Wohnungen Erdgeschoss, Etagenwohnung oder Dachgeschoss: Das sind die Vor- und Nachteile

Das eindrucksvolle säulengetragene Treppenhaus der Rentenversicherungsanstalt Baden-Württemberg.
Das eindrucksvolle säulengetragene Treppenhaus der Rentenversicherungsanstalt Baden-Württemberg.
© Wilhelm Mierendorf / IMAGO
Im Erdgeschoss wird eingebrochen, im Dachgeschoss stören die Schrägen, in der Etagenwohnung die Nachbarn über einem. An welchen Vorbehalten etwas dran ist und wo die Vorteile der jeweiligen Wohnungsformen liegen

Nach langer und mühseliger Suche ist die perfekte Wohnung endlich gefunden: ideale Lage, toll geschnitten, fairer Preis, eigener Garten… wäre da bloß nicht ein Haken: Sie ist im Erdgeschoss. Vielen Wohnungssuchenden kommt das bekannt vor. Im Vorhinein haben sie schon eine genaue Vorstellung, welche Wohnungsform für sie einzig infrage kommt. Dahinter stecken oft schlechte Erfahrungen oder Vermutungen. Eine Übersicht der Vor- und Nachteile jeweiliger Etagen hilft, vor einem Umzug die richtige Entscheidung zu treffen.

Erdgeschoss: unsicher und dunkel…

Erdgeschosswohnungen müssen sich mit besonders vielen Vorurteilen herumplagen. Viele davon zurecht, zum Beispiel die befürchtete Einbruchgefahr. Laut einer Studie des Polizeipräsidiums Köln finden 45 Prozent der Einbrüche im Erdgeschoss statt und damit häufiger als auf jeder anderen Etage. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Im Erdgeschoss können sich Diebe auch über das Fenster oder den Balkon Zugang in die Wohnung verschaffen, das ist bei anderen Etagen schon deutlich schwieriger. Dieses Sicherheitsrisiko zieht ein paar weitere Nachteile nach sich: Erdgeschossbewohner müssen im Sommer die Fenster geschlossen halten, wenn sie das Haus verlassen und am besten auch nachts – egal wie warm es ist. Das macht eine Hausratversicherung noch wichtiger als ohnehin.

Wer an einer stark frequentierten Straße wohnt, hat bei Erdgeschosswohnungen mit weiteren Nachteilen zu rechnen. Zum einen sind Auto-, Baustellen- und Passantenlärm viel lauter zu hören. Zum anderen fühlen sich viele in ihrer Privatsphäre eingeschränkt, immerhin können Passanten in die Wohnung hineinlugen. Rollläden und Vorhänge verschaffen da Abhilfe, verschlimmern aber wiederum ein weiteres Problem: die Dunkelheit. In Erdgeschosswohnungen tritt nämlich in der Regel weniger Sonnenlicht als in die oberen Etagen, was nicht nur auf die Stimmung drücken, sondern auch die Raumtemperatur kälter machen kann.

Dabei ist die Kälte im Winter ohnehin ein Problem. Anders als bei den oberen Etagen haben Erdgeschoss-Bewohner niemanden unter sich, der heizt, sondern lediglich einen kalten Keller. Ist die Kellerdecke nicht ausreichend gedämmt, zieht die Kälte nach oben und treibt die Heizkosten für den Erdgeschossbewohner zusätzlich hoch.

…aber auch barrierefrei und im Sommer kühl

Doch Erdgeschosswohnungen haben auch eine Reihe von Vorteilen: In erster Linie die Treppen, die man nicht überwinden muss. Gerade für Menschen mit Gehbehinderung, Ältere und Menschen mit kleinen Kindern und Haustieren ist das im Alltag ein wahrhafter Segen. Selbst wenn es trotz Erdgeschosslage eine Handvoll Treppen zu überwinden gibt, ist es in der Regel leicht, den Zugang zur Wohnung etwa durch eine Rampe barrierefrei zu gestalten. Auch beim Schleppen der Umzugsmöbel oder des Wocheneinkaufs erleichtert diese Wohnungslage das Leben. In manchen Fällen haben Erdgeschosswohnungen außerdem einen Gartenzugang.

