GeldanlageWarum es bei Fonds auf die Größe ankommt

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Symbolbild Fondsanleger Getty Images

Wer neu in den Nebenwertefonds GS Global Small Cap Core Equity Portfolio von Goldman Sachs Asset Management (GSAM) investieren will, wird in der kommenden Zeit kein Glück haben. Die Investmentgesellschaft verhängte Mitte November ein sogenanntes Soft Closing. Das heißt: Der Fonds ist für Neueinsteiger vorübergehend geschlossen. Bestandskunden können weiterhin Anteile erwerben – anders als bei einem Hard Closing, bei dem die Anteilsausgabe komplett ausgesetzt wird. Mit rund 690 Mio. Euro verwaltetem Vermögen war der GSAM-Fonds offenbar so groß geworden, dass die Manager ihre Anlagestrategie in Gefahr sahen.

Soft Closings sind in der Fondswelt keine Seltenheit. Zu den jüngsten Beispielen zählt die französische Fondsboutique Carmignac Gestion, die Ende November einen Long-Short-Fonds für europäische Aktien geschlossen hat. Die Investmentboutique Loys lässt seit Ende September keine Neuanleger mehr in ihren Mischfonds Loys Global MH. Umgekehrt ist seit Anfang November der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, ein milliardenschwerer Klassiker unter den Nebenwertefonds, nach rund zweieinhalb Jahren wieder geöffnet.

In der Regel werden Fonds für Neuinvestoren geschlossen, sobald sie nach Ansicht der Fondsmanager so groß werden, dass die Anlagestrategie zu verwässern droht. „Solche Fonds bringen dann bestenfalls eine durchschnittliche Leistung“, erklärt Ali Masarwah vom Fondsratinghaus Morningstar. Grund für die durchwachsene Wertentwicklung ist etwa, dass der Fondsmanager aus Not in wenig überzeugende Titel investiert – also mehr Geld als gute Investment-Ideen hat.

Kräftige Zuflüsse sind ein Alarmsignal

Soft Closings sind für Bestandsanleger eine gute Sache. Das Problem: Im Nachhinein lässt sich leicht sagen, ab wann ein Fonds so schwer war, dass er vor Kraft nicht mehr laufen konnte. Im Vorfeld ist das aber deutlich schwieriger zu beurteilen. Und Fondsanbieter handeln nicht immer rechtzeitig: Sie lassen die Verkaufsschlager unter ihren Produkten mitunter länger geöffnet, als ihnen guttut. Schließlich wachsen mit dem Fondsvolumen auch die Vergütungen.

Die Morningstar-Analysten haben einige Ratschläge, wie Anleger erkennen, ob ein Fonds gefährlich angeschwollen ist. Die auf den ersten Blick wichtigste Große, die Mittelzuflüsse, spielen dabei für sich genommen gar keine so große Rolle. Wichtiger sei die Geschwindigkeit der Zuflüsse, sagen die Experten. Eine hohe Wachstumsrate, also kräftige Zuflüsse binnen kurzer Zeit, können bei einigen Fonds Probleme verursachen. Manager in vergleichsweise kleinen Marktsegmenten bekommen dann Probleme, das frische Geld sinnvoll auszugeben, und bunkern hohe Liquiditätsreserven oder schauen sich notgedrungen in Bereichen des Marktes um, in denen sie laut Fondsbeschreibung eigentlich nichts zu suchen haben. Nebenwertefonds sind klassische Kandidaten für eine solche Entwicklung. Auch in den wenig liquiden Bereichen des Anleihemarktes können Fondsmanager durch rasche, hohe Zuflüsse Schwierigkeiten bekommen.

Abweichung vom Vergleichsindex

Auch die Zahl der Werte in einem Fonds gibt einen Hinweis darauf, ob die Anlagestrategie noch funktioniert. Steigt die Zahl der Aktien oder Anleihen plötzlich rasant, deutet das darauf hin, dass der Fondsmanager nicht aus Überzeugung investiert, sondern versucht, Liquidität abzubauen. Es sei unwahrscheinlich, dass ein Manager bei steigendem Fondsvermögen urplötzlich einen bis dato nicht gehobenen Wertpapier-Schatz entdecke, sagen die Morningstar-Analysten.

Drittes Warnsignal kann der sogenannte Active Share sein. Diese Kennzahl gibt an, wie stark ein Fonds von seinem Vergleichsindex abweicht. Veränderungen können ein Zeichen dafür sein, dass das Fondsmanagement beim Investmentprozess nachjustiert hat – dass etwa ein Nebenwerte-Spezialist plötzlich auf Blue Chips setzt. Ein Anstieg des Active Share kann allerdings auch schlicht darauf hindeuten, dass sich ein Fondsmanager etwas stärker von seinem Index emanzipieren will, etwa, um der wachsenden Konkurrenz durch passive Indexfonds etwas entgegenzusetzen.