsten Jahren noch 7500 Euro Zinsen an die Bank zu zahlen hätte, muss auch dann noch mit Kosten in dieser Höhe rechnen, wenn er frühzeitig aussteigt. „Deshalb lohnt es sich normalerweise nicht, binnen der ersten zehn Jahre umzuschulden“, sagt Krolzik. Zudem müssten sich Verbraucher bei einem Neukredit mehr Geld leihen, als sie eigentlich bräuchten, um die Immobilie abzubezahlen – schließlich benötigen sie zusätzliche Mittel für die Vorfälligkeitsentschädigung.

Verbraucher zahlen, wenn sie zu günstigeren Neukrediten wechseln, also niedrigere Zinssätze. Aber sie müssen von diesen Niedrigzinsen letztlich mehr abstottern als ursprünglich erhofft. Bei Krediten mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren ist die wichtigere Frage deshalb die der Anschlussfinanzierung, um die sich Kreditnehmer zum richtigen Zeitpunkt kümmern sollten. „Verbraucher sollten sich frühestens ab einem Jahr vor Vertragsende auf die Suche machen“, sagt Krolzik. Noch früher loszulegen ist in der Regel nicht sinnvoll, da die Geldhäuser sonst einen Aufschlag auf den üblichen Zinssatz verlangen können. Damit lassen sie sich die Zinssicherheit bezahlen, was für Verbraucher besonders ärgerlich ist, wenn die Zinsen weiter sinken.

Bedient ein Schuldner seinen Kredit bereits seit mehr als zehn Jahren, kann es sinnvoll sein, sich einen günstigeren Vertrag zu besorgen. Strafgebühren für entgangene Zinsen fallen dann nicht an, und Verbraucher können ihren Vertrag ohne Rücksprache mit der Bank mit einer Frist von sechs Monaten kündigen.


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