Dass der Weg ins Freie besonders kurz ist, kann im Notfall ebenso ein Vorteil sein: Wenn es brennt, sind Erdgeschossbewohner schneller aus dem Gebäude und können in den meisten Fällen auch sicher durch das Fenster entfliehen, falls der Weg über die Wohnungstür versperrt ist. Menschen, die es gerne kühl haben, wissen ihre Erdgeschosswohnung im Sommer im Übrigen auch sehr zu schätzen. Hier ist es oft ein paar Grad kühler als im Rest des Hauses.

Dachgeschosswohnung: Hitze und Schrägen…

Mindestens genauso viele Vorurteile gibt es gegenüber Dachgeschosswohnungen. Als größtes Manko empfinden viele die Dachschrägen. Diese schränken bei der Gestaltung der Inneneinrichtung ein, denn Möbel lassen sich nur an manche Wandseiten platzieren oder müssen sonderangefertigt werden.

Ein weiterer Nachteil einer Wohnung unterm Dach: Der Weg nach oben ist weiter als bei den anderen Wohnungen, was natürlich vor allem in Häusern ohne Aufzug ein Problem sein kann – allen voran für Menschen, denen das Gehen schwerfällt. Der lange Weg über die Treppen ist vor allem im Brandfall ein Nachteil. Wer ganz oben wohnt, sollte sich daher vorab genau den Notfallplan ansehen, um im Falle einer Evakuierung vorbereitet zu sein.

Auch als unangenehm empfinden viele die Hitze im Sommer. In manchen Dachgeschosswohnungen können die Innentemperaturen an heißen Sommertagen schnell die 30-Grad-Marke überschreiten, in manchen Wohnungen sogar über 40 Grad – ohne Klimaanlage für viele eine Tortur. Dachfensterrollos helfen zwar, trotzdem bleibt es oft sehr warm. Im Winter kann es in schlecht gedämmten Dachgeschosswohnungen wiederum sehr kalt werden, weil die Wärme ständig über das Dach nach oben entweicht. Das treibt die Heizkosten durch die Decke.

…dafür viel Licht

Dachgeschosswohnungen mit großen Fenstern sind besonders hell. Gleichzeitig bieten Dachfenster besonders viel Privatsphäre – immerhin kann von außen in der Regel niemand hineinschauen. Ist das Dach gut gedämmt, haben es Bewohner im Dachgeschoss auch im Winter schön warm. Da sie von der Wärme der Etage darunter mitprofitieren, müssen sie weniger heizen. Wer oben wohnt, ist außerdem dem wenigsten Lärm ausgesetzt.

Selbst die Dachschrägen haben Vorteile. Was viele nicht wissen: Sie haben bei einer Dachgeschosswohnung mehr Wohnfläche zur Verfügung als sie dem Miet- oder Kaufvertrag zufolge vielleicht vermuten. Laut Wohnflächenverordnung dürfen nämlich nur Flächen mit einer Raumhöhe von mehr als zwei Metern zu 100 Prozent als Wohnfläche angerechnet werden, Flächen mit einer Raumhöhe von einem bis zwei Metern zu 50 Prozent.

Etagenwohnungen

Etagenwohnungen mit Balkon bezeichnen die allermeisten Mieter und Wohnungseigentümer als Idealfall. Man profitiert von der Heizwärme des Nachbarn unterhalb, die Einbruchgefahr ist geringer als im Erdgeschoss, und mit Dachschrägen muss man sich ebenso wenig herumschlagen. Die Liste an möglichen Nachteilen ist für Etagenwohnungen ziemlich kurz: Getrampel von oben, laute Musik von unten und – je nach Etage – ein etwas längerer Fluchtweg.


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