FondsWarum Short-ETFs ein riskantes Investment sind

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Symbolbild GeldanlageGetty Images

Der Kurssturz an den Aktienmärkten Anfang August dürfte manchem Anleger die Augen geöffnet haben: Die Stimmung kann jederzeit kippen. Im aktuellen Fall war die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) der Auslöser: Ihr Chef Jerome Powell hatte den Leitzins nicht so stark gesenkt wie erwartet. Aber auch unabhängig von den Entscheidungen der Zentralbanken sind die Märkte in Bewegung – vor allem wegen des Handelskriegs zwischen China und den USA. Eine weitere Eskalation könnte die Aktienkurse langfristig weiter nach unten drücken, die Rezessionswarnungen häufen sich bereits. In einem solchen Umfeld haben viele Anleger die Hoffnung auf Rendite aufgegeben. Doch was, wenn man dem Markt ein Schnippchen schlagen könnte – und gewinnt, wenn er fällt?

Dieses Versprechen machen sogenannte Short-ETFs. Sie bilden die Entwicklung eines Index umgekehrt ab. Wenn etwa der Dax um fünf Prozent fällt, steigt der Wert des entsprechenden Short-ETF um einen ähnlichen Prozentsatz. Wer damit rechnet, dass auf einem bestimmten Markt demnächst die Kurse fallen, kann mit Short-ETFs davon profitieren. „Die Produkte zielen darauf ab, die Kursentwicklung für Anleger umzudrehen“, erklärt Chris-Oliver Schickentanz, Anlagestratege bei der Commerzbank. „Damit eröffnet sich Privatanlegern eine Anlagemöglichkeit, die früher nur institutionellen Investoren vorbehalten war.“

Kurse von Short-ETFs werden auf Tagesbasis berechnet

Je nach Marktlage lohnt es sich, entweder „short“ oder „long“ zu gehen: Bei der Erwartung steigender Kurse ist die Long-Position sinnvoll. Ist ein fallender Kurs absehbar, lohnt sich ein Short-Investment. Allerdings müssen Anleger dafür den richtigen Einstiegszeitpunkt abschätzen können. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich an den Märkten ein langfristiger Abschwung abzeichnet. „Derzeit ist die Volatilität an den Märkten durch die sich ständig wandelnde Nachrichtenlage sehr hoch“, sagt Commerzbank-Stratege Schickentanz. „Die Beimischung eines Short-ETFs kann die Wertschwankungen im Depot reduzieren, da er bei stärkeren Kurseinbrüchen die Performance abfedert.“ Als sich im April der Konflikt zwischen China und den USA zuspitzte, hatte auch die Commerzbank vorübergehend stärker auf die Short-Produkte gesetzt.

Allerdings: Ein Short-ETF ist meist kein perfekter Spiegel des zugehörigen Index. Denn sein Kurs wird auf Tagesbasis berechnet. Ein Beispiel: Der Dax steigt am ersten Tag um zehn Prozent von 10.000 auf 11.000 Punkte. Der zugehörige Short-ETF sinkt dementsprechend um zehn Prozent. Am nächsten Tag fällt der Dax wieder auf 10.000 Punkte – damit fällt er nur um knapp 9,1 Prozent. Der Short-ETF steigt um den gleichen Prozentsatz und erreicht damit aber nur 9819 Punkte. Der Besitzer eines herkömmlichen ETFs hätte damit keinen Verlust gemacht, der eines Short-ETFs hingegen schon.

„Short-ETFs werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen, die Angebotspalette wird sich stetig erweitern“

Chris-Oliver Schickentanz

Diese sogenannte Pfadabhängigkeit hat auch schon die Unternehmensberatung Independent Derivates Consulting in einer Studie beschrieben. Die Folge sei, dass Short-ETFs „für passive Absicherungsstrategien weniger geeignet sind, da sie keine vorhersagbare und verlässliche Absicherung leisten können.“ Noch mehr Risiko bergen gehebelte Short-ETFs, die sich noch stärker in die entgegengesetzte Richtung des Vergleichsindex entwickeln als gewöhnliche Short-ETFs.

Grundsätzlich seien Short-ETFs deshalb nicht als langfristige Vermögensanlage geeignet, findet Anlageexperte Schickentanz. Auch sollten Anleger eine gewisse Marktkenntnis haben, bevor sie in diese Produkte investieren. Trotz der Risiken könnte es sich für sie aber lohnen, sich mit dem Thema auseinandersetzen: „Short-ETFs werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen, die Angebotspalette wird sich stetig erweitern.“ Denn die derzeitigen Marktrisiken, bedingt durch Handelskonflikte, politische Unsicherheiten und eine schwächelnde Konjunktur, werden so schnell nicht verschwinden.