AltersvorsorgeWie der Staat uns zu Aktien-Sparern machen könnte

Symbolbild Altersvorsorge
Symbolbild AltersvorsorgeGetty Images

Rentner sind insgesamt ein glückliches Völkchen, zumindest sagen sie das in Umfragen selbst. Auch hierzulande. Ansonsten leben die zufriedensten Menschen Europas etwas weiter oben im Norden, in den skandinavischen Ländern, so wissen wir aus vielen Studien. Wie froh müssten also erst skandinavische Rentner sein? Auch wenn das vielleicht noch niemand im Detail abgefragt hat, so ist doch klar: Dänische und schwedische Rentner können sich zumindest besonders glücklich schätzen, denn sie erzielen gute Erträge aus ihrer Altersvorsorge. Ebenso wie die Niederländer übrigens. Warum? Weil sie mit Aktien fürs Alter gespart haben, weit mehr als es die 83 Millionen Deutschen tun.

Das liegt nicht daran, dass die Einwohner dieser Staaten alle so immens risikofreudig wären. Es hat also keine höhere Macht die aktienbegeisterten Menschen der Welt ausgerechnet in die Nordländer gewürfelt. Sondern die Staaten dort haben sich lediglich frühzeitig zu einem System bekannt, das ihnen bisher Recht gegeben hat – und das auch künftigen Generationen guten Erfolg verspricht: Sie sparen mit Aktien fürs Alter und zwar über ihre staatlichen Rentensysteme sowie auch über betriebliche Versorgungskassen. Das machen übrigens auch viele andere Länder, die USA zum Beispiel und Kanada, Australien ebenso. Nur Deutschland macht es bisher nicht.

Die spannendste Zahl gleich vorweg, die zur Rendite, die das bringt: Die Schweden mehren die Vermögen in ihren Rentenkassen auf diesem Wege um rund 9 Prozent jährlich. Dänemark und Holland bringen es etwas vorsichtiger auf immerhin fünf Prozent. Spitzenreiter Kanada schafft mit 10 Prozent sogar eine beachtliche zweistellige Wertentwicklung – Jahr für Jahr. Genau dadurch können diese Länder die Auszahlungen an ihre Ruheständler auch hochhalten – selbst wenn der demographische Wandel kommt. Man darf sich die skandinavischen Rentner also tatsächlich als glückliche Menschen vorstellen.

Ein Teil der Rente in Aktienfonds

Nun aber die entscheidende Frage: Warum macht Deutschland das nicht auch? Es könnte die Erträge seines Rentensystems dadurch immerhin erheblich erhöhen. Die nämlich liegen hierzulande laut Ertragsangaben der Bundesregierung zwischen zwei und drei Prozent, sagt eine aktuelle Studie des Deutschen Aktieninstituts DAI. Denn bisher würden in der Bundesrepublik die Rentengelder zu 75 Prozent aus der Umlage- und Steuerfinanzierung aufgebracht und nur zu 25 Prozent aus Ansparverfahren, schlüsselt das DAI auf. So niedrig sei die Ansparquote in kaum einem anderen Land: OECD-weit liegt der Ansparanteil bei 30 Prozent, in der Schweiz sind es 40 Prozent, Amerika kommt auf knapp 50 Prozent, Holland sogar auf 70 und Dänemark auf satte 80 Prozent. und gerade durch diese höhere Konzentration auf den Kapitalmarkt und dessen Sparerträge könnten diese Länder die Gelder für ihre Ruheständler und Pensionäre viel gewinnbringender anlegen.

Deswegen fordert das Aktieninstitut: Auch Deutschland sollte endlich mehr Aktien fürs Altersparen nutzen und endlich ein System aufsetzen, dass die Erträge des Kapitalmarkts nutzt. Dabei könnte jeder Beschäftigte zum Beispiel einen Teil seines Einkommens automatisch in Anspartöpfe einzahlen, die breit in Aktien investieren – sofern der Beschäftigte nicht ausdrücklich widerspricht. Er muss also nicht zwingend teilnehmen, wenn er nicht will. Und um Einzelpapiere geht es dabei natürlich auch nicht, sondern darum, dass das Geld in Aktienfonds fließt, wo es sich vermehrt. Oder der Staat übernimmt die Sache und legt einen Teil der Gelder aus der Rentenkasse am Kapitalmarkt an.

Hierzulande stöhnen besonders viele Beteiligte aus der Finanzbranche gern laut auf, wenn sie solche Vorschläge hören: Wer denn das managen solle? Ob die Bundesbank nun auch noch zum Aktiendealer werden wolle? Oder ob die Bundesrepublik nun bald Fonds auflege – und damit den Markt vollends verzerren wolle? Doch diese Argumente sind Quatsch. Denn andere Länder machen längst vor, wie es sinnvoll geregelt werden kann – und dass dabei jedes Land seine eigene Ausgestaltungsmöglichkeiten findet.

In Kanada etwa kümmert sich der Staat um die Anlage der Gelder: Dort gibt es eine steuerfinanzierte Grundrente, aber darüber hinaus legt der Staat Überschüsse aus dem Rentensystem in Wertpapieren an. Das lieferte in den vergangenen Jahren die 10-Prozent-Rendite. Und es hielt die Rentenzahlungen hoch, was ohne eine Anhebung der Beiträge nicht gelungen wäre, sagen Experten.