AktienWinterschlussverkauf am Golf

Im vergangenen Sommer sah es ganz danach aus, als könnte 2014 das bislang beste Jahr für katarische Aktien werden. Mitte vergangenen Jahres erreichte der Aktienmarkt ein neues Allzeithoch. Doch dann fiel der Ölpreis – und die katarische Börse fiel mit. In den Nachbarländern sah es ähnlich aus. Die Golfstaaten gehören zu den größten Ölexporteuren der Welt, ihr Reichtum gründet zu einem großen Teil auf dem Verkauf des schwarzen Goldes. Als der Ölpreis abstürzte, sahen Anleger schlechte Zeiten auf die Golfstaaten zukommen und verkauften massenweise Aktien von Unternehmen am Golf.

Der Jahreswechsel hat an dem Überangebot auf dem Ölmarkt nichts geändert. Ein Fass der amerikanischen Sorte WTI kostet derzeit nur noch rund 45 US-Dollar. Seit dem vergangenen Sommer ist der Preis damit um fast 60 Prozent gefallen. Solange der Ölpreis weiter sinkt, dürfte es an den Börsen der Golfstaaten – trotz einer kurzzeitigen Erholung Anfang Januar – weiter bergab gehen.

keine großen wirtschaftlichen Probleme

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) etwa stammen, obwohl sich die Wirtschaft allmählich breiter aufstellt, noch immer zwei Drittel der Exporteinnahmen aus dem Erdöl- und Gasverkauf. „Sollten die Preise auf diesem niedrigen Niveau bleiben, könnte der Staatshaushalt in die Defizitzone rutschen“, warnt Christoph Witte, Deutschland-Direktor des belgischen Kreditversicherers Credimundi.

Für mutige Anleger bietet die aktuelle Lage Chancen. In einem Punkt sind sich Analysten nämlich weitgehend einig: Bis auf den niedrigen Ölpreis haben die Golfstaaten keine großen wirtschaftlichen Probleme. Das sah in der Finanzkrise 2008/2009 anders aus. Damals zeigte sich etwa, dass Dubai einen gigantischen Schuldenberg angehäuft hatte. Zeitweise stand das Emirat kurz vor dem Bankrott. Seitdem haben die Golfstaaten allerdings Schulden ab- und Finanzreserven aufgebaut.

MENA-Fonds für Privatanleger

Heute stehen die Golfstaaten wirtschaftlich so gut da, dass sie einen niedrigen Ölpreis mittelfristig aussitzen können, sind die Analysten von Franklin Templeton überzeugt. „Die angesammelten Überschüsse dürften die Folgen niedriger Ölpreise abfedern und den Regierungen helfen, ihre Bestrebungen zur Diversifizierung ihrer Wirtschaft weg vom Öl aufrechtzuerhalten“, heißt es in einem aktuellen Research-Bericht des Fondsanbieters. Die wichtigsten Länder der Region, nämlich Katar, Saudi-Arabien und die VAE, beurteilen die Franklin-Templeton-Experten weiterhin positiv.

Vor dem jüngsten Kursrutsch seien Aktien aus den Golfstaaten tendenziell zu teuer gewesen, urteilt der britische Fondsanbieter Barings. Jetzt seien die Titel wieder attraktiv. Risikofreudige Anleger können die vergleichsweise niedrigen Kurse also zum Einstieg nutzen. Privatanleger sollten am besten über Fonds investieren, denn Einzelaktien zu kaufen ist für sie am Golf nicht einfach. Sogenannte MENA-Fonds enthalten in der Regel einen hohen Anteil an Aktien aus den Golfstaaten. Das Akronym steht für „Middle East and North Africa”. Viele MENA-Fonds schafften in den vergangenen Jahren ein zweistelliges Plus.