KolumneWarum die Politik den Finanzplatz Frankfurt stärken muss

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Die alte Kaiserkrönungsstadt Frankfurt am Main hatte in der letzten Woche eine seltene Besucherin zu Gast: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit den Augen der Politik betrachtet gibt es gute Gründe, warum die Finanzbranche seit Jahren gemieden wird.

Die amerikanische Subprime-Krise nach den Jahren 2007 hatte offenbart, wie sehr vor allem europäische Banken am US-Markt mitzockten. Besonders in Deutschland hatte die Subprime-Krise unvorstellbare Folgen, denn nicht nur brach die deutsche Konjunktur besonders scharf ein, obwohl es in Deutschland überhaupt gar keine Immobilienpreisblase wie in Nordamerika oder auch Irland oder Spanien gab.

Dass aber vor allem staatliche Landesbanken aus Deutschland in den Orkus der amerikanischen Krise gerissen wurden, zeigte allzu deutlich, welch wildes Schwungrad in Deutschland bedient wurde. Der schmähliche Untergang von West LB, Sachsen LB, HSH Nordbank, IKB etc. hat die politische Elite gelehrt, größeren Abstand zur Bankenbranche zu wahren.

Finanzbranche ist wichtig für eine funktionierende Wirtschaft

Bis heute gibt es in der deutschen Politik niemanden, der die Bedeutung der Finanzbranche für eine gut funktionierende Wirtschaft erkannt hätte. Und von Amerika will man seit der Finanzkrise diesbezüglich nichts mehr lernen – von Präsident Donald Trump schon gar nicht.

Zu allem Überfluss muss man feststellen, dass die Struktur der deutschen Finanzwirtschaft ordnungspolitisch in einem beklagenswerten Zustand ist. Mit seiner überdimensionierten Kreditanstalt für Wiederaufbau und dem riesigen Sparkassenapparat nebst seiner Fondsgesellschaft Deka und den weiter bestehenden Landesbanken ist der Staat der größte Marktteilnehmer am deutschen Finanzmarkt.

Ohne Startkapital gibt es keine Unternehmensgründung

Der Hauptgrund, warum Unternehmen wie Amazon oder Tesla in Deutschland weitgehend undenkbar sind, liegt am schwach entwickelten Aktienmarkt heirzulande. Ohne eine vielfältige Eigenkapitalstruktur mit Venture Capital-, Vulture-, Hedge- und Publikumsfonds sind eigenkapitalkräftige Unternehmen schwer aufzubauen.

Häufig wird beklagt, dass deutsche Unternehmensgründer sich an angelsächsische Investoren wenden müssen, um das notwendige Risikokapital für ihre Unternehmensidee zusammenzubringen.

Brexit – Jahrhundertchance für den Finanzmarkt Frankfurt

Der Lauf der Weltgeschichte will es nun aber, dass der Bundesrepublik Deutschland durch den törichten Brexit Großbritanniens eine Jahrhundertchance für den heimischen Finanzmarkt zuwächst. Es steht völlig außer Zweifel, dass London das mit großem Abstand dominante Finanzzentrum Europas ist. Weil aber die Briten den Zugang zu Europa aus freien Stücken aufgeben, hat Deutschland die einmalige Chance, aus der zweiten Liga internationaler Finanzplätze an die Spitze Europas zu stürmen.

Dazu bedarf es jedoch einer klugen Unterstützung durch die Politik. Worte sind dabei nicht ausreichend. Vielmehr muss die Bundesregierung durch Deregulierung und deutliche Steuersenkungen ein Umfeld bereiten, um der Welt zu signalisieren, dass nach Jahrzehnten des selbst auferlegten Schattendaseins Deutschland jetzt willens ist, eine echte Größte auf dem internationalen Finanzparkett zu werden. Das wichtigste Element eines solchen Vorgehens besteht in der Abschaffung der Privilegien für Zinsanlagen. Eigenkapitalanlagen – sprich Aktien – müssen in das Zentrum der Überlegungen gestellt werden. Der verderbliche Sonderweg in der Rentenpolitik ohne kapitalgedeckte Rücklagen muss schleunigst verlassen werden. Unnütze Bürokratie wie zum Beispiel der MifiD-Krempel kann nahezu ersatzlos gestrichen werden. Im Übrigen sollte Finanzminister Olaf Scholz sein fortgesetztes Geschwätz von einer zusätzlichen Börsentransaktionssteuer schleunigst beenden.

Wenn Angela Merkel jetzt Frankfurt einen Besuch abstattet, dann liegt es möglicherweise daran, dass ihre Berater ihr mitgeteilt haben, Paris sei unter dem dynamischen jungen Präsidenten Emmanuel Macron bereits seit Monaten nicht ohne Erfolg dabei, Frankreich zum Hauptprofiteuer des Brexit zu machen. Immerhin ist ja die europäische Bankenaufsicht schon von London nach Paris verlegt worden. Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Ganz gewiss aber bedarf es einer 180 Grad Wendung der deutschen Finanzmarktpolitik, um Deutschland an die erste Liga der internationalen Finanzplätze heranzuführen.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns


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