Aktien Warum die Raumfahrt für Anleger schwieriges Terrain ist

Am Dienstag startete ein vierköpfige Crew vom Kennedy Space Center in Florida mit einer SpaceX-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS
Am Dienstag startete ein vierköpfige Crew vom Kennedy Space Center in Florida mit einer SpaceX-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS
© IMAGO / UPI Photo
Mit fortschreitenden technologischen Möglichkeiten rückt der Weltraum als kommerzieller Geschäftsbereich immer stärker in den Mittelpunkt. Für Anleger gestalten sich Investitionen derzeit aber noch schwierig.

Am Montag kehrte die erste private Raumfahrt-Mission von ihrer Reise zur Raumstation ISS sicher auf die Erde zurück. Die vier Hobby-Astronauten sollen rund 50 Mio. Euro pro Kopf für das heiß begehrte Ticket ins All bezahlt haben. Organisiert wurde der Ausflug von Elon Musks Unternehmen Space X. Nach den All-Reisen der Milliardäre Jeff Bezos und Richard Branson ist das ein weiterer Schritt in der kommerziellen Nutzung des Weltalls. Der Weltraumtourismus dient der Branche vor allem als mediale Strahlkraft. Dahinter verbirgt sich eine ganze Industrie, die in den nächsten Jahren prosperieren könnte.

Früher standen die Entdeckung und Erforschung des Weltraums im Vordergrund. Heute eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten der kommerziellen Nutzung des Alls. So prognostiziert die Schweizer Großbank UBS, dass der Weltraummarkt von heute rund 390 Mrd. Dollar auf mehr als 900 Mrd. Dollar bis zum Jahr 2030 anwächst. Wachstumstreiber sind Technologien, die Anbieter im Bereich Kommunikation, Navigation oder Erdbeobachtung nutzen. Dennoch sagt Portfoliomanager Jürgen Brückner von der FV Frankfurt Vermögen: „Obwohl der Weltraum ein großer Zukunftsmarkt ist, gestaltet sich das Investieren für Anleger derzeit schwierig.“

Zum einen sind Platzhirsche wie Elon Musks Space X oder Jeff Bezos’ Blue Origin zurzeit nicht börsennotiert. Zum anderen erwirtschaften viele Raumfahrtunternehmen immer noch Verluste, denn Forschung und Entwicklung für Weltraum-Fluggeräte sind äußerst kapitalintensiv. Daher finden sich unter den großen Akteuren der Raumfahrtindustrie viele Unternehmen, die in erster Linie im Bereich Rüstung oder kommerzieller Luftfahrt tätig sind. In den USA sind das zum Beispiel der Luftfahrtkonzern Boeing und die Rüstungskonzerne Lockheed Martin oder Northrop Grumman. „Unter ESG-Gesichtspunkten sind solche Unternehmen aber eher kritisch zu betrachten“, sagt Experte Brückner.

OHB schreibt kontinuierlich schwarze Zahlen

Einen Mittelweg für Weltraum-Anleger bietet das US-Unternehmen Maxar Technologies, dass Satelliten für die Erdbeobachtung herstellt und betreibt. Das Unternehmen mit Sitz in Westminster beliefert unteranderem Unternehmen wie Google Maps mit hochauflösenden Satellitenbildern. Größter Kunde ist die US-Regierung. Bekanntheit erlangte das Unternehmen kürzlich durch die Veröffentlichung von Satellitenbildern, die den Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine zeigten. Zwar büßte der Titel an der Börse in den vergangenen zwölf Monaten fünf Prozent ein. Auf Drei-Jahres-Sicht stehen allerdings imposante 623 Prozent Plus.

Für Anleger, die ihr Gewissen nicht mit Rüstungsunternehmen belasten möchten, bietet der deutsche Satellitenhersteller OHB eine gute Raumfahrtalternative. Die Bremer sind einer der größten Auftragnehmer der europäischen Weltraumorganisation ESA und schreiben kontinuierlich schwarze Zahlen. Dennoch bewegt sich der Aktienkurs in den vergangenen Jahren seitwärts, da die hohen Investitionskosten der Maschinenbauer größere Gewinne für Aktionäre auffressen. Im vergangenen Jahr fielen die OHB-Anteile sogar um rund sechs Prozent. Mittelfristig profitieren Unternehmen wie OHB allerdings davon, dass es aufgrund des technologischen Fortschritts und fortschreitenden Kommerzialisierung immer günstiger wird, Satelliten in die Umlaufbahn zu schießen.

Im noch jungen Raumfahrmarkt stehen viele vielversprechende Start-ups schon in den Startlöchern, sind aber derzeit nicht an der Börse gelistet. „Anleger, die dem Weltraummarkt großes Potential beimessen, verfolgen am besten innovative Start-ups und hoffen auf einen zukünftigen Börsengang“, rät Jürgen Brückner. Interessant sind hierbei zum Beispiel das US-Unternehmen Relativity, das Raketenteile kostengünstig aus 3D-Druckern fertigt, oder das niederländische Unternehmen Sparkwing, das Solarzellen für Satelliten entwickelt. Und wer sich Gedanken über die ökologischen Auswirkungen kommerzieller Weltraumnutzung macht, verfolgt das Unternehmen Clearspace. Die Schweizer widmen sich nämlich der Beseitigung von Weltraumschrott.


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