GeldanlageUnd die Fed bewegt sich doch


Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Es ist zumindest ein Anfang, wenn auch nur ein sehr kleiner. Auf 0,25 bis 0,5 Prozent hat die US-Zentralbank Fed die Leitzinsen in den USA erhöht. Endlich. Damit hätte sich nun nach jahrelangem Warten immerhin eine Frage geklärt, nämlich ob die Zinswende nun tatsächlich kommt oder nicht. Sie ist da. Zumindest in Amerika wird es mit den Zinsen wieder aufwärts gehen, wenn auch noch nicht in Europa. Hier hat sich die Europäische Zentralbank gerade erst darauf verständigt, ihren Kurs der expansiven Geldpolitik noch eine Weile fortzuführen und weiter Anleihen zu kaufen. Das wird die Zinsen noch niedrig halten, bis 2018 vermutlich noch. Was manche zu der Aussage verleitet, die Fed-Entscheidung betreffe bis dahin die Märkte in Europa nicht. Doch das stimmt nicht, natürlich tut sie das und zwar auf vielfache Weise.

Direkt nach der Entscheidung blieben die Märkte weltweit zunächst ruhiger als es mancher kritische Beobachter angenommen hatte. Allenfalls hierzulande ließ sich der Deutsche Aktienindex Dax gegen Ende der Woche zu so etwas wie einem kleinen Luftsprung hinreißen. Vorwiegend war es Erleichterung, die an den Börsen zu spüren war. Denn im Grunde war es die immer wieder und wieder aufgeschobene Zinsentscheidung, die zuvor lange für große Unsicherheit gesorgt hatte. Ein großes Beben an den Märkten hatte die Fed schon 2013 ausgelöst, als sie sich von der Strategie der Anleihenkäufe verabschiedete (Tapering). Damals zogen viele Investoren hektisch große Summen aus Risiko- und Schwellenländern ab. Im Grunde nahm sie damit schon einiges vorweg, wodurch das große Beben dieser Tage ausgeblieben ist.

Ein Rest Unsicherheit bleibt

Seit 2013 gab es ein großes Auf und Ab an den Börsen. Das geschah, wenn ein Satz von Ex-Notenbankchef Ben Bernanke oder seiner Nachfolgerin Janet Yellen die Hoffung nährte, es könne zu einer Zinsanhebung kommen, beflügelte das die Kurse. Doch jedes Mal, wenn auf die Ankündigungen dann doch keine Taten folgten und dazu noch andere Unwägbarkeiten kamen wie zuletzt die Sorgen um die Wirtschaftsschwäche Chinas, dann erdete das die Kurse auch wieder. So gesehen ist die erfolgte Leitzinsanhebung nun ein kleiner Befreiungsschlag, weil klar ist, in welche Richtung es künftig gehen soll. Es geht mit den Zinsen aufwärts. Vorerst.

Ein Rest Unsicherheit aber bleibt. Schließlich hat Notenbankchefin Yellen angekündigt, dass sie zwar vorhabe, noch weitere Anhebungen im Laufe des Jahres 2016 folgen zu lassen. Doch sie hat genauso zu verstehen gegeben, sie werde die Reaktionen der amerikanischen Wirtschaft auf die Zinsanhebung genau beobachten. Was im Umkehrschluss nichts anderes heißt als: Entwickeln sich die Konjunktur, die Arbeitslosigkeit und die Löhne in Amerika nicht wie erhofft, ist ebenso denkbar, dass die Fed von ihrem Kurs wieder abweicht und zu niedrigeren Zinssätzen zurückkehrt. Zu welchem der Szenarios es kommt – weitermachen oder umkehren – ist derzeit bei Investmentprofis hoch umstritten.

Viele glauben daran, dass die Vereinigten Staaten schon 2016 wieder mehr als ein Prozent Zinsen sehen werden. Langfristig sollen 3,5 Prozent wieder das neue Normalnull sein. Etwa genauso viele sagen aber: Schon die Ein-Prozent-Marke ist zu ambitioniert, dafür sei die Wirtschaft in den USA noch nicht stark genug. Große Skeptiker warnen sogar: Die Fed wolle sich mit der Zinsanhebung lediglich munitionieren, da Amerika demnächst wohl wieder in die Rezession rutschen werde. Die sei eigentlich überfällig. Tatsächlich dauert der jetzige Aufschwung ungewöhnlich lang und länger als viele vor ihm. Wie weit er also noch anhalten wird, ist mittlerweile die bange Frage. Und nur, wenn man jetzt die Leitzinsen anhebt, kann man sie im Falle eines Falles wieder senken, um der Wirtschaft im Abschwung wenigstens einen kleinen Sturzpuffer zu verschaffen.