FerienimmobilienRendite mit Urlaub

Ferienhäuser am Meer
Ferienhäuser am Meer

Die dauerhaft niedrigen Zinsen und die Schwierigkeiten für Anleger, ihr Kapital gewinnbringend anzulegen, haben auch den Markt für Ferienimmobilien verändert. Immer mehr Menschen kaufen Ferienhäuser und -wohnungen nicht mehr als romantischen Rückzugsort, sondern als Kapitalanlage. Das geht aus einer im September veröffentlichten Studie des Ferienhausvermieters Fewo Direkt hervor. Darin gab rund ein Drittel der 3000 befragten Ferienhausbesitzer an, dass Mieteinnahmen und der daraus erwartete Gewinn das wichtigste Motiv beim Immobilienkauf gewesen seien. 52 Prozent sehen in der Immobilie am Urlaubsort gar einen wichtigen Baustein für die Altersvorsorge.

Der Sinneswandel lässt sich nicht zuletzt mit den Gewinnaussichten erklären, die Anbieter versprechen: Bis zu acht Prozent Rendite im Jahr sollen laut Fewo Direkt-Studie bei einer Ferienimmobilie im Schnitt drin sein. Liegt die Ferienimmobilie in Deutschland, sollen sogar bis zu neun Prozent Jahresrendite möglich sein. Allerdings handelt es sich bei diesen Werten um die sogenannte Bruttorendite. Sie spiegelt wider, wie viel Prozent des reinen Kaufpreises die Mieteinnahmen entsprechen. Nicht berücksichtigt sind die typischen Erwerbsnebenkosten sowie die Betriebskosten für beispielsweise Verwaltung und Vermarktung der Immobilie, für Versicherungen, Reinigung, Wartung und Instandhaltung. „Die Betriebskosten können bis zu vierzig Prozent der Umsätze ausmachen“, sagt Dierk Freitag, Bereichsleiter für den Freizeit- und Hotelmarkt des auf Immobilien spezialisierten Analysehauses Bulwiengesa. Er hält eine Nettorendite von vier bis acht Prozent im Jahr für realistisch.

Ob sich eine Ferienimmobilie rechnet, hängt von vielen Faktoren ab. Das zentrale Kriterium für Anleger bei der Wahl des Objekts sollte die Lage sein, sagt Freitag. Sie entscheidet nicht nur darüber, wie begehrt ein Haus oder eine Wohnung unter Urlaubern ist, sondern auch über das Wertsteigerungspotential. „Schlecht für die Vermietung sind generell Lagen weit vom Meer oder von den Bergen entfernt“, sagt Freitag. „Außerdem sollte man vor dem Kauf darauf achten, dass eine gute Infrastruktur im Ort vorhanden ist, es also beispielsweise Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie in der Nähe gibt sowie eine gute Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz.“ Auch wetterunabhängige Freizeitangebote seien wichtig, damit Urlauber sich wohlfühlen – und wiederkommen, idealerweise nicht nur in der Hauptsaison.

Ferienhaus am Meer hat es im Winter schwerer

Denn die Auslastung der Immobilie spielt eine entscheidende Rolle für das Kalkül. 17 Wochen im Jahr sollte sie laut dem deutschen Maklerverband IVD mindestens vermietet sein, um eine angemessene Rendite zu erwirtschaften. Bulwiengesa-Experte Freitag rechnet sogar mit einer Mindestauslastung von 23 Wochen. Vor einem Kauf sollten sich Interessenten daher informieren, wie attraktiv und lang die Nebensaison ist. Entscheiden sich Anleger etwa für eine Ferienwohnung in einem Skigebiet, sollten sie herausfinden, ob die Region im Sommer Wanderer oder Kletterer anlockt.

Das Ferienhäuschen am Meer hat es im Winter schwerer. Zwar besitzt fast jede Sommerregion auch in der kalten Jahreszeit ihren Charme. So wirbt etwa der dänische Ferienhausanbieter Dansk mit „erfrischenden Spaziergängigen durch dänische Winterlandschaften“ um die Gunst der Urlauber. Doch um Touristen auch im Winter ans Meer zu locken, müssen Vermieter ihnen entgegenkommen. Entweder preislich – Dansk schreibt dazu: „Im Winter fallen nicht nur die Temperaturen, sondern auch Wochenpreise für die Übernachtungen.“ Oder durch entsprechende Investitionen im Haus. Eine Sauna, ein Kamin oder ein Whirlpool können die Attraktivität beträchtlich erhöhen, gerade abseits der Hauptsaison. Im besten Fall, sagt Freitag, ist die Ferienimmobilie so ausgestattet, dass Urlauber sie gar nicht erst verlassen müssen.

Der einzige Ärger, der dann noch bleibt: Das Ferienhaus ist unter Umständen so häufig durch Urlaubsgäste blockiert, dass der Eigentümer nur selten in den Genuss kommt, selbst in seinem Domizil Urlaub zu machen. Aber darum geht es bei der Geldanlage ja auch nicht.