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Elektroautobauer Tesla-Aktie: Günstig oder doch ein Griff ins fallende Messer?

Eisige Zeiten für Tesla-Fans: Im vergangenen Jahr ist die Aktie des E-Autobauers um über 60 Prozent eingestürzt
Eisige Zeiten für Tesla-Fans: Im vergangenen Jahr ist die Aktie des E-Autobauers um über 60 Prozent eingestürzt
© IMAGO/MiS
Lange wurde der E-Autobauer von Elon Musk gehypt. Im vergangenen Jahr stürzte die Aktie dann aber um zwei Drittel ab. Ist der Boden schon gefunden oder gibt es weiteres Potenzial nach unten?

Rund 700 Mrd. Dollar an Börsenwert haben sich im vergangenen Jahr durch den Kurssturz der Tesla-Aktie in Luft aufgelöst. Das Papier wird nur noch zu gut einem Drittel des Preises gehandelt, den es Ende 2021 noch wert war. Allein das Vermögen von Unternehmenschef und Großaktionär Elon Musk ist vor allem aufgrund dieses Kursverlusts um 200 Mrd. Dollar geschrumpft. Laut dem Milliardärs-Index von Bloomberg hat nie zuvor ein Mensch so viel Geld verloren. 

Skeptiker hatten die Bewertung des noch jungen E-Autobauers Tesla, die zeitweise über einer Billion Dollar und damit höher als alle anderen Autokonzerne zusammen lag, seit Jahren für weit überhöht gehalten. Leerverkäufer hatten an der Börse entsprechend auf eine Kurskorrektur gewettet und Schätzungen zufolge 2022 rund 17 Mrd. verdient, so viel wie mit keiner anderen Aktie. Doch ist mit diesem Absturz die Luft aus der Tesla-Blase raus? Ist die Aktie jetzt angemessen oder sogar günstig bewertet? 

Einige Analysten glauben das. Ben Kallo von der Investmentbank Baird hält die Tesla-Aktie angesichts des Preisabsturzes sogar für die „beste Idee“ für Anleger für das Jahr 2023. Kallo hat zwar wie die meisten Analysten sein Kursziel für Tesla im vergangenen Jahr deutlich – von mehr als 300 auf rund 250 Dollar - gesenkt. Der Börsenkurs brach aber noch schneller auf zeitweise weniger als 110 Dollar ein, sodass Kallo und andere Experten einen Anstieg um 100 Prozent oder mehr im laufenden Jahr für möglich halten. 

Die Tesla-„Bullen“ verweisen darauf, dass während der Aktienkurs einbrach, sich die finanzielle und wirtschaftliche Situation des Unternehmens verbessert hat. Der Absatz dürfte 2022 erstmals die Marke von einer Million Autos weit übertroffen haben. Mit seinen neuen Werken in China, Deutschland und in Texas in den USA hat Tesla Kapazitäten, die Produktion weiter deutlich zu erhöhen. Vor allem verdient das lange defizitäre Unternehmen inzwischen an jedem gebauten und verkauften Auto, und zwar mehr als die meisten großen Hersteller. 

Vorbei sind die Zeiten, in denen Musk von einer „Produktionshölle“ berichtete, weil die Massenfertigung nur unter größten Anstrengungen hochgefahren werden konnte und Tesla nach Aussage des Chefs die notwendige Liquidität zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs auszugehen drohte. Inzwischen sitzt der Konzern auf Bar-Reserven von mehr als 20 Mrd. Dollar. 

Allerdings wird Tesla mit einer Marktkapitalisierung an der Börse im Vergleich zu anderen Autoherstellern immer noch sehr hoch bewertet. Mit einer Marktkapitalisierung von 385 Mrd. Dollar ist Tesla zwar nicht mehr teurer als alle anderen börsennotierten Autokonzerne der Welt zusammen, aber beispielsweise weiterhin wertvoller als alle deutschen Hersteller zusammen. Das Verhältnis von Aktienkurs zu Gewinn liegt für Tesla nun um die 30. Bei den traditionellen Autokonzernen ist diese Kennzahl einstellig. 

Vertrauen der Investoren verloren 

Das zeigt, dass auch der aktuelle Aktienkurs von Tesla nur zu rechtfertigen ist, wenn man von einem weiteren gewaltigen Wachstum bei Umsatz und Gewinn für die kommenden Jahre ausgeht. Das ist aber keineswegs sicher. Denn der globale Abschwung geht auch an dem E-Auto-Pionier nicht spurlos vorüber. Zur sinkenden Kaufkraft bei vielen Kunden aufgrund der hohen Inflation kommt eine wachsende Konkurrenz durch europäische und chinesische Hersteller, die auf einen Markt drängen, den sie Tesla in den vergangenen Jahren noch überwiegend kampflos überlassen hatten. Bereits in den vergangenen Monaten musste Tesla hohe Preisnachlässe gewähren, um seine Absatzziele für 2022 zu erreichen. Anders als noch vor einem Jahr, besteht die Herausforderung für Tesla nicht mehr darin, die Produktion hochzufahren, um die Nachfrage zu befriedigen, sondern die produzierten Autos gewinnbringend zu verkaufen. 

Dazu kommt, dass Teslas Chef, der das Unternehmen durch alle Herausforderungen auf seinen bisherigen Wachstumskurs gesteuert hatte, derzeit kaum präsent ist. Nicht nur, dass Musk aufgrund seines Engagements bei seiner neuen Problem-Firma Twitter derzeit kaum Zeit für Tesla aufbringen kann. Musk habe, schreibt Dan Ives von der Investmentfirma Wedbush in einer Analyse, „das Vertrauen der Investoren verloren“. Gebrochene Versprechen, etwa als er immer wieder Tesla-Aktien verkaufte, das „Twitter-Fiasko“ und das Entfachen eines „politischen Feuersturms“ in dem sozialen Netzwerk, hätten der Marke Tesla geschadet und seien ein „komplettes Debakel“ für die Aktie. 

Trotzdem sieht Ives weiterhin Potenzial für Tesla und rät sogar zum Kauf der Aktie. Schließlich sei das Unternehmen mehr als ein klassischer Autobauer. Hoffnung setzt er unter anderem auf die Energiesparte des Unternehmens. Wenn Musk sich statt auf Twitter wieder mehr auf Tesla konzentriere, dürfte sich auch der Aktienkurs wieder erholen, so der Analyst. Er hält einen Kurs 175 Dollar für realistisch.

Dieser Artikel ist zuerst auf ntv.de erschienen

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