GeldanlageWas Trumps Sieg für Anleger bedeutet


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


Wenn man sich fragt, was man von Amerikas neuem Präsidenten zu halten hat – von dem Mann, an dessen Deutung nun schon so viele Zeitgenossen weltweit gescheitert sind – dann orientiert man sich am besten an einem Satz, den Donald Trump selbst im Laufe des Wahlkampfes gesagt hat: „Ich bin total flexibel bei vielen, vielen Themen – und ich glaube, man muss das auch sein.“ Man fühlt sich dabei unweigerlich erinnert an den Spruch von Kurt Tucholsky: „Wer nach allen Seiten offen ist, der kann nicht ganz dicht sein.“ Folgerichtig überwiegt nach der ersten Fassungslosigkeit über seinen Wahlsieg zunächst eines: Die bange Frage, was das alles für die Welt, die Weltfinanzmärkte und die Anleger weltweit heißt. Was also nun?

Viele Chefökonomen und Hausstrategen von großen Investmentgesellschaften, Banken, Börsen und Assetverwaltern versuchen, das zu beantworten, und das Wort, das dabei am häufigsten fällt ist: Unsicherheit. Gerade weil dieser Mann sich im Wahlkampf bei so vielen Themen so wenig festgelegt hat, weiß niemand so recht, wohin er das Land eigentlich steuern wird. Dementsprechend hektisch reagierten auch die Börsen auf die ersten Meldungen von Trumps Sieg: Der Nikkei rutschte als erster nach unten und schloss „the day after“ gut sieben Prozent im Minus. Der Dax schloss am Vorabend bei 10.500 Punkten und rutschte direkt nach Verkündung der ersten Ergebnisse um 300 Punkte ab. Auch die Börse in Hongkong stürzte ab. Allerdings schlossen die Aktienmärkte in den USA und in Europa im Plus. Am Donnerstag stieg der Dow Jones sogar auf ein Allzeithoch. Viele dieser kurzzeitigen Turbulenzen werden schon bald vergessen sein. Langfristig aber wird die Amtszeit von Trump sehr wohl größere wirtschaftliche Spuren hinterlassen, auf die Anleger gefasst sein sollten.

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Bei den Währungen etwa wird es in der kommenden Zeit wohl recht turbulent zugehen. Der Dollar büßte bereits am Tag nach der Wahl mächtig ein und auch der mexikanische Peso sackte um zehn Prozent ab. Den Mexikanern hat Donald Trump schließlich mehr als einmal einen Handelskrieg angedroht und auch den Bau einer Grenzmauer gegen illegale Einwanderer. Zudem ist Mexiko wirtschaftlich aufs engste mit dem mächtigen Nachbarn im Norden verflochten.

Mexiko trifft es am härtesten

Viele Marktbeobachter sagen deshalb: Mexiko wird das Land sein, dass kurzfristig die größten Einbußen spüren wird. Der Peso wird weiter stark fallen. Der Dollar wird ebenfalls auf absehbare Zeit schwach bleiben. Nun werden viele Anleger wohl wieder in die vermeintlich sicheren Häfen der Währungswelt flüchten und sich erneut mit dem japanischen Yen und Schweizer Franken eindecken. Dem Euro hat der Wahlsieg des erklärten Außenhandelsfeinds Trump dagegen einen sofortigen Schub verpasst auf 1,13 Dollar. Auf längere Sicht steht den Währungsmärkten wohl noch einiges an Auf und Ab bevor. Anleger sollten sich also lieber nicht auf deutliche Trends einstellen, sondern eher mit einer insgesamt instabilen Phase rechnen, warnen etliche Ökonomen.

Umgekehrt hilft ein schwacher US-Dollar aber den amerikanischen Großunternehmen. Zumindest denjenigen, die stark exportorientiert sind und viel Handel mit dem Ausland betreiben, also etwa denen im S&P 100-Index. Denn sie können ihre Produkte dadurch im Ausland erheblich billiger absetzen. Kurzfristig wird der Index nachgeben, weil die Unsicherheit über Trumps künftige Wirtschaftspolitik sicher dazu führen wird, dass sich Investoren von amerikanischen Aktien trennen. Längerfristig aber dürften die S&P-100-Firmen gewinnen, weil sie vom schwachen Dollar profitieren.

Wie es um die Aussichten für Amerikas Gesamtwirtschaft steht, fassen die Chefökonomen so zusammen: Es wird eine starke Volkswirtschaft bleiben, trotz des möglichen Schadens, den ihnen der Protektionismus des neuen Präsidenten zufügen wird, wenn der ausgerechnet bei diesem Thema unflexibel sein sollte und auf seiner bisherigen Meinung beharrt. Denn von den Fundamentaldaten her zeigt sich sowohl die Unternehmenslandschaft als auch die Konsumlust der Bevölkerung robust. Größere Einbrüche sind hier allein durch einen Donald Trump als Präsidenten wohl nicht zu erwarten. Eine Studie des Beratungsunternehmens Oxford Economics beziffert den vermutlichen wirtschaftlichen Schaden durch Trumps Amtszeit zwar auf gigantische 1000 Mrd. Dollar. Aber es wäre unwahrscheinlich, dass er dadurch eine Wirtschaft zu Fall bringt, die selbst die Weltfinanzkrise weitgehend unbeschadet überstanden hat und schon anderen Katastrophen trotzte.

