KolumneWarum der Rohstoffmarkt Anleger rätseln lässt

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Die spektakulären Jahre, in denen Rohstoffe und deren Kursentwicklungen in den Fokus vieler Anleger rückten, sind seit längerem vorbei. Der Versuch, Rohstoffe durch Verwertpapierlichung handelbarer und anschließend als Anlagegattung einem größeren Publikum schmackhaft zu machen, ist grosso modo nicht gelungen.

Gegenüber den großen Anlagegattungen Aktien, Zinsanlagen und Immobilien fehlt es Rohstoffen an inneren Werttreibern wie Dividenden, Zinsen oder Mieteinnahmen. Bei ihnen kommt es im Wesentlichen auf die reinen Preisentwicklungen an, weshalb Spekulanten hier ein fruchtbares Feld vorfinden.

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In diesem Jahr zeigen sich die Rohstoffpreise einmal mehr von ihrer uneinheitlichen Seite. Während Erdöl und -gas zuletzt auf der Stelle traten, fielen die Preise für Metalle. Es mag verfrüht sein, die Kursrückgänge bei Kupfer und Aluminium als Vorboten einer sich abschwächenden Weltwirtschaft zu deuten. Interessant ist allerdings, dass die sehr flache Zinsstrukturkurve in den USA ganz ähnliche Signale aussendet. Aber auch bei den Metallen ist das Bild nicht einheitlich, was an den Preissteigerungen bei Nickel und Zink ablesbar ist.

Gold: Spitzenreiter bei Edelmetallen?

Eine Sonderrolle unter den Metallen nehmen Edelmetalle ein und dabei übertrifft Gold andere Edelmetalle bei weitem. Gleichwohl hält die Kursentwicklung beim gelben Metall mit der großen Aufmerksamkeit nicht Schritt. Denn das Umfeld für Gold könnte kaum besser sein.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff Chart
Kursanbieter: FXCM

Der Hauptwettbewerber Zins wurde von den Notenbanken weithin abgeschafft und die amtliche Inflationsstatistik weist leicht anziehende Teuerungsraten aus. Zudem fehlt es nicht an Krisen in der Welt, die dem Goldpreis Auftrieb verschaffen müssten.

Auch scheint die Substitutionsgefahr durch Kryptowährungen etwas zurückzugehen, nachdem die Euphorie für Bitcoin und Co. deutlich nachgelassen hat. Deutsche Anleger, die traditionell der Goldanlage trotz ihrer praktischen Nachteile in besonderer Weise gewogen sind, wurden in der jüngeren Vergangenheit zusätzlich vom Verfall des US-Dollars gebeutelt.

Agrarrohstoffe im Fokus

Spannend aber widersprüchlich, fällt das Bild bei Agrarrohstoffen aus. Während Kaffee und vor allem Zucker signifikante Abschläge hinnehmen mussten, konnten Mais, Soja und Weizen robuste Kursgewinne verzeichnen. Von den hohen Preisen des Jahres 2012, als Mais pro Bushel mehr als 8 US-Dollar kostete, ist die heutige Notierung von unter 4 US-Dollar noch meilenweit entfernt, wenngleich das Tal inzwischen durchschritten wurde.

Etwas besser, aber ähnlich, verlief die Entwicklung bei Soja. Die Androhung von Einfuhrzöllen in China hängt jetzt wie ein Damoklesschwert über dem Sojamarkt. Auch der Weizenmarkt erholte sich in den letzten Monaten von seiner Baisse. Unter speziellen Druck geriet wiederum der Zuckerpreis, nachdem in Europa die Zuckermarktordnung liberalisiert wurde. Von seinen Höchstkursen um 34 US-Dollar zu Anfang des Jahres 2011 ist der aktuelle Preis des Süßstoffes mit 12 US-Dollar weit entfernt. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Zuckerindustrie mit dem neuen Umfeld arrangiert.

Erdgas zulasten der Kohle im Kommen

Ähnlich dynamisch geht es auch beim wichtigsten Rohstoff der Welt, dem Erdöl, zu. Seit US-amerikanische Ölförderer ihre Fördermengen durch den Einsatz neuer Techniken drastisch ausweiten konnten, ist der Markt heftig in Bewegung geraten.

 

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff Chart

Für den wetterabhängigen Erdgaspreis gilt das analog, wie der kühle Winter in Europa einmal mehr gezeigt hat. Unstrittig ist aber, dass Erdgas in seiner Bedeutung als Primärenergie in den kommenden Jahren weiter gewinnen wird, was zulasten der etwas in Verruf gekommenen Kohle geschieht.

Die wilden Ausschläge bei Aktien aus dem Rohstoffsektor – man schaue nur etwa auf Südzucker, Gazprom, Exxon, Barrick Gold, Glencore etc. – geben ein valides Bild von der heterogenen Konstitution dieses Marktsegmentes.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns