Fonds„Vieles spricht für eine Korrektur“

Seit Mitte Juni ist der Ölpreis spürbar gestiegen. Steht er endlich am Anfang eines langfristigen Aufwärtstrends?

Der Preis klettert bereits seit Anfang vergangenen Jahres. Nachdem er unter 30 US-Dollar je Barrel gefallen war, hat er sich zwischenzeitlich fast verdoppelt und dann auf einem Niveau von rund 50 Dollar stabilisiert. Ich bezweifele allerdings, dass der Aufwärtstrend von Dauer ist. Ich rechne für die kommenden Jahre mit einer Seitwärtstendenz in einer Bandbreite zwischen 45 und 55 Dollar.

Warum das?

Die Öl-Nachfrage dürfte zwar im laufenden und im kommenden Jahr steigen. Allerdings steigt gleichzeitig auch das Angebot. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) versucht ihre Ölproduktion seit dem vergangenen Jahr einzuschränken, um den Angebotsüberschuss zu beseitigen und so den Preis in die Höhe zu treiben. Damit hat sie aber bislang nicht viel Erfolg.

Mehrere Opec-Mitglieder halten sich nicht an die Vorgaben zur Förderkürzung. Warum nicht?

Libyen, Iran und Nigeria haben abgelehnt, ihre Ölproduktion zurückzufahren. In den vergangenen Jahren konnten sie nicht so viel Öl fördern wie geplant, wegen politischer und geopolitischer Probleme. Jetzt kehrt allmählich wieder Ruhe ein, sodass sie die Produktion steigern können. Sie wollen für diese Rückkehr zur Normalität nicht bestraft werden.

Folgen eines steigenden Ölpreises

Das Opec-Mitglied Venezuela steckt nach wie vor in einer Staatskrise. Wie wirkt sich das auf den Ölpreis aus?

Es klingt zynisch, aber wenn die Krise in Venezuela ein schnelles Ende finden würde, wäre das schlecht für den Ölpreis. Venezuela hat die größten Ölreserven der Welt. Sollte sich das Land für ausländische Investitionen und Konzerne öffnen, könnte es diese Reserven schneller, günstiger und effizienter abbauen als je zuvor. Ähnlich lief es im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins ab. Momentan liegt die venezolanische Ölproduktion am Boden. Je länger die Krise andauert, desto stärker stützt das den Ölpreis.

Spielt ein höherer Ölpreis nicht der US-amerikanischen Schieferölindustrie in die Hände?

Genau das ist der Fall. Als die Opec ihre Pläne zur Produktionskürzung verkündet hat, habe ich deshalb gleich gesagt, dass diese Strategie keinen Erfolg haben wird. Ein steigender Ölpreis führt letztlich dazu, dass die Förderung außerhalb der Opec zunimmt, vor allem in den USA, aber auch in Norwegen, Brasilien und Kanada. In der Folge steigt das Angebot, und der Preis gibt wieder nach. Die Opec wird ihr Ziel von 70 bis 75 Dollar je Barrel mit ihrer aktuellen Strategie nicht erreichen. Zwischenzeitliche Preisanstiege werden nicht von Dauer sein.

Welche Faktoren könnten kurzfristig eine Rolle spielen?

Für die kurz- bis mittelfristige Ölpreisentwicklungen ist es wichtig, wie sich die Mehrheit der Anleger positioniert. Setzt sie auf steigende Preise, tritt oft das Gegenteil ein, und umgekehrt. Das liegt daran, dass der Markt negative oder positive Nachrichten zu stark einpreist. Aktuell sind die Anleger sehr optimistisch. Das spricht dafür, dass es bald eine Korrektur geben wird.

Saudi-Arabien will seine staatliche Ölgesellschaft Saudi Aramco in den kommenden zwei Jahren an die Börse bringen. Dafür hätten die Saudis gern einen Barrel-Preis von 60 bis 70 Dollar. Wie realistisch ist das?

Meines Erachtens steht bereits jetzt fest, dass der Börsengang schon Anfang kommenden Jahres stattfinden wird. Das Erstaunliche daran ist, dass die Saudis eine Börsenbewertung für Saudi Aramco ausgerufen haben, an der sie unabhängig vom Ölpreis festhalten. Deshalb scheint der Ölpreis letztlich gar keine große Rolle für den Börsengang zu spielen. Ich bezweifele aber ohnehin, dass ein Preis von 60 bis 70 Dollar genügen würde, um die Bewertung zu rechtfertigen.

Warum?

Der Börsenwert von Saudi Aramco soll zwei Billionen Dollar betragen. Dabei ist der Konzern nur etwa doppelt so groß wie die russische Ölgesellschaft Rosneft, deren Marktkapitalisierung 50 Mrd. Dollar beträgt. Das größte Problem für Investoren ist aber, dass man kaum etwas über Saudi Aramco weiß, über seine Zukunftsaussichten, seine Profitabilität oder seine Cash-Reserven.

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