StrafzölleUSA gegen China: keine Waffenruhe im Handelskrieg

Trump und Xi Jinping
US-Präsident Donald Trump bei seinem Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping im November 2017.Getty Images

Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die Vereinigten Staaten haben im vergangenen Monat weitere Strafzölle verhängt, und zwar auf chinesische Waren mit einem Volumen von 200 Mrd. US-Dollar. Inzwischen ist somit die Hälfte aller US-Importe aus China mit Strafzöllen belegt. Ab kommendem Jahr sollen die Zölle von aktuell zehn auf 25 Prozent steigen. Chinas Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Die Regierung in Peking verhängte ihrerseits zwischen fünf und zehn Prozent Zoll auf weitere US-Einfuhren mit einem Volumen von 60 Mrd. US-Dollar.

Trotz immer neuer Eskalationen schlägt sich der Handelskonflikt bisher kaum auf die US-Wirtschaft nieder. Die Konjunktur brummt, an der Wall Street geht es mit nahezu ungebremstem Schwung aufwärts. Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen für die USA im laufenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent – das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn prognostiziert. Auch die US-Notenbank Fed geht offenbar von einer stabilen Wirtschaftsentwicklung aus. In der vergangenen Woche hat sie zum dritten Mal im laufenden Jahr die Leitzinsen angehoben, auf eine Spanne von 2 bis 2,5 Prozent.

Früher oder später könnte die US-Wirtschaft allerdings unter Druck geraten, warnen Marktbeobachter. So rechnet der IWF damit, dass sich das Wachstum in den Vereinigten Staaten mittelfristig auf 2,3 Prozent abschwächt, nicht zuletzt wegen des Handelskriegs. Auch ein Blick in die Vergangenheit bietet Anlass zur Sorge: Im Jahr 1930 verabschiedete der damalige US-Präsident Herbert Hoover den sogenannten Smoot-Hawley Tariff Act, der die Importzölle auf mehr als 20.000 Produkte auf ein Rekordniveau anhob. Das Gesetz sollte die heimische Wirtschaft schützen, führte aber dazu, dass sowohl der Im- als auch der Export in den USA deutlich zurückging, der Welthandel schrumpfte und die Weltwirtschaftskrise sich deutlich verschärfte. Trumps Protektionismus könnte ähnliche Folgen haben, fürchten Ökonomen.

Investoren ziehen Geld aus Schwellenländern ab

Auch China dürfte mittelfristig unter dem Handelskrieg leiden – wie stark, ist allerdings umstritten. Das Tempo des chinesischen Wirtschaftswachstums hat zuletzt nachgelassen, in den kommenden Monaten könnte es nach Einschätzung von Ökonomen unter die Sechs-Prozent-Marke fallen. Insgesamt sei die chinesische Wirtschaft aber heute weniger stark vom Export abhängig als noch vor einigen Jahren, sagen Asienexperten. Der Inlandskonsum leistet mittlerweile nämlich einen größeren Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Der Effekt der US-Strafzölle könnte deshalb geringer ausfallen als gedacht.

Für Anleger bleibt der Ausblick unsicher. Weder chinesische noch US-amerikanische Aktien disqualifizieren sich jetzt als Investment – sollte der Konflikt weiter eskalieren, drohen aber Kursrücksetzer. „Der Handelskrieg wird die Risikobereitschaft der Investoren weiter einschränken“, prophezeit Witold Bahrke, Stratege bei Nordea Asset Management. Anleger bevorzugten derzeit US-Aktien gegenüber Titeln aus Regionen, die anfälliger auf den Streit reagierten. Das betrifft vor allem Schwellenländer. Aus denen haben Investoren im laufenden Jahr viel Geld abgezogen. Bei einer weiteren Eskalation dürften Emerging-Markets-Aktien weiter unter Druck geraten.