Trumps Hochrisikostrategie

Allenfalls die Pharmaindustrie und Biotechbranche muss sich darauf einstellen, dass sie nicht ganz glimpflich wegkommt, wenn Trump seine Drohung wahrmacht und das Gesundheitssystem stutzt. Profitieren könnten dagegen US-Infrastrukturfirmen. Denn Trump hat ein milliardenschweres Konjunkturpaket für die Infrastruktur angekündigt. Das aber wird in der Folge noch ganz andere Dinge auslösen: Er will die Staatsverschuldung insgesamt ausweiten, das könnte zwar der Wirtschaft zu mehr Wachstum verhelfen, aber auch die Inflation anheizen und die Zinssätze in die Höhe schrauben.

Nun sind steigende Zinsen genau das, worauf die Welt schon länger wartet – allerdings hatten viele sie eher von der Notenbank Fed erwartet. Aus deren Ankündigung jedoch, die Zinsen bereits im Dezember um ein paar weitere Prozentpunkte anzuheben, wird angesichts der Unsicherheit nun vermutlich nichts. Wenn sie clever ist, sagen die Assetverwalter, tut die Fed zuerst einmal nichts. Zumal der neue Präsident ohnehin kein Freund der monetaristischen Notenbankpolitik ist. Er favorisiert die Fiskalpolitik durch höhere Staatsausgaben. Deshalb fragen sich einige nun, wie lange wohl Notenbankchefin Janet Yellen wohl noch im Amt bleiben wird.

Höhere Ausgaben und mehr Wachstum klingen zunächst einmal gut. Aber Moment, … steigende amerikanische Staatsverschuldung … war da nicht was? Genau, die Vereinigten Staaten waren zuletzt mehrfach beinahe pleite. Deswegen muss man einen großzügigen Ausgabenkurs zumindest als Hochrisikostrategie einordnen. Das kann zu mehr Wachstum, höherem Steueraufkommen und mehr Staatseinnahmen führen. Sind jedoch alle Amerikaner ähnlich steuerehrlich wie ihr neuer Präsident, kann diese Strategie auch nach hinten losgehen. Wer daher jetzt ein riskantes Investment sucht, kann über den Kauf amerikanischer Staatsanleihen nachdenken. Deren Zinssätze werden sicherlich bald steigen. Ob die Rückzahlung jedoch auch garantiert ist, wird sich wohl erst am Ende von Trumps Amtszeit zeigen.

Wirtschaftskrieg gegen China?

Für viele Schwellenländer heißt die Wahl auch nichts Gutes. Einige zentralamerikanische Staaten hätten allein dadurch hohe Einbußen zu erwarten, wenn Trump seine immigrantenfeindliche Politik umsetzen und illegale Einwanderer heimschicken würde. Viele Zuwanderer halten mit ihrem in den USA erzielten Einkommen ihre Heimatländer regelrecht am Laufen. Bei Honduras etwa machen solche Heimatüberweisungen rund 13 Prozent der Wirtschaftskraft aus, in El Slavador acht Prozent und in Guatemala knapp sechs Prozent. Am stärksten abhängig vom Handel mit Amerika sind überdies Kanada, Taiwan, Irland und China.

Wie sich die Beziehungen zu China entwickeln werden, dem der gewählte Präsident ebenfalls einen Wirtschaftskrieg angedroht hat, bleibt abzuwarten. Weniger beeindruckt werden sich Länder wie Indien oder Brasilien zeigen, die bisher weitgehend abgeschottet blieben. So führt der neue amerikanische Protektionismus ironischerweise dazu, dass ausgerechnet die gewinnen, die sich ohnehin noch nie geöffnet haben.

Und was bedeutet es für Deutschland? Auch Einbußen, soviel ist klar. Die USA sind ein wichtiger Handelspartner, deshalb wird man auch hier spüren, wenn der neue Präsident den Freihandel einschränkt oder seiner Volkswirtschaft zu langsameren Wachstumsraten verhelfen wird. Ein halbes Prozentpunkt weniger Wachstum wäre dadurch auch hierzulande möglich, schätzen Ökonomen. Ganz dramatisch klingt das noch nicht, aber in ohnehin unsicheren Zeiten wirkt dieser Wahlausgang auf viele Anleger wie ein großer Alptraum. Und kneifen hilft nicht mal. Jetzt nicht mehr.

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