GastkommentarMieten - Fakten statt Fernsehen

Hand aufs Herz: Würden Sie sich im Fernsehen eine Sendung ansehen wollen, die das alltägliche Leben eines zufriedenen älteren Ehepaars in seiner Mietwohnung zeigt? Mieter und Hausverwaltung kennen sich seit Jahrzehnten, die Verwalterin gratuliert alljährlich zum Geburtstag, und zu Weihnachten wird sie von dem Ehepaar mit einer Flasche Rotwein beschenkt. Ich jedenfalls nicht. Genauso wenig, wie ich in einer Dokumentation einem Flugzeug dabei zusehen würde, wie es auf dem Weg von Amerika nach China stundenlang friedlich durch die Luft gleitet und nichts weiter passiert. Für das abendliche Unterhaltungsprogramm wäre das viel zu langweilig.

Die Medien funktionieren anders. Dort stürzen Flugzeuge ständig ab, man sieht weinende Angehörige, und ein Ermittler nimmt die Ursachenuntersuchung auf. Und deutsche Mieter werden im Fernsehen ständig übervorteilt, aus ihren Wohnungen geekelt, mit unverschämten Mieterhöhungen konfrontiert und die Verwaltung sperrt sich gegen jeden gesunden Menschenverstand. Meist schaltet sich dann ein Anwalt ein, der mit dem Sender kooperiert und mutig gegen die Miethaie eintritt.

Um interessant zu bleiben, brauchen Fernsehsendungen Dramatik. Berichtet wird über das, was schiefgeht. Für unser eigenes Leben wünschen wir uns selbstverständlich den ereignislosen Flug und die zufriedene Wohnsituation – aber durch die Medienberichte wächst gleichzeitig die Angst, wir könnten als nächste betroffen sein. So entsteht nicht nur Flugangst, obwohl das Flugzeug eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt ist, sondern auch das Klischee vom bösen Vermieter.

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Denn ein nüchterner Blick auf die Zahlen belegt, dass es um die Mietnation Deutschland äußerst gut steht: 81 Prozent aller deutschen Mieterinnen und Mieter sind zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation, unabhängig von der sozialen Zugehörigkeit. Zu diesem Ergebnis gelangte jüngst eine Studie, die wir zusammen mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt haben. Dabei äußerten sich die Mieter sowohl im Hinblick auf Lage und Größe ihrer Wohnung, und der Behebung von Mängeln als auch auf das Mieter-Vermieter-Verhältnis durchweg positiv. Ergebnisse, die bereits die Allensbach-Studie 2006 in dieser Form feststellte. Der deutsche Mietmarkt ist konstant.

Ein weiteres gängiges Klischee ist die zu hohe Belastung der Haushalte durch die steigenden Mieten. Tatsächlich empfindet mehr als die Hälfte der deutschen Mieter – darunter auch die Anwohner der Metropolregionen – ihre Warmmiete nicht als große Belastung. Und nur für sieben Prozent der Mieter handelt es sich um eine sehr große Bürde.

Ich kann allen Teilnehmern der öffentlichen Diskussionen deshalb nur ans Herz legen, den Blick auf die Realität und nicht auf das Fernsehen zu richten, wenn es um die Situation der deutschen Mieter geht. Seien es Eigentümer, Mieter, Immobilienunternehmen, Verbände – oder Politiker. Schließlich basieren die Entwürfe für einen neuen Flugzeugtyp auch nicht auf Ängsten, sondern auf wissenschaftlichen Fakten.


Thomas Meyer ist Vorstand der Wertgrund Immobilien AG