AnleihenWandelanleihen - Balanceakt für Unsichere

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Geht es nach Investmentgesellschaften, ist eigentlich jeder Zeitpunkt der richtige, um in Wandelanleihen zu investieren. Die Papiere, auch Convertible Bonds oder Convertibles genannt, sind einerseits festverzinsliche Wertpapiere, können aber andererseits auf Wunsch des Anlegers zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem im Voraus festgelegten Preis in Aktien umgewandelt werden. Das lohnt sich, wenn die Aktie so weit gestiegen ist, dass sie den Nominalwert der Anleihe übertrifft. Als Faustregel gilt: Wandelanleihen machen zwei Drittel der Aufwärts- aber nur ein Drittel der Abwärtsbewegungen von Aktien mit. Investmenthäuser rufen deshalb in beinahe jedem Marktumfeld den Siegeszug der Wandelanleihen aus. So auch jetzt wieder.

Diesmal könnten die Gesellschaften durchaus richtig liegen. Die Lage an den Märkten ist schwierig: Die Zinsen am US-Kapitalmarkt sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Anleger warten auf Zeichen dafür, dass die US-Notenbank Fed doch noch Ernst macht und ihre Anleihekäufe reduziert. Wenn das passiert, dürften die Marktzinsen steigen. Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet ohnehin mittelfristig mit kletternden Zinsen.

Wandelanleihen leiden in diesem Umfeld weniger als Staatsanleihen mit langer Restlaufzeit, weil sie nicht so sensibel auf einen Zinsanstieg reagieren. „In Zeiten steigender Marktzinsen trägt die Aktienmarktentwicklung zur Performance der Papiere bei“, erklärt Frederik Hildner, Portfoliomanager beim Convertibles-Spezialisten Salm-Salm und Partner. Gerät die Anleihe unter Druck, können steigende Aktienkurse nämlich die Wandeloption interessanter machen und die Verluste auf der Rentenseite im besten Fall überkompensieren. „Der positive Effekt von der Aktienseite war in der Vergangenheit meist stärker als der negative Effekt aus den steigenden Zinsen“, sagt Hildner. Wandelanleihen könnten deshalb jetzt ein spannendes Investment für Anleger sein, die sich zwischen Anleihen und Aktien positionieren wollen.

Warten auf die Fed

Die aktuelle Situation lässt sich nicht direkt mit anderen Jahren vergleichen, als die Marktzinsen – und in der Folge auch die Aktienkurse – gestiegen waren. Die jüngste Aktienmarktrally war nämlich kaum von zunehmenden Unternehmensgewinnen getrieben, sondern nach Ansicht vieler Experten vielmehr durch die lockere Geldpolitik der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB). Wenn die Fed ihren geldpolitischen Kurs ändert, könnten die Aktienkurse also durchaus fallen statt zu steigen. Auch Wandelanleihen würden dann unter Druck geraten. Viele Ökonomen und Analysten zeigen sich derzeit allerdings optimistisch für die weltweite Konjunktur und damit auch für die Gewinne der Unternehmen. In der Eurozone etwa zeichnete sich im zweiten Quartal 2013 zum ersten Mal seit sechs Quartalen wieder ein kleines Wachstum ab.

Ein weiteres Argument für Wandelanleihen: Die Emissionstätigkeit brummt, Anleger haben auf dem Convertibles-Markt im laufenden Jahr eine besonders große Auswahl. Seit Anfang des Jahres haben Unternehmen weltweit Wandelanleihen mit einem Gesamtvolumen von rund 79 Mrd. US-Dollar auf den Markt gebracht. Das ist so viel wie seit 2010 nicht mehr. Die Einzeltitelauswahl sei allerdings entscheidend, weil keine Branche derzeit ein einheitliches Bild zeige, sagt Klaus Göggelmann, Portfoliomanager beim Schweizer Wandelanleihespezialisten Fisch Asset Management. Bei der Länderauswahl findet er unter anderem Japan besonders interessant. Hildner von Salm-Salm und Partner sieht das ähnlich: „Japanische Unternehmen haben zuletzt einige interessante Wandelanleihen emittiert“, sagt er.

Fonds für Privatanleger geeignet

Für Privatanleger ist ein Einzelinvestment in Convertibles schwierig. Die meisten Papiere sind nur in einer sehr hohen Mindestmenge zu haben und damit für Privatinvestoren nicht erschwinglich. Eine der wenigen Ausnahmen ist etwa die Wandelanleihe des kalifornischen Elektroautoherstellers Tesla, die es bereits ab tausend Stück zu kaufen gibt. Das Tesla-Papier läuft bis 2018 und bietet einen Kupon von 1,5 Prozent. Spezialisten fanden es im Frühjahr interessant, seit Mai ist allerdings Teslas Aktienkurs stark gestiegen – und damit auch der Kurs der Anleihe. Das drückt die Rendite. Wer jetzt noch einsteigen will, sollte gute Gründe zu der Annahme haben, dass sich die Kursrally fortsetzt.

Grundsätzlich sollten Privatanleger besser über Fonds in Wandelanleihen investieren, als Einzeltitel zu kaufen. Dabei sollten sie besonders auf die Restlaufzeit der Papiere im Fonds achten: Je nachdem, wie lang diese ist, verhalten sich die Produkte nämlich eher wie ein Aktien- oder eher wie ein Renteninvestment. Investoren ohne klare Marktmeinung sollten darauf achten, dass sich der Fondsmanager ungefähr in der Mitte positioniert. Damit schöpfen sie den großen Vorteil der Papiere, das sogenannte asymmetrische Risikoprofil, voll aus.

Anlageklasse im Aufwind

Quelle: UBS Convertibles Marketing/Thomson Reuters/Angaben in Mrd. US-Dollar
Quelle: UBS Convertibles Marketing/Thomson Reuters/Angaben in Mrd. US-Dollar

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