KommentarSaudi Aramco – eine unsichere Wette

Die Regierung Saudi-Arabiens hat – bisher noch sehr vage – einen Gedanken ins Spiel gebracht, der die Märkte elektrisiert: ein Teil von Saudi Aramco, des größten Ölproduzenten der Erde, könnte an die Börse gebracht werden. Die Frage ist: Was würden Investoren dabei für ihr Geld bekommen?

Eines ist schon einmal klar: Saudi Aramaco ist kein Unternehmen, das im herkömmlichen Sinn profitorientiert handelt. Staatliche Ölkonzerne haben oft ein gelinde gesagt unkonventionelles Verständnis von Unternehmertum und für die Saudis gilt das noch mehr als für alle anderen. Es ist in vielen Fällen kaum zu erkennen, wo staatliches Interesse aufhört und wo das Unternehmen anfängt. Zu den Pflichten des Konzerns gehört weitaus mehr als nur Öl aus dem Boden zu holen.

Aramco unterhält eine Universität, es betreibt Krankenhäuser, die bis zu 360.000 Menschen behandeln könnten und trägt auch die Verantwortung für den Hochwasserschutz in der Küstenstadt Dschidda. Das Unternehmen ist ein wichtiger Faktor für die saudische Wirtschaftsförderung. Es baut eine Industriestadt im Südwesten des Landes, durch die der Export jenseits von Ölprodukten angeschoben werden soll. Aramco finanziert Werften und Hersteller von Solaranlagen und betreibt sogar ein Technologiezentrum in der Stadt Dahran.

König der Ölreserven

Diesen krakenhaften Konzern zu durchschauen ist schwer, vor allem, da alle seine Aktivitäten faktisch der Geheimhaltung unterliegen. Für Saudi-Arabien hat Aramaco strategische Bedeutung, es liefert nicht nur neun Zehntel der staatlichen Einnahmen, sondern spielt eine überragende Rolle für den Export und erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Die Regierung ist daher mit der Freigabe von Informationen zur Finanzlage oder dem operativen Geschäft äußerst zurückhaltend.

Nun könnte man argumentieren, dass all dies für Investoren keine Bedeutung haben muss – angesichts des schieren Umfangs der von Aramco kontrollierten Reserven und seines Outputs. Das Unternehmen ist mit weitem Abstand der größte Ölproduzent der Welt und pumpt täglich etwa zwölf Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) Öl aus dem Wüstensand. Nach ungeprüften Angaben sitzt Aramco auf Reserven von 268 Milliarden Barrel Öl. Und zu allem Überfluss kann dieses Öl auch noch kostengünstiger gefördert werden als irgendwo sonst auf der Welt. Auf Grundlage dieser Rahmendaten gehen Schätzungen von einem potenziellen Marktwert des Konzerns von über 2000 Mrd. Dollar aus. Es ist also nur schwer zu begründen, warum Saudi Aramco nicht im Portfolio jedes Rohstoffinvestors eine zentrale Rolle spielen sollte.