BörseWarum deutsche Aktien unter Druck bleiben

Kurstafel an der Frankfurter Börse
Kurstafel an der Frankfurter BörseGetty Images

Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal 2018 nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Weil die Exporte schwächelten, stagnierte das Wirtschaftswachstum. Wäre es geschrumpft, wäre dies das zweite Quartal in Folge gewesen. Ökonomen sprechen bei zwei Minus-Quartalen hintereinander von einer technischen Rezession. Mittlerweile läuft es offenbar wieder besser. Mehrere Barometer deuten darauf hin, dass sich die deutsche Wirtschaft erholt.

Der Frühindikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat Mitte März zugelegt und nähert sich allmählich wieder der Wachstumszone. Er wird jeden Monat neu berechnet und gibt die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren wieder. Der neuerliche Anstieg sei auch ein gutes Zeichen für den Dax, sagt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. „Der ist in den vergangenen 20 Jahren stets dem ZEW-Index gefolgt.“ Seit Anfang Januar ist der deutsche Leitindex um rund zehn Prozent gestiegen. Der ZEW-Indikator stützt diesen Aufwärtstrend, ist Lang überzeugt.

Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex bot zuletzt Anlass für neuen Optimismus. Er stieg im März um 0,9 Punkte – zur Überraschung vieler Volkswirte, die in diesem leichten Plus bereits eine Trendwende zu erkennen glauben. In den sechs vorangegangenen Monaten war der Ifo-Index Monat für Monat gefallen. Unternehmen blickten wieder optimistischer in die Zukunft, kommentiert Ifo-Chef Clemens Fuest die jüngsten Ergebnisse. „Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen.“ Zwar ging es im verarbeitenden Gewerbe weiter abwärts. „Die Industriefirmen bewerten ihre aktuelle Lage weniger gut, auch der Ausblick hat sich verschlechtert“, sagt Fuest. Sowohl im Dienstleistungssektor als auch im Handel und im Bauhauptgewerbe verbesserte sich die Stimmung im März dagegen.

Sorgen bereitet vor allem die Industrieproduktion

Können deutsche Anleger also aufatmen? Nicht unbedingt: Auf den zweiten Blick ist die Lage nämlich doch nicht so hoffnungsvoll, wie die Zahlen glauben lassen. So sind viele Probleme, die die deutsche Wirtschaft zuletzt belastet haben, nach wie vor ungelöst. Sowohl das Brexit-Chaos als auch der Handelskrieg zwischen China und den USA haben das Potenzial, die Geschäfte deutscher Unternehmen weiterhin zu belasten.

Trotz des Aufwärtstrends seit Jahresbeginn hat der Dax seinen Verlust aus dem vergangenen Jahr längst nicht wiedergutgemacht. Sorgen bereitet vor allem die Industrieproduktion – jener Bereich, der laut Ifo-Institut auch im März weiter geschwächelt hat. Der Einkaufsmanagerindex (EMI) für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland fiel im März auf den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Er liegt nun bei 44,5 Punkten und damit deutlich unterhalb der Marke, ab der man mit einem Rückgang der Produktion rechnet.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RTDer Rückgang des deutschen EMI und seiner europäischen Pendants deutet darauf hin, dass sich die globale Konjunktur in den kommenden Monaten schlechter entwickeln könnte als erwartet, warnt Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Das würde auch die Börsen belasten. „Die Aktienmärkte sind mittlerweile auf kurze Sicht deutlich anfälliger für Enttäuschungen“, sagt Greil. Insbesondere die exportorientierte deutsche Wirtschaft dürfte leiden, wenn sich die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung nicht erfüllen. In der Folge könnte es mit dem Dax-Aufschwung der vergangenen drei Monate wieder vorbei sein.