RenteWie hoch wird meine Rente? Was digitale Vorsorgehelfer bringen

Reicht die eigene gesetzliche Rente auch im Alter? Bei vielen Arbeitnehmern herrscht in diesem Punkt Ungewissheit
Reicht die eigene gesetzliche Rente auch im Alter? Bei vielen Arbeitnehmern herrscht in diesem Punkt Ungewissheitimago images / photothek

Die Deutschen leben deutlich länger als sie glauben. Das hat jüngst wieder eine Forsa-Studie im Auftrag der Allianz ergeben. Die dafür Befragten, Menschen ab dem Jahrgang 1964, schätzten ihre eigene Lebenserwartung auf durchschnittlich 83,4 Jahre. Im Schnitt können sie aber tatsächlich davon ausgehen, dass sie gut vier Jahre länger leben werden. Wer bei guter Gesundheit ein hohes Alter erreicht, kann sich freuen. Mit Blick auf die eigenen Ersparnisse hält sich die Freude bei vielen jedoch in Grenzen, wenn sie sich ein langes Rentnerleben vorstellen. Denn sind die Ersparnisse aus Zeiten der Berufstätigkeit irgendwann aufgebraucht, müssen sie ihren Lebensstandard zuweilen senken.

Das trifft vor allem auf diejenigen zu, die sich auf die gesetzliche Rente verlassen, statt zusätzlich privat vorzusorgen. Doch um eine vernünftige Planung für ihre eigene Versorgung im Ruhestand anzuschieben, müssen Verbraucher erst einmal einige Variablen kennen. Für mehr Transparenz darüber, mit welchen Alterseinkünften Bürger rechnen können – und um sie so auch zu einer vorausschauenden Vorsorge zu motivieren –, hat die Bundesregierung schon vor Jahren die Einführung eines Online-Portals beschlossen. Die „digitale Rentenübersicht“ soll jedem Bürger einen Überblick zu seinen individuellen Ansprüchen aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Vorsorge gewähren. Nach einigen Verzögerungen ist das Portal aber noch immer Zukunftsmusik, frühestens in zwei Jahren ist mit der flächendeckenden Einführung zu rechnen.

Der Rentenrechner liefert groben Überblick

Sich die mögliche Rentenlücke händisch auszurechnen, ist mitunter kompliziert. Auf den ersten Blick mag die Regel simpel sein: Man addiere seine Einkünfte aus gesetzlicher, privater und gegebenenfalls betrieblicher Altersvorsorge und erstelle eine Übersicht, welche Fixkosten und weitere Ausgaben im Rentenalter anfallen werden. Die beiden Summen gegeneinander gerechnet ergeben eine Lücke oder einen Überschuss. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Denn für ein realistisches Ergebnis müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden, darunter zum Beispiel Steuern, Inflation und Zinsentwicklung. So hängt die Steuerlast beispielsweise von der Rentenart und dem Termin des Renteneintritts ab.

Abhilfe verschaffen möchten schon jetzt verschiedene Plattformen im Netz von Verbänden und privaten Anbietern. Eine grobe Übersicht liefern einfache Instrumente, wie beispielsweise der Rentenrechner, den der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft auf seinem Online-Verbraucherportal kostenlos zur Verfügung stellt. Der Rechner führt dabei Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, privaten Rentenversicherungen und der betrieblichen Altersvorsorge unter Einbeziehung weniger anderer Variablen zusammen.

Etwas weiter geht der Versicherungsriese Allianz mit seinem im vergangenen Jahr eingeführten „Rentenkompass“. Mit dem Online-Tool können Verbraucher sich säulenübergreifend ihre künftige Nettorente ausrechnen. Das Angebot steht auch denjenigen zur Verfügung, die keine Allianz-Kunden sind. Für sie ist das Einspeisen ihrer Vertragsdaten dann teils umständlicher, da die Angaben aus den Standmitteilungen anderer Versicherer erst mühsam abgetippt werden müssen. Die staatlichen Renteninformationen lassen sich indessen via Foto-Upload in das Portal einpflegen. Verbraucher laden hier alle relevanten Daten zu ihren Renten hoch, hinzu kommen gegebenenfalls Angaben zu Werten wie Kapitalanlagen oder Immobilien. Zudem können sie angeben, wie viel Geld sie im Alter benötigen, um eine eventuelle Lücke zu identifizieren. Mithilfe einer Steuersimulation und unter Einbeziehung von eher konventionellen Hochrechnungen spuckt das System am Ende eine Prognose zur Nettorente aus. Bei der anschließenden Beratung, mithilfe welcher Vorsorgeprodukte sich die Lücke schließen lässt, stehen natürlich hauseigene Angebote im Fokus. Neutral ist der kostenlose Digitalassistent also nicht.

„Vorsorge Cockpit“

Auch manches Start-up will vor allem den jüngeren Vorsorgemuffeln das Thema Rentenplanung zugänglicher machen. Darunter die Münchener Neugründung Finfio, deren Vorsorgeplanungs-Portal nun in die Testphase geht. Mithilfe des „Vorsorge Cockpits“ können sich Kunden laut Werbeversprechen künftig einen Überblick über ihre Vorsorgeaktivitäten verschaffen und deren Entwicklung in Echtzeit nachverfolgen. Hier liegt der Schwerpunkt aber weniger auf der Berechnung der erwarteten Rente, sondern stattdessen auf den aktuellen monatlichen Einnahmen und Ausgaben, die über eine Verknüpfung zu vorhandenen Konten ausgelesen werden. Je nach Persönlichkeit und Lebenssituation werden konkrete Vorschläge gemacht, wie monatliche Überschüsse fürs Alter angelegt werden können. Über die Kosten dieses Services ist aktuell noch nichts bekannt.

Der Bedarf, sich ein klareres Bild von der eigenen finanziellen Situation im Alter zu schaffen, ist da. Der Markt digitaler Angebote zur Planung der Altersvorsorge wird also weiter wachsen. Manche Variablen bleiben aber auch in Zukunft trotz smartester Tools unbekannt – so wie das Lebensalter. Die Vorstellung von „vier Lebensjahren mehr“ kann aber manchen womöglich zu mehr Vorsorge animieren.

 


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