Aktienmarkt Was die US-Halbzeitwahlen für Anleger bedeuten

US-Präsident Donald Trump ist wieder im Wahlkampfmodus
US-Präsident Donald Trump ist wieder im Wahlkampfmodus
© dpa
In der kommenden Woche finden in den USA die sogenannten Midterm Elections statt. Zwei von drei möglichen Wahlausgängen würden die Kurse von US-Aktien stützen – einer nicht

Wenige Tage vor den Halbzeitwahlen präsentieren sich die Vereinigten Staaten uneins wie nie. Sachliche Debatten scheinen kaum noch möglich in einem Land, in dem ein Fan des Präsidenten Briefbomben an prominente Mitglieder und Unterstützer der Demokratischen Partei verschickt und Donald Trump, statt versöhnliche Worte für seine politischen Gegner zu finden, doch nur wieder die Medien an den Pranger stellt. Auch die kontroverse Ernennung von Brett Kavanaugh zum Richter am Obersten Gerichtshof und Trumps Umgang mit Migranten aus Lateinamerika haben dafür gesorgt, dass sich das politische Klima in den USA weiter aufheizt. Bei den sogenannten Midterm Elections am 6. November wird sich zeigen, ob die jüngsten Aufreger den Republikanern geschadet oder genützt haben.

Bei den Wahlen zur Halbzeit der laufenden Präsidentschaft werden der gesamte Kongress, ein Drittel des Senats sowie die Gouverneure in einem Großteil der 50 US-Bundesstaaten neu gewählt. Sollten die Demokraten eine Mehrheit in einem der beiden Bundesgremien erringen, könnten sie politische Vorhaben der Republikaner blockieren. So machten es die Republikaner während eines großen Teils der Präsidentschaft von Barack Obama.

Gute Chancen für Demokraten im Repräsentantenhaus

Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus bekommen, während der Senat unter republikanischer Kontrolle bleibt. Die Website „Fivethirtyeight“ , betrieben von ABC News, sieht die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg der Demokraten im Kongress derzeit bei 85,8 Prozent. Die Chance, dass die Demokraten für den Rest von Trumps Amtszeit den Senat kontrollieren, liege dagegen nur bei 17,2 Prozent. „Weil die meisten Anleger mit diesem Ergebnis rechnen, hätte es die geringsten Auswirkungen auf die Märkte“, sagt Matt Miller, politischer Volkswirt der Investmentgesellschaft Capital Group.

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Das Wahlergebnis könnte aber auch ganz anders ausfallen und so für weitere Unruhe an den ohnehin schon nervösen Finanzmärkten sorgen. Sollten die Demokraten etwa überraschend sowohl im Kongress als auch im Senat die Mehrheit bekommen, könnte das als Zeichen für einen Regierungswechsel nach den Wahlen im Jahr 2020 gedeutet werden. „Bei diesem Ergebnis würden die Märkte beginnen, politische Vorschläge von links ernster zu nehmen“, prophezeit Miller. Weil ein Durchmarsch der Demokraten ein Gros der Anleger überraschen würde und Anleger keine Überraschungen mögen, könnten die Aktienkurse an der Wall Street weiter fallen.

Erholungsrally nach der Wahl?

Im dritten Szenario verteidigen die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kammern. Der Capital-Group-Volkswirt rechnet in diesem Fall mit steigenden Aktienkurse in den USA. „Man könnte meinen, dass eine Verlängerung des Status quo keine besonders scharfe Reaktion bei Aktien und Anleihen hervorrufen würde. Das entscheidende Kriterium an den Märkten ist allerdings die politische Unsicherheit“, sagt er. Ein Wahlergebnis, das den Ist-Zustand bis auf weiteres zementiert, wäre für viele Investoren daher eine positive Nachricht und würde für gute Laune an den Börsen sorgen.

Egal, wie das Ergebnis ausfällt: Anleger sollten daraus keine voreiligen Schlüsse für ihr Portfolio ziehen, raten Anlageexperten. Eine Investorenweisheit besagt: Politische Börsen haben kurze Beine. Tatsächlich hielt sich der Einfluss der Midterm Elections auf die Finanzmärkte in früheren Jahren in engen zeitlichen Grenzen. Ein typisches Muster sieht so aus, dass die Kurse von US-Aktien kurz vor den Halbzeitwahlen stärker schwanken als sonst, auch wenn der übergeordnete Trend nach oben zeigt. Nach den Wahlen gibt es dafür oft eine Erholungsrally – und zwar unabhängig vom Ergebnis.


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